Telegram: Russische Sanktionen blockieren IPO-Pläne
06.01.2026 - 15:13:12Wegen westlicher Sanktionen sind 500 Millionen Euro Telegram-Anleihen in Russland blockiert. Diese finanzielle Verstrickung erschwert den geplanten IPO und belastet die Bilanz des Messengers.
Eine halbe Milliarde Euro in Telegram-Anleihen sind in Russland eingefroren. Die Sanktionsfalle offenbart die anhaltenden finanziellen Verstrickungen des Messenger-Riesen und gefährdet den geplanten Börsengang.
Der Weg von Telegram an die Börse ist mit geopolitischen Hindernissen gepflastert. Wie am Dienstag bestätigt wurde, sind Anleihen des Messenger-Dienstes im Wert von rund 500 Millionen Euro in Russland blockiert. Grund sind die verschärften westlichen Sanktionen gegen Moskaus Finanzinfrastruktur. Dieser Finanzstau legt die widersprüchliche Position des in Dubai ansässigen Unternehmens offen: Trotz aller Bemühungen, sich als neutrale, globale Plattform zu präsentieren, bleibt Telegram finanziell mit seinem Ursprungsland verbunden.
Sanktionen fangen halbe Milliarde ein
Das Finanzdilemma, das die Financial Times aufdeckte, betrifft Wertpapiere in der russischen National Settlement Depository (NSD). Telegram hatte zwar aggressiv seine Schulden umstrukturiert – einschließlich einer großen Anleiheemission von 1,7 Milliarden Euro im Mai 2025. Doch eine Tranche im Wert von einer halben Milliarde Euro ist bewegungsunfähig.
Die NSD unterliegt strengen Sanktionen der EU, der USA und Großbritanniens. Diese Maßnahmen, die nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 massiv verschärft wurden, haben russische Depots vom globalen Finanzsystem abgeschnitten. Telegram konnte zwar den Großteil seiner 2026 fälligen Anleihen von internationalen Investoren zurückkaufen. Der in Russland gehaltene Teil kann jedoch nicht beglichen oder übertragen werden.
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Das schafft ein komplexes Liquiditätsproblem. Telegram hat Anleihegläubigern mitgeteilt, seine Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit erfüllen zu wollen. Der rechtliche Weg dahin ist jedoch unklar. Die Zahlstelle des Unternehmens muss prüfen, ob Überweisungen an russische Inhaber gegen internationale Sanktionen verstoßen würden. Experten sehen Telegram in einer Zwickmühle: Zahlungsbereit, aber potenziell rechtlich daran gehindert. Das Risiko eines technischen Zahlungsausfalls oder langwieriger Rechtsstreitigkeiten steigt.
Umsatzboom, doch Crypto-Verluste drücken
Parallel zur Anleihenkrise zeigen neue Finanzzahlen ein durchzogenes operatives Bild. Die Umsätze des Messengers legten im ersten Halbjahr 2025 um mehr als 65 Prozent auf etwa 870 Millionen Euro zu. Getrieben wurde das Wachstum durch Werbeeinnahmen, Telegram Premium-Abos und Exklusivvereinbarungen mit der TON-Blockchain.
Dennoch verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 222 Millionen Euro. Schuld daran ist die Volatilität seiner Kryptowährungsbestände. Telegram hält große Reserven an Toncoin, dem Token der hauseigenen Blockchain. Ein Einbruch der Kryptomärkte Ende 2025 zwang das Unternehmen zu Abschreibungen. Zudem verkaufte Telegram im Laufe des Jahres Toncoins im Wert von über 450 Millionen Euro, um Operationen und Schulden zu finanzieren. Diese Abhängigkeit von digitalen Assets unterscheidet die Bilanz fundamental von traditionellen Tech-Konzernen und bedeutet ein zusätzliches Risiko für potenzielle Investoren.
Die russische Last, die Pavel Durov nicht abschütteln kann
Das eingefrorene Kapital erinnert schmerzhaft an das geopolitische Gepäck, das Telegram trotz Firmensitz in Dubai mit sich trägt. Gründer Pavel Durov hat jahrelang das Image eines staatenlosen Datenschutz-Befürworters kultiviert. Die 500 Millionen Euro Schulden im russischen System zeigen jedoch: Die Trennung war nie vollständig.
Diese finanzielle Exposition untergräbt die Erzählung, die Durov westlichen Investoren und Werbekunden verkauft. Die Blockade zieht Telegram zurück in den Orbit russischer Wirtschaftssanktionen – ein rotes Tuch für institutionelle Anleger mit strengen Compliance- und ESG-Richtlinien.
Die Komplikation kommt zu einer heiklen Zeit für Durov persönlich. Der CEO kämpft in Frankreich noch immer mit juristischen Konsequenzen nach seiner Festnahme Ende 2024. Ihm werden Versäumnisse bei der Inhaltsmoderation vorgeworfen. Die Anleihen-Blockade fügt seiner angespannten rechtlichen Lage nun eine finanzielle Komplexitätsebene hinzu.
Börsengang in weiter Ferne
Die Nachricht von den blockierten Assets lässt die Risikoprämien für Telegram-Anleihen auf dem Sekundärmarkt steigen. Analysten gehen davon aus, dass die eingefrorenen 500 Millionen Euro zwar keine existenzielle Bedrohung für ein Unternehmen mit fast zwei Milliarden Euro Jahresumsatz darstellen. Für einen Börsengang (IPO), den das Unternehmen für 2026 oder 2027 anvisiert, trüben sie die Aussichten jedoch erheblich.
Ein IPO erfordert eine makellose Finanzerzählung. Eine Bilanz, die von sanktionierten, blockierten Schulden und volatilen Krypto-Assets belastet ist, erschwert den Börsengang enorm. Investmentbanker rechnen damit, dass potenzielle Aktionäre einen hohen Abschlag für diese geopolitischen Risiken fordern werden. Dieser „Sanktionsabschlag“ könnte die angestrebte Bewertung – Gerüchte sprachen von bis zu 30 Milliarden Euro – deutlich drücken. Zudem würden Aufsichtsbehörden in den USA oder Europa die Verbindungen nach Russland in einem Börsenprospekt genauestens prüfen.
Kann Telegram die finanzielle und reputative Last seines russischen Erbes abwerfen? Die Antwort darauf wird entscheiden, ob der Messenger den Sprung vom renitenten Startup zum börsennotierten Global Player schafft.
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