Telefonische Krankschreibung: Regierung prüft beliebtes Pandemie-Erbe
24.01.2026 - 22:24:12Die Bundesregierung stellt die dauerhafte telefonische Krankschreibung auf den Prüfstand. Wirtschaftsverbände fordern die Abschaffung, Ärzte und Gewerkschaften verteidigen die digitale Praxis erbittert.
Ein heftiger Streit entbrannte diese Woche um ein zentrales Erbe der Pandemie: die dauerhafte Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte eine offizielle Überprüfung der Regelung an. Auslöser waren kritische Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zur hohen Zahl an Krankmeldungen. Die Debatte stellt die Bequemlichkeit digitaler Gesundheitslösungen gegen wirtschaftliche Produktivitätsbedenken.
Wirtschaftsverbände fordern das Aus
An vorderster Front der Abschaffungsbefürworter stehen die Arbeitgeberverbände. Der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Handelsverband Deutschland (HDE) sehen in der Praxis einen Grund für anhaltend hohe Krankenstände. Sie argumentieren, die niedrigschwellige Erreichbarkeit senke die Hemmschwelle, sich krankzumelden, und öffne Missbrauch Tür und Tor.
Betriebsräte und Arbeitgeber stehen bei hohen Krankentagen vor einer Herausforderung – unser kostenloser Praxis-Leitfaden zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) zeigt, wie Sie BEM-Gespräche rechtssicher vorbereiten und Rückkehrer systematisch unterstützen. Mit fertigen Gesprächsleitfäden, Muster-Betriebsvereinbarung und Checklisten zur sofortigen Anwendung. Jetzt kostenlosen BEM-Leitfaden herunterladen
Unterstützung erhält die Wirtschaft von Ärztevertretern. KBV-Chef Andreas Gassen bezweifelt, dass eine zuverlässige Arbeitsunfähigkeitsdiagnose am Telefon überhaupt möglich sei. Die Koalition aus Wirtschaft und Kritikern in der Ärzteschaft drängt die Regierung zum Rückzug – zugunsten der Wirtschaftskraft und der Integrität des Krankmeldesystems.
Ärzte und Gewerkschaften in der Gegenwehr
Doch der Vorstoß stößt auf massiven Widerstand. Eine breite Allianz aus Hausärzten, Gewerkschaften und dem Koalitionspartner SPD verteidigt den Status quo energisch. Eine Abschaffung wäre aus ihrer Sicht ein Rückschritt, der Praxen überflute und vulnerable Patienten in vollen Wartezimmern unnötigen Infektionsrisiken aussetze.
Der Deutsche Hausärzteverband widerspricht den Missbrauchsvorwürfen entschieden. Daten der Krankenkassen zeigten keinen signifikanten Anstieg von Fehlverhalten seit Einführung der Telefon-Regelung. Vielmehr sei sie ein bewährtes Instrument zur Entlastung von Bürokratie und administrativem Druck in den Praxen. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin führt den statistischen Anstieg der Krankentage auf die vollständigere digitale Erfassung durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zurück – nicht auf mehr echte Erkrankungen.
Digitalisierungskurs auf dem Prüfstand
Die Debatte ist mehr als ein Streit um eine einzelne Regelung. Sie wird zum Lackmustest für Deutschlands oft holprigen Weg der Gesundheitsdigitalisierung. Die telefonische Krankschreibung wurde 2023 als dauerhafte Lösung aus der Pandemie übernommen und ergänzt die seit Januar 2023 verpflichtende eAU.
Kritiker einer Abschaffung warnen vor einem Widerspruch: Wie passt der Rückfall in analoge Verfahren zum nationalen Ziel einer modernen, digitalen Gesundheitsversorgung? Die SPD hat bereits klaren Widerstand angekündigt, was einen Konflikt in der Ampel-Koalition provozieren könnte.
Die Entscheidung des Gesundheitsministeriums wird nun mit Spannung erwartet. Sie wird zeigen, ob in Berlin die wirtschaftlichen Argumente der Verbände oder die gesundheitspolitischen und praktischen Bedenken der Ärzteschaft mehr Gewicht haben. Das Ergebnis wird richtungsweisend sein für die Zukunft von Telemedizin im deutschen Gesundheitssystem.
PS: Steht bei Ihnen ein BEM-Gespräch an oder möchten Sie Rückkehrprozesse nach Krankheit rechtssicher gestalten? Der komplette BEM-Leitfaden liefert Gesprächsleitfäden, Muster-Betriebsvereinbarungen und praxisnahe Checklisten, mit denen Betriebsräte und Personalverantwortliche Arbeitsplätze sichern und teure Fehler vermeiden. Kostenloser Download zum sofortigen Einsatz. Kostenlosen BEM-Leitfaden sichern


