Taxi-Kartell, Prager

Taxi-Kartell am Prager Flughafen muss 11 Millionen Kronen Strafe zahlen

10.01.2026 - 21:24:12

Das tschechische Kartellamt verhängt Bußgelder von rund 450.000 Euro gegen Taxi Praha und FIX wegen mehrjähriger wettbewerbswidriger Absprachen. Die Unternehmen schalteten den Wettbewerb aus und erzeugten eine Illusion der Wahl.

Das tschechische Kartellamt hat zwei Taxi-Unternehmen wegen abgestimmten Verhaltens am Prager Flughafen hart bestraft. Die Konkurrenten schalteten jahrelang jeglichen Wettbewerb aus – und erschufen so eine Illusion der Wahl für die Passagiere.

Prag – Ein klarer Fall von wettbewerbswidriger Absprache: Das tschechische Amt für den Schutz des Wettbewerbs (ÚOHS) hat gegen die Taxi-Unternehmen Taxi Praha und FIX Geldbußen in Höhe von insgesamt über 11 Millionen Tschechischen Kronen (rund 450.000 Euro) verhängt. Die Behörde machte eine mehrjährige Kartellvereinbarung der beiden Anbieter am Flughafen Václav Havel Prag aus, die den eigentlich vorgesehenen Wettbewerb komplett ausschaltete. Die nun veröffentlichte Entscheidung markiert einen bedeutenden Erfolg für die Kartellbehörden in Mittelosteuropa.

Die Illusion der Wahl: So funktionierte das Kartell

Die Untersuchungen deckten auf, wie systematisch die beiden Unternehmen zwischen 2019 und 2021 zusammenarbeiteten. Ursprünglich waren sie 2016 in einer öffentlichen Ausschreibung ausgewählt worden, um durch Konkurrenz bessere Preise und Services für Fluggäste zu garantieren. Statt zu konkurrieren, agierten sie jedoch wie ein einziges Unternehmen.

Das Kartellamt stellte drei zentrale Verstöße fest:
* Abgestimmte Preise: Die Unternehmen legten identische Tarifstrukturen fest, sodass Kunden keinen Preisvorteil mehr hatten.
* Einheitliches Erscheinungsbild: Sie passten das Design ihrer Websites, Fahrzeugbeschriftungen und Apps an, um ein einheitliches Bild zu erzeugen.
* Austausch sensibler Daten: Geschäftsinformationen und Strategien wurden ausgetauscht, um die Marktbeherrschung zu sichern.

„Die gegenseitige Zusammenarbeit ging so weit, dass beide Unternehmen ihr visuelles Erscheinungsbild vereinheitlichten“, so das ÚOHS. Ziel sei gewesen, den Wettbewerb untereinander komplett auszuschalten.

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Zweiter Anlauf der Behörde führt zu hohen Strafen

Die aktuelle Entscheidung ist bereits der zweite Versuch der Behörde, das Kartell zu ahnden. Eine frühere Verfügung wurde Ende 2024 vom ÚOHS-Vorsitzenden Petr Mlsna aufgehoben und zur Neuprüfung zurückverwiesen. Nun liegt eine detailliertere Begründung vor, die das Verhalten klar als verbotene Kartellvereinbarung einstuft.

Die Strafen fallen unterschiedlich hoch aus:
* FIX, spol. s r.o. muss 10,12 Millionen CZK (ca. 410.000 Euro) zahlen.
* Taxi Praha s.r.o. wurde eine Geldbuße von 950.000 CZK (ca. 38.000 Euro) auferlegt.

Die Höhe orientiert sich am Umsatz und der Marktstellung der Unternehmen. Da die Firmen nicht kooperierten, sondern die Vorwürfe bestritten, gewährte die Behörde keine Strafminderung.

Ein Lehrstück für Compliance-Verstöße

Der Fall ist ein Lehrbeispiel für Compliance-Risiken durch Koordination zwischen Wettbewerbern. Besonders schwer wiegt, dass die Firmen den Kern der öffentlichen Ausschreibung – den Wettbewerb – gezielt unterliefen. Die „visuelle Vereinheitlichung“ gilt als besonders dreister Schritt, da sie die Illusion von Wahlmöglichkeiten für den Kunden vollends zunichtemachte.

Rechtsexperten sehen hier eine klare Warnung an andere konzessionsbasierte Branchen. Wo „gemanagter Wettbewerb“ in öffentlichen Aufträgen vorgesehen ist, könnte ähnliches Verhalten künftig strenger geprüft werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Unternehmen haben bereits Berufung eingelegt. Der Fall geht nun erneut an ÚOHS-Vorsitzenden Mlsna. Sollten die Strafen bestätigt werden, könnten auch zivilrechtliche Schadensersatzklagen folgen.

Der Markt hat sich bereits gewandelt

Ironischerweise ist das Geschäftsmodell des Kartells bereits obsolet. Der Vertrag mit Taxi Praha und FIX lief 2023 aus. Seit September 2023 ist Uber nach einer neuen Ausschreibung der alleinige Taxi-Anbieter am Prager Flughafen.

Der Wechsel zu einer digitalen Plattform mit festen, vorab bekannten Preisen soll Transparenz-Probleme und den schlechten Ruf der Prager Taxibranche beheben. „Die Auswahl von zwei Firmen 2016 sollte einen Wettbewerb und bessere Preise bringen“, so das Kartellamt. „Die ausgewählten Anbieter taten jedoch genau das Gegenteil.“

Was kommt als Nächstes?

Die endgültige Entscheidung in der Berufung wird in den kommenden Monaten erwartet. Sollte das Urteil bestätigt werden, wäre dies ein starkes Signal für die Durchsetzung des Kartellrechts in Tschechien. Andere Sektoren mit vergleichbaren Konzessionsmodellen – etwa im öffentlichen Nahverkehr oder bei Infrastrukturprojekten – dürften genau hinschauen.

Für die betroffenen Unternehmen bleibt die hohe Geldbuße eine teure Erinnerung: Auch scheinbar operative Details wie eine abgestimmte Website-Gestaltung können als Beweis für wettbewerbswidrige Absprachen dienen und Millionen kosten.

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