Südkoreas KI-Gesetz: Dritter Weg zwischen Innovation und Kontrolle
25.01.2026 - 16:31:12Südkorea setzt mit einem eigenen KI-Gesetz auf Wachstum – und stellt sich bewusst gegen den strikten EU-Kurs. Das könnte auch für deutsche Tech-Unternehmen Folgen haben.
Ein Gesetz für die Spitzenposition
Südkorea will mit seinem neuen KI-Basisgesetz zu den drei führenden KI-Nationen der Welt aufsteigen. Seit dem 22. Januar 2026 ist der rechtliche Rahmen in Kraft, der einen Mittelweg zwischen dem strengen europäischen Modell und dem laschen US-Ansatz beschreitet. Kern ist ein klares Bekenntnis: Innovation soll Vorrang vor restriktiver Regulierung haben.
Anders als die EU, die bestimmte Anwendungen verbietet, setzt Südkorea auf flexible Leitplanken. „Zuerst erlauben, dann regulieren“ lautet die Devise. Verbindliche Regeln gelten vor allem für Hochrisiko-KI in sensiblen Bereichen wie Gesundheitswesen, Verkehr oder kritischer Infrastruktur. Hier sind Sicherheitsmaßnahmen und menschliche Aufsicht nun Pflicht. Für alle generativen KI-Dienste gilt zudem eine Transparenzpflicht: Nutzer müssen klar informiert werden.
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Globaler Vergleich: Drei Welten der KI-Regulierung
Südkorea etabliert mit seinem Gesetz einen eigenständigen dritten Weg in der globalen Regulierungslandschaft.
Europäische Union: Der EU AI Act ist das weltweit strengste Regelwerk. Er verbietet Anwendungen wie Social Scoring und droht mit Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des globalen Umsatzes. Die Umsetzung erfolgt erst schrittweise bis 2027. Südkoreas Bußgelder sind mit umgerechnet maximal etwa 20.000 Euro vergleichsweise moderat.
Vereinigte Staaten: Auf US-Bundesebene fehlt ein einheitliches Gesetz. Die Regierung setzt auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie, während Bundesstaaten eigene Regeln erlassen. Südkoreas hybrides Modell ist verbindlicher als dieser Ansatz, bleibt aber wirtschaftsfreundlicher als die EU-Lösung.
Ein wichtiger Punkt für internationale Konzerne: Das Gesetz gilt auch extraterritorial. Ausländische Unternehmen, deren KI-Dienste den südkoreanischen Markt beeinflussen, müssen sich daran halten und gegebenenfalls einen lokalen Vertreter benennen.
Skepsis in der Industrie und offene Fragen
Die südkoreanische Regierung betont den Fördercharakter des Gesetzes. Eine mindestens einjährige Schonfrist soll Unternehmen den Übergang erleichtern. Dennoch gibt es Kritik, vor allem aus der Startup-Szene.
Die teils vagen Definitionen – was genau ist „Hochrisiko-KI“? – sorgen für Verunsicherung. Kritiker befürchten hohe Compliance-Kosten, die gerade junge Unternehmen belasten. Eine weitere Sorge ist die mögliche „umgekehrte Diskriminierung“: Während einheimische Firmen die Regeln beachten müssen, könnte die Durchsetzung bei globalen Tech-Giganten schwierig werden.
Besonders umstritten ist die Pflicht zur Kennzeichnung von KI-Inhalten durch Wasserzeichen. Branchenkenner weisen darauf hin, dass solche Markierungen mit vorhandenen Tools leicht zu entfernen sind. Die Wirksamkeit dieser zentralen Transparenzmaßnahme steht damit infrage.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Südkoreas Schritt ist ein Signal. Das Land positioniert sich als attraktiver, rechtssicherer Standort, der Innovation nicht durch Überregulierung erstickt. Geplant sind ein nationales KI-Sicherheitsinstitut und ein präsidialer Strategierat.
Für deutsche Unternehmen, die in Südkorea aktiv sind oder KI-Dienste anbieten, bedeutet das: Die Compliance-Landschaft wird komplexer. Sie müssen sich auf eine weitere, eigenständige Regulierung einstellen. Zugleich könnte Südkoreas wachstumsorientiertes Modell Schule machen und anderen Nationen als Blaupause dienen – und so langfristig den europäischen Einfluss auf globale KI-Standards schwächen.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die vagen Gesetzesformulierungen in der Praxis mit Leben gefüllt werden. Für die internationale Tech-Branche steht fest: Die Fragmentierung der globalen KI-Regulierung schreitet voran.
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