Telefonische, Krankschreibung

Telefonische Krankschreibung: Merz und Warken lösen Regierungsstreit aus

22.01.2026 - 18:30:12

Eine geplante Überprüfung der telefonischen Krankschreibung spaltet die Ampel-Koalition und stößt auf breiten Widerstand. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sehen in der Regelung eine Ursache für den hohen Krankenstand und wollen sie abschaffen. Doch der Koalitionspartner SPD, Ärzteverbände und Krankenkassen stemmen sich entschieden dagegen. Sie warnen vor mehr Bürokratie, überfüllten Praxen und einem Vertrauensverlust.

Innerhalb der Regierung brodelt es. Die SPD lehnt eine Abschaffung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) kategorisch ab. „Es gibt keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch“, stellt der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christos Pantazis, klar. Die Regelung entlaste die Hausarztpraxen, schütze Patienten und sichere eine niedrigschwellige Versorgung. Auf Basis von „Arbeitgebermärchen“ dürfe man keine Symbolpolitik betreiben, die das Gesundheitssystem untergrabe.

Unterstützung kommt von den Grünen. Deren Gesundheitsexperte Janosch Dahmen, selbst praktizierender Arzt, betont die positiven Effekte. Eine Abschaffung würde nur zu mehr Bürokratie und unnötigen Arztbesuchen führen – besonders in Infektionswellen eine gefährliche Entwicklung.

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Ärzteschaft gespalten, Krankenkassen skeptisch

Während die Politik streitet, ist auch die Ärzteschaft uneins. Der Deutsche Hausärzteverband warnt eindringlich vor einer Rücknahme. „Alle Auswertungen zeigen keinen Missbrauchsanstieg“, sagt Vorsitzender Markus Beier. Die telefonische AU sei ein echtes Erfolgsmodell zum Bürokratieabbau. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte spricht von einem politischen Fehler, der Familien ohne Not in die Praxen zwinge.

Einzig der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, stellt sich hinter die Pläne von Merz und Warken. Eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei am Telefon nicht möglich, was Missbrauch Vorschub leiste.

Die Krankenkassen mahnen zur Besonnenheit. TK-Chef Jens Baas hält den Fokus auf Kurzzeiterkrankungen für verfehlt. Das eigentliche Problem lägen bei Langzeiterkrankungen und den Arbeitsbedingungen. DAK-Chef Andreas Storm verweist darauf, dass der statistische Anstieg der Krankheitstage auch auf die lückenlose Erfassung durch die neue elektronische AU (eAU) zurückzuführen sein könnte.

Ein System unter Druck

Die Debatte ist mehr als ein Streit um Verwaltung. Sie geht an die Grundfrage: Wie viel Vertrauen schenken wir Arbeitnehmern? Und wie entlasten wir ein chronisch überlastetes Gesundheitssystem mit pragmatischen Lösungen?

Die während der Pandemie eingeführte Regelung hatte sich bewährt. Eine schnelle Abschaffung scheint angesichts des massiven Widerstands aus der Praxis und der SPD politisch kaum durchsetzbar. Die Regierung steht vor einer Zerreißprobe. Kommt ein Kompromiss? Oder wird die Krankschreibung zum Dauerstreitthema? Für Ärzte und Patienten wäre eine Rückkehr zu vollen Wartezimmern bei jeder Erkältung ein klarer Rückschritt.

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