TikTok-Deal in den USA: Schon vor Start unter Beschuss
24.01.2026 - 07:32:12Washington D.C. – Kaum ist die lang erwartete Restrukturierung von TikTok in den USA besiegelt, steht das milliardenschwere Rettungspaket schon wieder auf der Kippe. Prominente US-Senatoren fordern eine offizielle Untersuchung – ein schlechtes Omen für die Zukunft der App mit über 200 Millionen amerikanischen Nutzern.
Neuer Joint Venture soll TikTok retten
Am 22. Januar 2026 gaben die Beteiligten die Gründung der „TikTok USDS Joint Venture LLC“ bekannt. Diese neue Gesellschaft ist die direkte Antwort auf ein US-Gesetz aus dem Jahr 2024, das den chinesischen Mutterkonzern ByteDance zum Verkauf der US-Aktivitäten oder zu einem kompletten Verbot zwang. Die Lösung: 80,1 Prozent der Anteile liegen nun bei einem US-geführten Konsortium, zu dem der Tech-Riese Oracle und die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake gehören. ByteDance behält mit 19,9 Prozent eine Minderheitsbeteiligung – knapp unter der gesetzlich erlaubten Grenze von 20 Prozent.
Passend zum Thema KI und Algorithmus-Kontrolle: Die EU-KI-Verordnung stellt klare Pflichten für Anbieter von Empfehlungssystemen auf – viele Unternehmen unterschätzen die Anforderungen an Risikoklassifizierung und Dokumentation. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt, welche Kennzeichnungspflichten, Nachweisdokumente und Fristen jetzt wichtig sind und wie Sie Risiken für Nutzer und Staat nachvollziehbar mindern. Ideal für Entscheider, Entwickler und Compliance-Teams, die Algorithmen verantwortungsvoll betreiben wollen. KI-Verordnung: Gratis-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Kern des Deals ist ein vermeintlicher „Brandschutz“ für amerikanische Nutzerdaten. Diese sollen künftig ausschließlich in der hochsicheren Oracle-Cloud gespeichert werden. Ein mehrheitlich mit Amerikanern besetzter Vorstand soll zudem für Inhaltsmoderation und Software-Sicherheit verantwortlich sein. Es ist der Nachfolger des gescheiterten „Project Texas“, das die Behörden nicht überzeugen konnte.
Misstrauen im Kongress: „Zu viele offene Fragen“
Doch der Deal stößt im Kongress sofort auf harsche Kritik. Der demokratische Senator Ed Markey hat bereits eine parlamentarische Untersuchung beantragt. Seine zentrale Frage: Schützt die neue Struktur den mächtigen TikTok-Algorithmus wirklich vor Einflussnahme aus China?
Das Misstrauen der Politiker speist sich aus einem grundlegenden Dilemma. Auch mit einer Minderheitsbeteiligung könnte ByteDance weiterhin die Kontrolle über den Quellcode der App behalten. Das wäre ein klarer Verstoß gegen ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von 2025. Es besagt, dass kein US-Unternehmen mit ByteDance bei der Steuerung eines Empfehlungsalgorithmus zusammenarbeiten darf. Die Sorge: Selbst wenn die Daten in den USA liegen, könnte der Code, der bestimmt, was Nutzer zu sehen bekommen, manipuliert werden.
Ein jahrelanger Sicherheitsstreit eskaliert erneut
Die aktuelle Debatte ist nur das jüngste Kapitel in einem jahrelangen Sicherheitsstreit. Die US-Regierung fürchtet, die chinesische Regierung könnte ByteDance zwingen, Daten amerikanischer Bürger auszuliefern. Diese Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen: Ende 2022 räumte ByteDance ein, dass Mitarbeiter unrechtmäßig auf Daten US-amerikanischer TikTok-Nutzer zugegriffen hatten. 2023 ermittelte das Justizministerium wegen möglicher Spionage gegen US-Journalisten.
Kritiker sehen im neuen Joint Venture daher nur eine aufpoliere Version alter, unzureichender Pläne. Für sie ist nur ein kompletter Verkauf und eine technologische Trennung von ByteDance wirklich sicher.
Was kommt jetzt? Die Zukunft der App ist ungewiss
Mit der Forderung nach einer Untersuchung beginnt eine Phase intensiver Prüfung. Kongress-Anhörungen mit TikTok-Managern und deren US-Partnern stehen ebenso auf der Agenda wie detaillierte Nachfragen zur technischen Beziehung zu ByteDance.
Das Ergebnis wird über die Zukunft der App in ihrem wichtigsten Markt entscheiden. Sollte der Kongress die jetzige Lösung für unzureichend erklären, könnte die Regierung gezwungen sein, nachzuschärfen – oder sogar zu urteilen, dass es sich nicht um einen „qualifizierten Verkauf“ nach dem Gesetz von 2024 handelt. Für die Millionen Nutzer und Unternehmen bedeutet das: Die Unsicherheit über den Fortbestand von TikTok in den USA bleibt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der neueste Deal Washingtons Sicherheitsbedenken endlich zerstreut – oder nur der Auftakt zur nächsten Konfrontation ist.
PS: Wenn Debatten um TikTok und algorithmische Eingriffe Sie beschäftigen, hilft ein kompakter Leitfaden zur EU-KI-Verordnung, rechtliche Pflichten und Fristen zu überblicken. Das kostenlose E‑Book fasst Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen praxisnah zusammen – so vermeiden Sie regulatorische Fallstricke bei Empfehlungssystemen. Nützlich für Manager, Entwickler und Compliance-Teams, die Algorithmen verantwortungsvoll betreiben wollen. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden anfordern


