TikTok, GPS-Ortung

TikTok erlaubt jetzt präzise GPS-Ortung

30.01.2026 - 17:48:12

Die Videoplattform TikTok aktualisiert ihre Datenschutzrichtlinie und ermöglicht weltweit die Erfassung präziser Geodaten für lokale Inhalte und Werbung, was Datenschützer kritisch sehen.

Die Video-App TikTok hat ihre Datenschutzrichtlinie aktualisiert. Sie erlaubt nun offiziell die Erfassung genauer GPS-Standortdaten. Das Unternehmen betont, die Funktion sei optional und diene lokalen Inhalten. Datenschützer warnen jedoch vor den Risiken.

Die Änderung bricht mit einem früheren Versprechen der Plattform. Beteuerte TikTok im US-Raum lange, keine präzisen GPS-Daten zu sammeln, ist dies nun explizit vorgesehen. Die neuen Regeln gelten global und folgen der Umstrukturierung des US-Geschäfts in ein Joint Venture mit Oracle.

Im Zentrum steht die Funktion „Nearby Feed“. Dieser Umgebungs-Feed zeigt Nutzern Videos von lokalen Geschäften, Veranstaltungen und Creatorn in ihrer Nähe an. Für eine korrekte Funktion benötigt die App Zugriff auf präzise Geodaten.

Laut TikTok dient die Erfassung dazu, „standortbasierte Dienste“ bereitzustellen. Dazu zählen der lokale Feed und perspektivisch auch hochgradig lokalisierte Werbung. Kritiker sehen darin ein Einfallstor für detaillierte Bewegungsprofile.

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Unternehmen, die nun großflächig präzise Standortdaten verarbeiten, stehen vor konkreten rechtlichen Fragen – eine fehlende Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) kann Bußgelder von bis zu 2% des Jahresumsatzes nach sich ziehen. Das kostenlose E-Book erklärt Schritt für Schritt, wann eine DSFA Pflicht ist, wie Risiken bewertet werden und welche Word- und Excel-Mustervorlagen die Umsetzung deutlich beschleunigen. Ideal für Datenschutzverantwortliche und Entwickler. Jetzt DSFA-Leitfaden herunterladen

Was genau sammelt TikTok?

Die Richtlinie unterscheidet zwei Arten von Standortdaten:

  • Präziser Standort (GPS): Exakte Koordinaten via Satellit, die den Standort auf wenige Meter genau bestimmen können. Diese Erfassung ist standardmäßig deaktiviert und erfordert eine aktive Zustimmung in den Geräteeinstellungen.
  • Ungefährer Standort (IP & SIM): Wird weiterhin ermittelt, selbst wenn GPS verweigert wird. Über IP-Adresse und SIM-Karten-Informationen lassen sich Stadt oder Bezirk bestimmen.

Datenschutzaktivisten warnen: Die Kombination aus ungefährer Ortung und Nutzerverhalten ermöglicht oft schon sehr genaue Rückschlüsse. Die GPS-Daten schließen die letzte Lücke.

Wie schützt „Project Clover“ Europa?

Für EU-Nutzer gelten die speziellen Sicherheitsmaßnahmen von „Project Clover“. Dieses Programm isoliert europäische Nutzerdaten in speziellen Rechenzentren in Irland und Norwegen.

Das Cybersicherheitsunternehmen NCC Group überwacht die Datenströme. Es soll sicherstellen, dass sensible Informationen wie Standortdaten Europa nicht unautorisiert verlassen. Doch die Skepsis bleibt: Die Daten existieren physisch auf Servern – die Frage der Zugriffskontrolle ist zentral.

Ein Branchen-Standard mit politischem Beigeschmack

Präzise Standortdaten zu sammeln ist im Social-Media-Geschäft üblich. Konkurrenten wie Instagram oder Snapchat nutzen Geodaten seit Jahren für Werbung und Features.

Bei TikTok wiegt der Schritt jedoch schwerer. Das jahrelange politische Tauziehen um chinesischen Einfluss hat das Vertrauen beschädigt. Dass die Änderung kurz nach dem US-Joint-Venture-Deal kommt, deuten Analysten als Signal: Die Monetarisierung durch hyperlokale Werbung hat nun Vorrang.

Experten sehen darin den logischen Schritt, um im Werbemarkt gegen Google und Meta zu bestehen. Der Preis ist eine noch tiefere Durchleuchtung der Nutzer.

Was können Nutzer tun?

Verbraucherschützer raten zur Vorsicht:

  • Zustimmung prüfen: Überlegen, ob lokale Videos das Preisgeben des exakten Standorts rechtfertigen.
  • Einstellungen kontrollieren: In den Systemeinstellungen von iOS und Android kann der Standortzugriff jederzeit widerrufen oder auf „Nur beim Verwenden der App“ beschränkt werden.
  • Gesamtnutzung bedenken: Auch ohne GPS sammelt die App Daten. Wer maximale Privatsphäre sucht, muss sich der generellen Praxis werbefinanzierter Plattformen bewusst sein.

Die neue Richtlinie ist ein klares Signal: TikTok will nicht nur unterhalten, sondern auch lokal informieren und verkaufen – und dafür genau wissen, wo sich seine Nutzer aufhalten.

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