Strompreiskompensation: Deutschland weitet Schutz für Industrie massiv aus
19.01.2026 - 23:52:12Die Bundesregierung schützt ihre Industrie vor hohen Energiekosten und weitet die Strompreiskompensation von 11 auf 31 Sektoren aus. Ziel ist es, die Produktion in Deutschland zu halten und die Klimawende zu finanzieren.
Kern der neuen EU-Beihilferegeln
Grundlage ist eine Reform der EU-Beihilfeleitlinien vom Dezember 2025. Sie reagiert auf die stark gestiegenen CO₂-Preise, die Strom für Industrieunternehmen teuer machen. Die EU will so verhindern, dass Betriebe in Regionen mit lascheren Klimavorgaben abwandern – ein Phänomen, das als Carbon Leakage bekannt ist. Die neuen Regeln erhöhen die maximale Förderquote von 75 auf 80 Prozent und passen Berechnungsfaktoren für die Jahre 2026 bis 2030 an. Deutschland muss die Vorgaben bis zum 30. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen.
Diese Branchen profitieren jetzt
Bisher kamen rund 350 Unternehmen in den Genuss der Entlastung. Künftig sind 20 weitere Sektoren und zwei Teilsektoren förderberechtigt. Dazu zählen Schlüsselbereiche wie die Produktion organischer Chemikalien, Teile der Glas- und Keramikindustrie sowie die Batteriezellfertigung. Die Aufnahme zukunftsweisender Technologien zeigt: Die Regierung will nicht nur traditionelle Industrien stützen, sondern auch jene, die für die grüne Transformation entscheidend sind. Für die betroffenen Firmen bedeutet dies mehr Planungssicherheit und einen Anreiz, in Deutschland zu investieren.
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Ökologische Gegenleistung wird Pflicht
Die höhere Förderung ist an strikte Bedingungen geknüpft. Großempfänger der Kompensation müssen mindestens 50 Prozent der erhaltenen Mittel in Dekarbonisierungs- und Energieeffizienzprojekte stecken. Akzeptable Investitionen sind der Ausbau erneuerbarer Energien, der Bau von Elektrolyseuren für grünen Wasserstoff oder große Effizienzmaßnahmen. So soll die Beihilfe nicht bloß den Verbrauch subventionieren, sondern den ökologischen Umbau der Industrie aktiv vorantreiben. Die finanzielle Entlastung ist damit direkt an Fortschritte beim Klimaschutz gekoppelt.
Teil eines milliardenschweren Entlastungspakets
Die ausgeweitete Kompensation ist nur ein Baustein einer umfassenden Energiepreis-Strategie. Parallel senkt der Bund die Netzentgelte und reduziert dauerhaft die Stromsteuer für produzierendes Gewerbe und Landwirtschaft. Zusätzlich führt die Regierung 2026 einen temporären „Industriestrompreis“ für besonders energieintensive Unternehmen ein. Ein Verhandlungserfolg in Brüssel: Betriebe dürfen die Vorteile aus dem Industriestrompreis mit der Strompreiskompensation kombinieren. Diese Doppelförderung soll die Entlastung maximieren.
Was Unternehmen jetzt tun müssen
Der politische Beschluss ist gefasst, nun beginnt die Umsetzung. Betriebe in den neu hinzugekommenen Sektoren sollten sich auf das Antragsverfahren vorbereiten, das beim Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) angesiedelt ist. Die Kompensation wird in der Regel rückwirkend für das vorangegangene Kalenderjahr beantragt – die erweiterte Förderung könnte somit bereits für Kosten aus 2025 gelten. Die Maßnahmen schaffen ein mehrjähriges Zeitfenster, in dem die deutsche Industrie in langfristige Klimaprojekte investieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann.


