Tabaksteuer-Reform, Deutschland

Tabaksteuer-Reform: Deutschland erhöht Steuer auf E-Zigaretten massiv

07.01.2026 - 21:04:12

Die finale Steuererhöhung auf 0,32 Euro pro Milliliter markiert das Ende einer mehrjährigen Roadmap und verändert die Wirtschaftlichkeit des Dampfens grundlegend.

Die Steuer auf E-Zigaretten-Liquids steigt in Deutschland zum Jahreswechsel auf ein Rekordniveau. Damit endet eine mehrjährige Steuererhöhungs-Roadmap – doch die Debatte über die Folgen ist neu entfacht.

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland eine spezifische Verbrauchsteuer von 0,32 Euro pro Milliliter für sogenannte Tabakwaren-Substitute. Diese finale Erhöhung markiert den Endpunkt des Tabaksteuermodernisierungsgesetzes (TabStMoG) von 2021. Für Verbraucher bedeutet dies: Die Ära des günstigen Dampfens ist vorbei. Parallel berichten österreichische Medien am heutigen 7. Januar von verschärften Regulierungen im Nachbarland.

Die Steuer-Roadmap erreicht ihr Ziel

Die aktuelle Preiserhöhung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines langfristigen Plans. Das TabStMoG sah eine schrittweise Erhöhung der Steuer auf E-Liquids vor – unabhängig davon, ob diese Nikotin enthalten oder nicht. Die Steigerung war aggressiv:

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  • Juli 2022 bis Dezember 2023: 0,16 Euro/ml
  • Januar 2024 bis Dezember 2024: 0,20 Euro/ml
  • Januar 2025 bis Dezember 2025: 0,26 Euro/ml
  • Ab 1. Januar 2026: 0,32 Euro/ml

Hinzu kommt die reguläre Mehrwertsteuer. Analysten schätzen die effektive Steuerlast für Verbraucher daher auf etwa 38 Cent pro Milliliter. Bei einer handelsüblichen 10-ml-Flasche entfallen damit fast 4 Euro des Verkaufspreises allein auf Steuern. Die wirtschaftliche Attraktivität von E-Zigaretten im Vergleich zur klassischen Tabakzigarette hat sich damit fundamental verschoben.

Handel und Verbraucher reagieren auf Preisschock

Die ersten Tage des neuen Jahres zeigen ein gespaltenes Bild im Handel. Während die neue Steuer für alle ab dem 1. Januar in den Verkehr gebrachten Produkte gilt, finden Verbraucher noch Restbestände mit dem alten Steuersatz von 0,26 Euro/ml. Viele hatten Ende Dezember 2025 vorsorglich eingekauft und die Lager leergeräumt.

Besonders hart trifft die Erhöhung Nutzer offener Systeme. Eine 100-ml-Flasche Basisliquid ist nun allein mit 32 Euro an Verbrauchsteuer belastet. Branchenverbände kritisieren diese Struktur scharf: Sie benachteilige offene Systeme gegenüber geschlossenen Pod-Systemen oder Einweg-E-Zigaretten, die weniger Liquid enthalten.

Kontrovers bleibt auch die Besteuerung nikotinfreier Liquids – eine Besonderheit des deutschen Rechts. Die Begründung: Der Konsum von Ersatzprodukten ersetze den Tabakkonsum. Für Befürworter der Schadensminimierung ist dies ein falsches Signal, das Raucher vom Umstieg auf weniger schädliche Alternativen abhalten könnte.

Österreich zieht mit strengeren Regeln nach

Während Deutschland seine geplanten Erhöhungen umsetzt, verschärft auch Österreich die Regulierung. Medienberichte aus Wien vom heutigen 7. Januar zeigen: Die Regierung plant, Nikotinbeutel und E-Liquids stärker unter das staatliche Tabakmonopol zu stellen.

Diese Maßnahmen, die voraussichtlich ab April 2026 greifen sollen, zielen auf höhere Steuereinnahmen und besseren Jugendschutz. Der Trend ist klar: Neuartige Nikotinprodukte werden in der DACH-Region zunehmend wie traditioneller Tabak behandelt – sowohl steuerlich als auch regulatorisch.

Für den grenzüberschreitenden Handel bedeutet dies eine geschlossene Front gegen Steuervermeidung. Die Preisunterschiede zu anderen EU-Nachbarn wie Polen oder Tschechien bleiben jedoch bestehen und stellen die Zollbehörden vor Herausforderungen.

Die Schattenseite: Gefahr eines wachsenden Schwarzmarkts

Mit der neuen Steuerhöhe wächst die Sorge vor illegalem Handel. Das Bundesfinanzministerium und der Zoll warnen seit langem vor den Risiken: Überhöhte Steuern auf leicht transportierbare Waren wie E-Liquids schaffen lukrative Möglichkeiten für Schmuggler.

Die Rechnung ist einfach: Ein Liter Basisliquid, der in einem Niedrigsteuerland nur wenige Euro kostet, hat in Deutschland einen Steuerwert von 320 Euro. Diese Diskrepanz lockt kriminelle Akteure an – mit vergleichsweise geringeren Strafen als im Drogenhandel.

Branchenbeobachter prognostizieren für 2026 drei Trends:

  1. DIY-Schwarzmarkt: Verbraucher könnten vermehrt Rohstoffe wie Propylenglykol und pflanzliches Glycerin aus nicht-vaping-spezifischen Quellen beziehen.
  2. Vormarsch der Einwegprodukte: Der Marktanteil von Einweg-E-Zigaretten könnte steigen, da der Steueranteil bei einem 2-ml-Gerät (64 Cent) weniger abschreckend wirkt.
  3. Politische Überprüfung: Da der TabStMoG-Fahrplan nun abgeschlossen ist, könnte der politische Druck für eine Evaluierung des Gesetzes wachsen – besonders wenn die Steuereinnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Verbraucher die neue Preisebene akzeptieren oder ob sich der Markt in legale und illegale Segmente spaltet. Für die Vollzugsbehörden würde dies eine zusätzliche Herausforderung in einem ohnehin schon komplexen regulatorischen Umfeld bedeuten.

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