Thüringen, Steuererklärung

Thüringen plant automatische Steuererklärung nach hessischem Vorbild

11.01.2026 - 14:02:12

Thüringen will für viele Bürger die Steuererklärung automatisch durch das Finanzamt erledigen lassen. Nach dem Vorbild Hessens soll ein Klick zur Bestätigung genügen, um den Steuerbescheid zu erhalten.

Thüringen will die Steuererklärung für viele Bürger komplett automatisch erledigen lassen. Nach hessischem Vorbild soll das Finanzamt künftig selbst aktiv werden – Bürger müssten nur noch per Klick zustimmen.

CDU-Politiker drängt auf Bürokratieabbau

Die Initiative kommt aus den eigenen Reihen: Maik Kowalleck, haushaltspolitischer Sprecher der CDU im Landtag, treibt das Projekt voran. Sein Argument ist einfach, aber einleuchtend: Für viele Arbeitnehmer hat der Staat bereits alle nötigen Daten. Lohnsteuerbescheinigungen, Renteninformationen und Versicherungsbeiträge liegen den Finanzämtern digital vor.

„Warum sollen Bürger diese Daten noch einmal in Formulare übertragen?“, fragt Kowalleck. Sein Vorschlag: Das Finanzamt erstellt direkt einen fertigen Steuerbescheid-Vorschlag. Betroffen wären zunächst sogenannte Pflichtveranlagungen – etwa Arbeitnehmer mit den Steuerklassenkombinationen III und V.

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Blaupause aus Hessen zeigt Machbarkeit

Thüringen schaut nach Westen: Seit August 2025 testet das Finanzamt Kassel in Hessen genau dieses Modell. Rund 4.700 Steuerzahler mit einfachen Verhältnissen erhalten dort bereits fertige Steuerbescheide. Das Prinzip ist einfach, aber revolutionär: Opt-out statt Opt-in.

Die Bürger erhalten den Bescheidvorschlag per Post oder digital. Wenn sie innerhalb von vier Wochen nicht widersprechen oder zusätzliche Angaben machen, wird der Vorschlag automatisch rechtskräftig. Keine Formulare, keine Fristen, kein Stress. Für Thüringer Beamte ist das Pilotprojekt der lebende Beweis, dass Automatisierung funktionieren kann.

„One-Click“-Steuererklärung via ELSTER

Das Thüringer Finanzministerium zeigt sich offen für die Pläne. Die technische Umsetzung soll über die bestehende ELSTER-Infrastruktur laufen, konkret über das Portal „Mein ELSTER“ oder die dazugehörige App.

Die Vision klingt verlockend: Das System erstellt automatisch eine Steuererklärung aus den vorliegenden Daten, prüft sie und legt sie dem Bürger vor. Dieser muss nur noch einmal klicken oder in der App bestätigen. Anschließend erhält er den Steuerbescheid digital – ein komplett papierloser Kreislauf.

Der Unterschied zum bisherigen „einfachELSTER“ für Rentner ist fundamental: Bisher mussten Nutzer den Prozess starten und durchführen. Künftig würde der Staat die Initiative übernehmen. Der Bürger wird vom Aktiven zum Prüfenden.

Digitale Vorreiterrolle als Trumpf

Thüringen startet nicht bei Null. Das Land gehört seit Jahren zu den Schnellsten bei der Steuerbearbeitung. 2023 und 2024 benötigten thüringische Finanzämter im Schnitt weniger als 50 Tage für Einkommensteuererklärungen – deutlich schneller als der Bundesdurchschnitt.

Die digitale Affinität der Bevölkerung hilft: Rund 80 Prozent der Thüringer reichen ihre Steuererklärung bereits digital ein, entweder über ELSTER oder kommerzielle Software. Diese hohe Akzeptanz digitaler Lösungen bildet eine solide Basis für den nächsten Automatisierungsschritt.

Doch es geht nicht nur um Bequemlichkeit. Die Steuerverwaltung steht vor einem demografischen Wandel. Viele erfahrene Beamte gehen in den Ruhestand. Durch die Automatisierung standardisierter Fälle könnten verbleibende Mitarbeiter sich auf komplexe Prüfungen und Sonderfälle konzentrieren.

Von der Selbst- zur Amtsveranlagung

Die geplante Reform bedeutet einen Paradigmenwechsel im deutschen Steuerrecht. Bisher gilt das Prinzip der Selbstveranlagung: Der Bürger erklärt, der Staat prüft. Die „Amtsveranlagung“ kehrt dieses Verhältnis für einfache Fälle um – ähnlich wie in Großbritannien oder Dänemark.

Die technischen Voraussetzungen existieren bereits. Das VaSt-System (Vorausgefüllte Steuererklärung) speichert seit Jahren Daten, die Bürger bisher nur abrufen und in ihre Formulare importieren konnten. Der neue Ansatz würde den Import-Schritt überspringen und direkt den rechtsverbindlichen Bescheid erzeugen.

Doch Experten warnen vor möglichen Fallstricken. Die größte Gefahr: Bürger könnten durch die einfache Zustimmung auf Steuererstattungen verzichten, von denen das Finanzamt nichts weiß. Werbungskosten über dem Pauschbetrag, Spenden oder haushaltsnahe Dienstleistungen müssten weiterhin aktiv geltend gemacht werden. Die Herausforderung wird sein, ein System zu schaffen, das bequem ist, ohne die Bürger zu übervorteilen.

Wann kommt die Automatisierung?

Ein konkretes Startdatum gibt es noch nicht. Das Finanzministerium kann noch nicht abschätzen, wie viele Steuerzahler das freiwillige Verfahren nutzen würden. Die technische Machbarkeit stehe jedoch außer Frage.

Zunächst müssen rechtliche Hürden überwunden werden. Bundessteuerrecht und Datenschutzbestimmungen erfordern eine sorgfältige Prüfung. Wie in Hessen wird Thüringen wahrscheinlich mit einer Pilotphase beginnen – zunächst für eine kontrollierte Gruppe mit ausschließlich elektronisch gemeldeten Einkünften.

Sollte der Test erfolgreich verlaufen, könnte 2026 das Jahr werden, in dem für tausende Thüringer die traditionelle Steuererklärung endet. Statt Stunden mit Formularn verbringen sie dann nur noch Sekunden mit einem Bestätigungsklick. Thüringen hätte die Chance, einen neuen Standard für die digitale Verwaltung in Deutschland zu setzen.

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