Tesla, Grünheide

Tesla Grünheide: Wahlkampf eskaliert vor Betriebsratswahl

01.02.2026 - 15:09:12

Vor der Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide wirft die IG Metall verdeckten Stellenabbau vor, während das Management Lohnerhöhungen ankündigt und die 35-Stunden-Woche ablehnt.

Der Streit um die Zukunft der einzigen großen gewerkschaftsfreien Autofabrik Deutschlands spitzt sich zu. Kurz vor der entscheidenden Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide wirft die IG Metall der Werksleitung einen verdeckten Stellenabbau vor. Gleichzeitig zieht das Management klare rote Linien.

Verdeckter Stellenabbau oder normale Fluktuation?

Die IG Metall geht in die Offensive. Laut ihrer Analyse sind seit der letzten Wahl im März 2024 rund 1.700 Stellen am Standort weggefallen. Die Gewerkschaft spricht von einem „verdeckten Stellenabbau“. Statt offizieller Entlassungen würden Stellen einfach nicht mehr nachbesetzt, wenn Mitarbeiter gehen. Als Beleg führt sie auch die Auflösung der Abteilung für Werkserweiterung im Sommer 2024 an.

Tesla dementiert scharf. Werkschef André Thierig führt die veränderte Mitarbeiterzahl auf normale Schwankungen in der Großserienfertigung zurück. Das Unternehmen betont sein Wachstum. Doch die Zahlen wirken: Laut Wählerliste für die anstehende Wahl sind nur noch 10.703 wahlberechtigte Mitarbeiter beschäftigt – ein deutlicher Rückgang.

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Die rote Linie: 35-Stunden-Woche und Tarifvertrag

Die Fronten sind verhärtet. Thierig hat die Forderung der IG Metall nach einer 35-Stunden-Woche als „rote Linie“ bezeichnet, die Tesla nicht überschreiten werde. Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit stünden auf dem Spiel. Im Dezember soll er intern sogar gewarnt haben: Eine von der Gewerkschaft dominierte Betriebsratsmehrheit könnte geplante Investitionen in die Werkserweiterung gefährden.

Als Gegengewicht kündigte Tesla im Dezember 2025 eine Lohnerhöhung von 4 Prozent für alle an. Die Botschaft des Managements ist klar: Die Belegschaft kann auch ohne Gewerkschaft und ohne Tarifvertrag Verbesserungen erreichen.

Kampf um die Mehrheit im 39-köpfigen Gremium

Die Wahl vom 2. bis 4. März ist die erste turnusmäßige Betriebsratswahl in Grünheide. 39 Sitze sind zu vergeben – und mit ihnen die Richtung für die nächsten vier Jahre. Bei der letzten Wahl 2024 wurde die IG Metall zwar stärkste Liste, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Den Vorsitz im Betriebsrat hält seither die als managementnah geltende Liste „Gigavoice“.

Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, wirft Tesla vor, eine „Kultur der Angst“ zu etablieren und gewerkschaftsfeindliche Taktiken aus den USA zu importieren. Für die Gewerkschaft ist die Wahl in Grünheide ein Prestigeprojekt. Ein Sieg wäre ein Signal für die gesamte Branche.

Weichenstellung für die deutsche Autoindustrie

Die Wahl bei Tesla ist ein Lackmustest für die Zukunft der Arbeitsbeziehungen in der Automobilindustrie. Geht der Trend hin zu gewerkschaftsfreien Zonen nach amerikanischem Vorbild? Oder setzt sich das deutsche Modell der Mitbestimmung auch beim disruptiven Newcomer durch?

Die Vorwürfe des Stellenabbaus könnten den Ton entscheidend mitbestimmen. Spüren die Mitarbeiter trotz fehlender offizieller Entlassungen eine wachsende Unsicherheit, könnte die Forderung nach einem verbindlichen Tarifvertrag neuen Zuspruch finden. Die Antwort gibt der Wahlzettel Anfang März.

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