Tarif-Rabatt-Betrug: Wie Kriminelle mit Trump-Versprechen Kasse machen
08.01.2026 - 08:30:12
Eine Welle betrügerischer E-Mails mit Versprechen auf „Tarif-Rückzahlungen“ überschwemmt derzeit Postfächer und vermischt politisches Fundraising mit kriminellem Phishing. Die Kampagne nutzt gezielt die Verwirrung um die Handelspolitik von Präsident Trump aus.
Von unserem Cybersecurity-Korrespondenten
Donnerstag, 8. Januar 2026
Seit Dienstag erreichen US-Bürger massenhaft E-Mails mit Betreffzeilen wie „Ihr Tarif-Rabatt-Scheck“ oder schlicht „Hallo?“. Absender geben sich als Wahlkampfteam von Donald Trump oder nahestehende Organisationen aus. Die Nachrichten locken mit der Aussicht auf eine „Dividende“ oder „Rückzahlung“ von 2.000 US-Dollar aus Zolleinnahmen. Ein Klick auf „Jetzt bestätigen“ führt jedoch nicht zu einer staatlichen Stelle, sondern direkt auf eine Spenden-Seite. Gleichzeitig sammeln die Absender persönliche Daten wie Namen und Postleitzahlen ein. Für Sicherheitsexperten verschwimmt hier die Grenze zwischen aggressiver Wahlkampffinanzierung und klassischem Identitätsdiebstahl.
Das Chaos nutzen echte Cyberkriminelle schamlos aus. Parallel zu den politischen Mails kursieren gefälschte SMS und E-Mails, die direkt auf Identitätsdiebstahl abzielen. Diese Nachrichten imitieren den Stil der Wahlkampf-Kommunikation, fordern aber Sozialversicherungsnummern, Bankdaten oder Passwörter. Im Gegensatz zu den Fundraising-Mails, die auf legale Zahlungsdienstleister verlinken, landen Opfer hier auf betrügerischen Webseiten. Die Täter setzen auf psychologischen Druck: Ein angebliches „Mitternachts-Deadline“ soll schnelles Handeln erzwingen – eine klassische Social-Engineering-Taktik. Die Verheißung von 2.000 Dollar in der finanziell angespannten Zeit nach den Feiertagen erweist sich als äußerst wirksamer Köder.
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Behörden warnen – die rechtliche Realität sieht anders aus
Die massenhafte Verbreitung hat bereits offizielle Warnungen ausgelöst. Ende Dezember warnte etwa die Generalstaatsanwaltschaft von Idaho ausdrücklich vor „Tarif-Rabatt“-SMS. Behörden versenden keine Texte, die sofortige Reaktionen für angebliche Rückzahlungen fordern. Jede Nachricht, die einen Klick zum „Freischalten“ von Staatsgeldern verlangt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit betrügerisch. Rechtsexperten stellen klar: Ein gesetzliches Programm für „Tarif-Rabatt-Schecks“ existiert derzeit nicht. Zwar hat der Präsident das Konzept in Reden erwähnt, der Kongress hat jedoch kein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Die angekündigten Zölle selbst stehen zudem vor rechtlichen Hürden; der Oberste Gerichtshof wird in den kommenden Monaten eine Grundsatzentscheidung treffen. Diese Kluft zwischen Versprechen und Realität schafft einen idealen Nährboden für Betrüger.
Herausforderung für Sicherheitsbranche und Ausblick
Für Anbieter von E-Mail-Sicherheit stellt diese Vermengung eine besondere Herausforderung dar. Filter, die normalerweise Betrugs-Nachrichten blockieren, können kaum zwischen politischen Newslettern mit reißerischer Sprache („Hol dir jetzt dein Geld!“) und echten Phishing-Versuchen unterscheiden. Analysten beobachten einen beschleunigten Trend des „News-Jacking“: Kriminelle reagieren blitzschnell auf aktuelle politische Schlagworte. Der Einsatz von KI-generierten Bildern – wie in den aktuellen Mails zu sehen – senkt zudem die Hürde, täuschend echte Fälschungen zu erstellen. Die Expertenprognose ist eindeutig: Das Phishing-Thema wird so lange aktuell bleiben, wie das „Tarif-Rabatt“-Versprechen im politischen Diskurs präsent ist. Die Empfehlung an alle Nutzer lautet: Seien Sie äußerst misstrauisch bei unerbetenen Nachrichten, die kostenloses Geld versprechen. Überprüfen Sie angebliche staatliche Programme ausschließlich über offizielle .gov-Webseiten – niemals über Links in E-Mails oder SMS. Mit der erwarteten Entscheidung des Supreme Court im Frühjahr 2026 dürfte die Verwirrung – und damit das Geschäftsfeld für Betrüger – vorerst weitergehen.

