Südkorea führt Kennzeichnungspflicht für KI-Werbung ein
16.01.2026 - 01:43:12Südkorea startet einen weltweit beachteten Vorstoß gegen irreführende KI-Werbung. Ab 2026 müssen alle von künstlicher Intelligenz erstellten oder bearbeiteten Werbeinhalte klar gekennzeichnet werden. Die Regierung reagiert damit auf eine Flut betrügerischer Anzeigen, darunter Deepfakes von Prominenten.
Die neuen Vorschriften zählen zu den strengsten weltweit und stellen Südkorea an die Spitze der Bemühungen, Verbrauchervertrauen im KI-Zeitalter zu schaffen. Hintergrund ist ein dramatischer Anstieg betrügerischer Online-Werbung, die besonders im Gesundheits- und Finanzbereich vulnerable Verbraucher mit falschen Versprechungen lockt. Die Politik soll eine faire Marktordnung etablieren, während das Land KI-Technologien vollständig adaptiert.
Alarmierende Zahlen zu digitaler Täuschung
Der staatliche Vorstoß ist eine direkte Antwort auf besorgniserregende Statistiken. Laut dem Ministerium für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit identifizierten Behörden 2024 über 96.700 illegale Online-Anzeigen für Lebensmittel und Pharmaprodukte – ein deutlicher Sprung gegenüber etwa 59.000 im Vorjahr.
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Diese irreführende Werbung zeigt häufig Deepfake-Videos von Prominenten oder KI-generierte „Experten“, die Produkte wie Abnehmpräparate und Kosmetika bewerben. Besonders älteren Verbrauchern fällt es schwer, zwischen authentischen und gefälschten Inhalten zu unterscheiden.
Die Politik wurde nach einem hochrangigen Regierungstreffen finalisiert, bei dem Beamte die dringende Notwendigkeit betonten, negative Nebeneffekte neuer Technologien zu minimieren. Kern des neuen Rahmens ist der Verbraucherschutz vor der rasanten, unkontrollierten Verbreitung ausgeklügelter KI-gesteuerter Desinformation auf Plattformen wie YouTube, Instagram und TikTok.
Neue Regeln: Pflichtkennzeichnung und Plattform-Verantwortung
Die Verordnung führt umfassende Regeln für Werbetreibende, Content-Ersteller und die Plattformen ein, die ihre Inhalte hosten. Herzstück ist das verpflichtende Kennzeichnungssystem: Jeder, der KI-generierte Fotos oder Videos für Werbezwecke produziert, bearbeitet oder hochlädt, muss klar offenlegen, dass es sich um synthetische Inhalte handelt.
Die Manipulation oder Entfernung dieser KI-Labels ist strikt verboten. Besondere Verantwortung tragen die Online-Plattformen selbst. Technologieunternehmen müssen sicherstellen, dass Content-Ersteller und Werbetreibende die Kennzeichnungsregeln einhalten, inklusive standardisierter Hinweismethoden.
Diese Maßnahmen werden durch Änderungen am südkoreanischen Telekommunikationsgesetz umgesetzt. Eine Werbung mit einem KI-generierten Arzt, der ein Gesundheitsprodukt empfiehlt, ohne explizit als „virtueller Mensch“ gekennzeichnet zu sein, gilt nun als täuschende und unfaire Praxis.
Strengere Durchsetzung und hohe Strafen
Um Compliance zu gewährleisten, verstärkt die Regierung ihre Durchsetzungsfähigkeiten und führt deutlich härtere Strafen für Verstöße ein. Der Rahmen sieht Schadensersatz vor, der Täter bis zum Fünffachen des tatsächlich verursachten finanziellen Schadens zahlen lassen kann, wenn sie wissentlich falsche oder manipulierte Informationen verbreiten. Diese Bewegung soll abschreckend gegen bösartige Desinformationskampagnen wirken.
Aufsichtsbehörden werden zudem eigene KI-basierte Monitoringsysteme einsetzen, um verdächtige Werbeinhalte effektiver zu erkennen und zu markieren. Die Behörden beschleunigen ihre Prüf- und Löschverfahren mit Plänen für 24-Stunden-Bewertungen und Notfall-Sperrungen von Anzeigen, die ein dringendes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen.
Die Korea Fair Trade Commission (FTC) und andere zuständige Gremien werden die Standards für die Rechtmäßigkeit KI-generierter Werbung klären. Dies erhöht die Planbarkeit für Unternehmen und ermöglicht schnelles Handeln gegen Verstöße.
Globale Vorreiterrolle und Ausblick
Südkoreas neue Regeln positionieren das Land als globalen Vorreiter in der KI-Governance. Die Strategie orientiert sich an anderen wichtigen regulatorischen Bemühungen wie dem KI-Gesetz der Europäischen Union. Die Politik zielt darauf ab, ein Gleichgewicht zwischen Innovationsförderung in der aufstrebenden KI-Branche und robusten Schutzmaßnahmen für die Öffentlichkeit zu finden.
Während große Werbeagenturen und Plattformen sich voraussichtlich schnell anpassen, haben einige Branchenverbände Bedenken geäußert, dass kleinere Unternehmen mit höheren Compliance-Kosten konfrontiert sein könnten.
Die Umsetzung dieser Vorschriften wird sich voraussichtlich im ersten Halbjahr entfalten, wobei die vollständige Durchsetzung beginnt, sobald Südkoreas grundlegendes KI-Basisgesetz in Kraft tritt. Die Regierung hat angekündigt, eng mit Plattformbetreibern, Verbrauchergruppen und anderen Stakeholdern zusammenzuarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Dieser proaktive Schritt signalisiert deutlich: Die Ära der unregulierten KI-Werbung neigt sich dem Ende zu. Südkorea setzt damit einen potenziellen Präzedenzfall für andere Nationen, die mit der Herausforderung konfrontiert sind, Wahrheit und Transparenz im Zeitalter der künstlichen Intelligenz zu gewährleisten.
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