Ersteinschätzung, Pflicht

TK fordert digitale Ersteinschätzung als Pflicht für Arzttermine

23.01.2026 - 18:53:12

Die Techniker Krankenkasse will eine digitale Vorschaltung für Arzttermine verpflichtend machen. Dies stößt auf politische Unterstützung, aber auch auf Kritik von Patientenverbänden.

Die größte deutsche Krankenkasse will digitale Vorschaltungen für Arztbesuche verpflichtend machen. Das sorgt für heftigen Streit zwischen Kostenträgern, Politik und Patientenvertretern über die Zukunft der medizinischen Versorgung.

Digitale Lotsen sollen Praxen entlasten

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat an diesem Freitag eine Debatte neu entfacht. Sie fordert eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung vor jedem Arztbesuch. Patienten sollen ihre Symptome zunächst in einer Gesundheits-App oder einem Online-Portal schildern. Eine KI-gestützte Analyse soll dann den Weg weisen: zum Facharzt, zum Hausarzt oder in die Apotheke.

„Das heutige System überfordert viele Patienten“, begründet TK-Chef Jens Baas den Vorstoß. Oft führten ziellose Anrufe bei verschiedenen Praxen nicht zum gewünschten Termin. Eine vorgeschaltete digitale Analyse könne nicht-dringende Fälle herausfiltern. So würche Kapazitäten für diejenigen frei, die wirklich eine persönliche Untersuchung brauchen.

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Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der TK sind 64 Prozent der Bundesbürger für solche digitalen Ersteinschätzungen offen. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar 79 Prozent.

Ministerin Warken plant Primärarztsystem bis 2028

Der Vorstoß der Kasse trifft auf politischen Rückenwind. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat erst vergangene Woche die Einführung eines Primärarztsystems bis 2028 skizziert. Kernidee: Patienten müssen zunächst eine primäre Anlaufstelle – einen Hausarzt oder ein digitales Äquivalent – konsultieren, bevor sie zum Facharzt gehen.

„Funktionierende digitale und telefonische Ersteinschätzungen sind eine Grundvoraussetzung für dieses System“, betonte Warken. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) steht dem Modell grundsätzlich offen gegenüber. Die Digitalisierung müsse im Hintergrund reibungslos laufen, um den Ärzten tatsächlich Zeit zu sparen, so KBV-Vorstand Dr. Sibylle Steiner.

Markt prescht vor: DocMorris integriert Hautanalyse-KI

Während die Politik noch diskutiert, macht die Wirtschaft bereits Ernst. Die digitale Gesundheitsplattform DocMorris integrierte am Donnerstag die KI-gestützte Hautanalyse Autoderm in ihre App. Nutzer laden Bilder von Hautveränderungen hoch und erhalten sofort eine Einschätzung: Arztbesuch nötig oder nicht?

Solche Tools zeigen, wie digitale Steuerung in der Praxis funktionieren kann. Sie entwickeln sich von simplen Trackern zu diagnostischen Hilfssystemen. Ein ähnliches Ziel verfolgt der „Notfall-Finder“ im Kanton Bern. Diese Web-App soll durch einen Symptom-Checker die Besuche in Notaufnahmen reduzieren.

Patientenverbände schlagen Alarm: „Keine neue Hürde!“

Scharfe Kritik kommt von Patientenorganisationen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG Selbsthilfe) warnte am Freitag vor Einschränkungen der freien Arztwahl. „Ein Primärarztsystem darf keine bürokratische Hürde sein“, sagte Bundesgeschäftsführer Martin Danner dem Ärzteblatt.

Die Befürchtung: Eine verpflichtende digitale Vorschaltung könnte ältere Menschen oder Personen mit geringer Digitalkompetenz ausschließen. Die Versorgung würde dann vom technischen Know-how abhängen. Die BAG Selbsthilfe legte ein Sieben-Punkte-Papier vor. Jede Reform müsse patientenorientiert und barrierefrei bleiben. Digitale Tools dürften das Grundrecht auf direkten Arztzugang nicht ersetzen.

Entscheidung rückt näher

Der Konflikt spitzt sich zu. Kommenden Dienstag treffen sich Vertreter von Ärzteverbänden, Krankenkassen und Patientenorganisationen im Bundesgesundheitsministerium. Es geht um die konkrete Umsetzung des Primärarztsystems.

Beobachter rechnen damit, dass das Ministerium die digitalen Komponenten vorantreiben wird – zunächst mit Anreizen, später möglicherweise verpflichtend. Mit der raschen Verbreitung von Apps wie DocMorris und dem Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA) könnte der digitale Zugang zum Gesundheitswesen schon lange vor 2028 Alltag werden. Die Frage ist nur: Für wen?

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