TikTok & Co: Wie Social Media gefährliche Ernährungsmythen verbreitet
18.01.2026 - 06:09:12Soziale Medien werden zur Hauptinformationsquelle für Ernährung – und zur Gefahr. Experten warnen eindringlich vor der Flut an Falschinformationen auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Von angeblichen Wunder-Lebensmitteln bis zu extremen Diäten verbreiten sich gefährliche Mythen rasant.
Ernährungsmediziner Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein bezeichnet die Entwicklung als besorgniserregend. Kaum ein anderer Bereich sei so von dubiosen Influencern geprägt. Algorithmen bevorzugen oft kontroverse Botschaften, während wissenschaftliche Fakten in den Hintergrund treten. Das führt dazu, dass viele Nutzer potenziell schädlichen Ratschlägen folgen.
Einer der hartnäckigsten Mythen ist die Idee der „Entgiftung“ durch spezielle Säfte oder Tees. Angeblich befreien sie den Körper von „Schlacken“. Doch aus wissenschaftlicher Sicht existieren solche Schlacken im menschlichen Körper nicht.
Unser Organismus verfügt mit Leber und Nieren über ein hochwirksames, ständig arbeitendes Entgiftungssystem. Die Verbraucherzentrale warnt: Für die Behauptung, Detox-Produkte würden entgiften, fehle jede wissenschaftliche Grundlage.
* Die Risiken: Viele Detox-Tees enthalten pflanzliche Abführmittel. Diese können zu einem gefährlichen Verlust von Wasser und Elektrolyten führen – im schlimmsten Fall bis hin zu Herzrhythmusstörungen.
* Das Fazit der Forschung: Eine Analyse im „Journal of Human Nutrition and Dietetics“ fand keine Belege für die Wirksamkeit kommerzieller Detox-Diäten. Ein gesunder Körper braucht keine teure Hilfe von außen.
Passend zum Thema Nährstoffmängel und gefährliche Diäten: Viele Radikaldiäten führen zu versteckten Defiziten, die nur im Blut sichtbar werden. Ein kostenloser 25‑seitiger Report erklärt verständlich, welche Laborwerte (z. B. Eisen, Vitamin D, Cholesterin, TSH und wichtige Vitalstoff-Werte) wirklich zählen und wie Sie Fehldiagnosen vermeiden. Mit konkreten Handlungsempfehlungen, welche Tests sinnvoll sind und wann Sie ärztlich nachhaken sollten. Jetzt kostenlosen Laborwerte‑Report anfordern
Radikale Diäten: Wenn ganze Lebensmittelgruppen verteufelt werden
Virale Trends befeuern extreme Ernährungsformen, die schnelle Erfolge versprechen, aber langfristig schaden. Ganze Lebensmittelgruppen wie Kohlenhydrate oder bestimmte Fette werden pauschal verdammt.
Ein Beispiel ist die pauschale Abwertung von Rapsöl in sozialen Netzwerken. Dabei empfehlen Fachgesellschaften es neben Olivenöl als eines der besten Speiseöle. Auch Ballaststoffe – entscheidend für Verdauung und Blutzucker – werden fälschlicherweise als schlecht dargestellt.
Solche radikalen Diäten bergen das Risiko von Nährstoffmängeln und können zu einem ungesunden Essverhalten führen. Experten raten stattdessen zu einer ausgewogenen und vielfältigen Ernährung, die alle Nährstoffgruppen berücksichtigt.
Clean Eating: Wenn gesundes Essen krankhaft wird
Der Trend zu möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, „Clean Eating“, wird auf Social Media oft als Ideal dargestellt. Grundsätzlich kann das gesund sein. Doch die Fixierung auf „reines“ Essen kann in ein zwanghaftes Verhalten umschlagen – die Orthorexia nervosa.
Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen intensiver Instagram-Nutzung und einer höheren Neigung zu diesem Verhalten hin. Die ständige Konfrontation mit idealisierten Darstellungen kann zu sozialem Vergleich, einem negativen Körperbild und einer ungesunden Besessenheit führen.
Betroffene entwickeln starre Essensregeln, meiden Lebensmittelgruppen und fühlen sich unwohl, wenn sie nicht selbst zubereitete Mahlzeiten essen. Orthorexie ist zwar noch keine offiziell anerkannte Essstörung, doch das Bewusstsein für die Problematik wächst.
Algorithmen als Brandbeschleuniger für Mythen
Die enorme Verbreitung der Mythen ist eng mit der Funktionsweise sozialer Medien verknüpft. Algorithmen sollen Nutzer möglichst lange auf der Plattform halten. Sie spielen daher bevorzugt Inhalte aus, die starke Reaktionen hervorrufen.
Polarisierende Botschaften wie „Iss das niemals wieder!“ oder unrealistische Versprechen erhalten so mehr Aufmerksamkeit als differenzierte, wissenschaftliche Informationen. Das schafft Echokammern, in denen Falschinformationen ständig bestätigt werden.
Hinzu kommt: Viele Influencer, die als Ernährungsquelle dienen, haben keine Fachqualifikation. Ihre Empfehlungen basieren oft auf persönlichen Anekdoten statt auf Evidenz.
Die Forderung: Mehr Bildung gegen die Desinformation
Angesichts der Flut an Falschinformationen werden Gegenmaßnahmen lauter. Verbraucherschützer fordern eine stärkere Regulierung von gesundheitsbezogener Werbung in sozialen Netzwerken, besonders wenn sie sich an Jugendliche richtet.
Gleichzeitig sehen Experten einen dringenden Bedarf, die Ernährungskompetenz in der Bevölkerung zu stärken – idealerweise bereits in der Schule. Bürger müssen lernen, Informationen kritisch zu bewerten und die Absichten hinter viralen Trends zu durchschauen.
Fachgesellschaften sind gefordert, ihre Präsenz in den sozialen Medien auszubauen. Nur so kann eine verlässliche, wissenschaftlich fundierte Gegenstimme zu den gefährlichen Mythen entstehen.
PS: Haben Sie einer Detox‑Kur oder extremen Diät gefolgt und fragen sich, ob Ihrem Körper dadurch Nährstoffe fehlen? Der Gratis‑Report bietet einen einfachen Selbstcheck, erklärt, welche Blutwerte Sie bei Ihrem Arzt ansprechen sollten, welche Symptome ernst sind und welche Schritte Sie jetzt unternehmen können, um Mängel zu erkennen und zu beheben. Holen Sie sich Klarheit und handeln Sie rechtzeitig. Kostenlosen Labor‑Check herunterladen


