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Studie: Deutsche Arbeitnehmer schaffen nur noch zwei bis drei Stunden Fokus am Tag

27.01.2026 - 00:03:13

Eine neue Studie zeigt, dass Mitarbeiter nur noch wenige Stunden ungestört arbeiten können. Diese Fragmentierung stellt ein psychosoziales Risiko dar und erhöht die rechtliche Verantwortung der Arbeitgeber.

Eine neue Studie zeigt einen alarmierenden Trend: Der durchschnittliche Arbeitnehmer kommt heute nur noch auf zwei bis drei Stunden ungestörte Konzentration pro Tag. Diese zunehmende Fragmentierung des Arbeitstages verschärft die Sorgen um die psychosoziale Gesundheit in mobilen und hybriden Arbeitsmodellen und erhöht den Druck auf deutsche Unternehmen, ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen.

Die am 26. Januar 2026 von der Zeitmanagement-Plattform Hubstaff veröffentlichte Forschung analysierte Daten von über 140.000 Beschäftigten. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Arbeitswelt im Dauerbeschuss digitaler Ablenkungen. Demnach hat sich das Meeting-Aufkommen in zwei Jahren verdoppelt. Beschäftigte nutzen im Schnitt 18 verschiedene Anwendungen täglich – ein ständiger Wechsel, der den Fluss unterbricht. Besonders betroffen sind hybride Teams mit der geringsten Quote ungestörter Arbeitszeit. Die Daten liefern so ein messbares Bild der digitalen Belastungen, die zu Stress, Burnout und sozialer Isolation führen.

Fragmentierter Tag, überforderte Führungskräfte

Der dokumentierte Teufelskreis aus Benachrichtigungen, Meetings und Ablenkungen ist ein Haupttreiber psychosozialer Belastung. Laut Hubstaff sind Führungskräfte besonders betroffen: Nur 27 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen sie im Fokus-Modus. Diese ständige Zerstückelung verhindert das „Deep Work“, das für komplexe Aufgaben nötig ist, und führt zu Gefühlen der Überforderung.

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Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien zu den Risiken schlecht gestalteter Remote-Arbeit: Digitale Erschöpfung, verschwimmende Grenzen und Einsamkeit sind bekannte Stressfaktoren. Die neuen Daten legen nahe, dass ein Arbeitsdesign, das Konzentration systematisch untergräbt, diese Probleme verschlimmert. Der Druck, Aufgaben zu erledigen, verlagert sich dann oft in die Freizeit – die Work-Life-Balance erodiert weiter.

Digitale Tools als Gefahr für den Teamzusammenhalt

Digitale Tools ermöglichen Zusammenarbeit auf Distanz, doch ein Zuviel an geplanten Meetings und Nachrichten kann das soziale Gefüge schwächen. Die Verdopplung der Meeting-Zahl bedeutet nicht automatisch mehr Verbundenheit. Informelle, spontane Interaktionen, die für Vertrauen und Zusammenhalt entscheidend sind, gehen im Remote-Modus oft verloren. Das kann zu Isolation und Entfremdung von Kollegen und Unternehmenskultur führen.

Besonders schwierig ist die Integration neuer Mitarbeiter. Ohne persönliches Onboarding und informelles Lernen fällt es schwer, Beziehungen aufzubauen. Ein von Ablenkungen zerstückelter Tag lässt wenig mentalen Raum für das soziale Lernen, das effektive Teamarbeit braucht. Studien zeigen: Mangelnder Zusammenhalt ist eine Hauptherausforderung virtueller Teams, oft verursacht durch Kommunikationsprobleme und das Gefühl der Loslösung.

Die rechtliche Fürsorgepflicht der Arbeitgeber

Diese Entwicklung hat gravierende Folgen für die Einhaltung des deutschen Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen – ausdrücklich inklusive der psychischen Gesundheit. Sie müssen Gefährdungsbeurteilungen durchführen und psychosoziale Risiken identifizieren und mindern.

Auch bei gelegentlicher mobiler Arbeit, die nicht unter die strikte Arbeitsstättenverordnung fällt, bleibt die grundlegende Fürsorgepflicht bestehen. Der Nachweis systemischer Zerstückelung der Arbeit und ihres Potenzials, Stress zu verursachen, stellt ein klares psychosoziales Risiko dar. Themen wie „digitaler Overload“ sind damit keine Privatsache mehr, sondern systemische Gefahren, für deren Management der Arbeitgeber verantwortlich ist.

Systemwandel statt Symptombekämpfung

Die Ergebnisse markieren eine Zeitenwende in der mobilen Arbeit. Es geht nicht mehr nur darum, Remote-Zugang zu ermöglichen, sondern ein digitales Arbeitsumfeld aktiv so zu gestalten, dass es produktiv und psychisch tragfähig ist. Die Daten belegen: Es sind nicht die Teams, die versagen, sondern oft Systeme, die Konzentration systematisch sabotieren.

Experten und Einrichtungen wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fordern seit langem eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit. Das aktuelle Modell der Hyper-Konnektivität schafft ein permanentes Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen – mit negativen Folgen für die Gesundheit. Die Lösung erfordert einen strategischen, top-down Ansatz, um digitale Kommunikationsnormen und Meeting-Kultur grundlegend zu überdenken.

Ausblick: Die Architektur eines gesünderen Arbeitsplatzes

Angesichts der Erkenntnisse sind deutsche Unternehmen aufgefordert, ihre mobilen und hybriden Richtlinien proaktiv zu überprüfen. Der Weg führt über die reine Technologiebereitstellung hinaus hin zur Architektur eines gesünderen digitalen Arbeitsplatzes. Wichtige Schritte sind die Einführung fokussierter Kernarbeitszeiten ohne Unterbrechungen, die Reduzierung der verwendeten Software-Tools und die Schulung von Führungskräften zu vertrauensbasierter Führung statt Mikromanagement.

Wer die Ursachen der digitalen Fragmentierung ignoriert, riskiert mehr Burnouts, höhere Fluktuation und weniger Innovation. Zudem dürften Unternehmen bei wachsendem Problembewusstsein stärker auf die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften überprüft werden. Die Zukunft erfolgreicher mobiler Arbeit wird nicht allein von ihrer Flexibilität definiert, sondern von ihrem Engagement für den wertvollsten Rohstoff jedes Teams: die gemeinsame Konzentration und das Wohlbefinden.

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