Tesla, Roboter-Produktion

Tesla setzt bei Roboter-Produktion auf China

05.02.2026 - 06:46:12

Tesla treibt die Massenproduktion seines humanoiden Optimus-Roboters voran und stützt sich dabei auf ein umfangreiches Netzwerk chinesischer Komponentenhersteller. Das US-Werk in Fremont wird für die Fertigung umgerüstet.

Tesla treibt sein Optimus-Roboterprogramm massiv voran – und baut dafür auf ein komplexes Netz chinesischer Zulieferer. Während die Endmontage in den USA geplant ist, wird eine „Optimus-Kette“ in China zum Rückgrat des milliardenschweren Projekts. Das zeigt, wie tief sich der Konzern in das fortschrittliche Fertigungsumfeld des Landes integriert.

Strategische Abhängigkeit von der „Optimus-Kette“

Der Plan für den humanoiden Roboter steht auf einem wachsenden Netzwerk chinesischer Komponentenhersteller. Seit Jahren arbeitet Tesla mit Hunderten dieser Firmen an Forschung, Entwicklung und Hardware-Design. Dieser integrierte Ansatz nutzt Chinas Kostenvorteile und breite Industriestruktur für kritische Teile wie Aktuatoren, Sensoren, Motoren und Kamerasysteme.

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Analysten schätzen, dass 50 bis 70 Prozent der Fertigungsexpertise für humanoide Roboter in China liegen. Das macht die Zulieferer vor Ort für Teslas Ziel der Massenproduktion unverzichtbar. Chinesische Analysten warnen bereits vor den potenziellen Risiken dieser Abhängigkeit. Die Lieferantenliste bleibt dabei dynamisch – schon kleine Designänderungen am Roboter können den Bedarf an Komponenten erheblich verändern.

Fremont-Werk wird umgerüstet

Um Platz für die Roboterfertigung zu schaffen, stellt Tesla die Produktion der Modelle Model S und Model X ein. Die Flächen im Stammwerk in Fremont, Kalifornien, werden für die Herstellung des Optimus-Roboters umgebaut. Das langfristige Ziel: eine Million humanoide Roboter pro Jahr aus dieser Fabrik.

Die Umstellung ist Teil eines gewaltigen Investitionsplans für 2026. Die Kapitalausgaben sollen über 20 Milliarden Euro erreichen und auch eine dedizierte Optimus-Fabrik finanzieren. Tesla bereitet erste Produktionslinien für die Optimus Generation 3 vor. Diese erste Version für die Massenfertigung soll im ersten Quartal 2026 vorgestellt werden. Der Zeitplan ist ambitioniert, nachdem der Konzern kürzlich einräumen musste, dass die Roboter in seinen Werken noch keine nützliche Arbeit verrichten, sondern nur zu Lernzwecken dienen.

Konkurrenzdruck aus China treibt Tesla an

Der Vorstoß in die Robotik erfolgt, während Tesla im Elektroauto-Markt unter Druck gerät. Das chinesische Unternehmen BYD hat den US-Konzern als weltgrößten EV-Hersteller abgelöst. Die Tesla-Führung sieht China nun als größten künftigen Konkurrenten im Bereich der humanoiden Robotik und verweist auf die Fähigkeiten des Landes, Fertigung zu skalieren und schnell Fortschritte in künstlicher Intelligenz zu erzielen.

Der Wettbewerb ist bereits in vollem Gange. Während Tesla an Optimus arbeitet, haben chinesische Roboterfirmen große Schritte gemacht. Das Unternehmen AgiBot hat Tesla bei den Auslieferungen humanoider Roboter offenbar bereits überholt und im vergangenen Jahr über 5.000 Einheiten ausgeliefert. Eine Strategie der schnellen Markteinführung und Iteration zeigt Wirkung. Tesla betritt also einen Markt, auf dem chinesische Unternehmen bereits Fuß fassen.

Hochrisiko-Strategie mit ungewissem Ausgang

Die strategische Wende bedeutet eine Neudefinition Teslas: Vom Automobilhersteller zum „physischen KI-Unternehmen“, wie es CEO Elon Musk formuliert. Dieser Kurs wird mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt – trotz eines deutlichen Gewinneinbruchs im letzten Quartal 2025.

Die Entscheidung, sich auf eine chinesische Lieferkette zu verlassen, ist ein kalkuliertes Risiko. Potenzielle geopolitische und logistische Verwundbarkeiten werden gegen den Zugang zu einer reifen, kostengünstigen und technologisch fortschrittlichen Fertigungsbasis eingetauscht.

Die Massenproduktion eines so komplexen Produkts ist eine immense Herausforderung. Teslas Ansatz der vertikalen Integration und der Entwicklung von Systemen „von Grund auf“ wird sich bewähren müssen, während es eine globale Lieferkette koordiniert, um die ambitionierten Produktionsziele zu erreichen.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Die Vorstellung der Optimus Generation 3 gibt den ersten Einblick in das Seriendesign. Danach richtet sich der Blick auf die Umrüstung in Fremont und die Fähigkeit Teslas, noch 2026 mit der Produktion zu beginnen. Der Erfolg hängt am reibungslosen Funktionieren der „Optimus-Kette“. Bei einem prognostizierten globalen Markt für Roboter-Komponenten in Höhe von Hunderten Milliarden Euro bis 2040 könnte Teslas Wette den Konzern an die Spitze der nächsten Technologie-Generation katapultieren – oder zu einem Lehrstück über überzogene Ambitionen werden.

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