Stressreport, Deutschen

Stressreport 2025: Zwei Drittel der Deutschen fühlen sich dauerhaft gestresst

29.11.2025 - 11:40:12

Laut TK-Studie leiden zwei Drittel der Deutschen unter chronischem Stress, wobei Selbstoptimierungsdruck erstmals alle anderen Stressfaktoren übertrifft und zu massiven gesundheitlichen Folgen führt.

Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fühlen sich chronisch gestresst. Das zeigt der diese Woche vorgestellte Stressreport 2025 der Techniker Krankenkasse. Die Ursachen haben sich dramatisch verschoben: Erstmals überflügeln überhöhte Selbstansprüche alle anderen Stressfaktoren – noch vor Arbeitsdruck und Zeitnot.

Die Zahlen markieren einen historischen Höchststand. Nur acht Prozent der Befragten geben an, gar keinen Stress zu empfinden. Was Experten alarmiert: Der innere Druck wird zur größten Belastung in einer ohnehin krisengeschüttelten Zeit.

Der innere Feind: Wenn Perfektionismus krank macht

61 Prozent der Befragten nennen hohe Ansprüche an sich selbst als primäre Stressquelle. Damit überflügelt der Selbstoptimierungszwang erstmals deutlich externe Faktoren wie Beruf oder Studium (58 Prozent). Ein Paradigmenwechsel, der aufhorchen lässt.

„Bis zu einem gewissen Grad gehört Stress zum Leben dazu”, erklärt TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas. „Chronischer Stress jedoch erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme oder Depressionen massiv.” Die Folgen sind messbar: Wer unter permanentem Selbstoptimierungsdruck steht, leidet signifikant häufiger unter Erschöpfung, Schlafstörungen und Muskelverspannungen.

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Das Tückische: Anders als bei äußeren Belastungen lässt sich dieser Stressor nicht durch Urlaub oder Jobwechsel abstellen. Der härteste Kritiker wohnt im eigenen Kopf.

Polykrisen-Müdigkeit: Wenn die Weltlage aufs Gemüt schlägt

Ein alarmierender Befund: 53 Prozent der Menschen nennen politische und gesellschaftliche Probleme als direkten Stressauslöser. Die Angst vor Klimawandel, wirtschaftlichem Wohlstandsverlust und politischer Polarisierung frisst sich tief in den Alltag.

„Die Welt befindet sich gefühlt im Dauerkrisenmodus”, analysiert Baas. „Wer Medien konsumiert, wird mit einer Flut aus Negativschlagzeilen konfrontiert.” Diese permanente Alarmbereitschaft verhindert echte Erholungsphasen. Das Nervensystem schaltet nie ab.

Psychologen sprechen von „Polykrisen-Müdigkeit”. Anders als bei beruflicher Überlastung erzeugt die Weltlage ein Gefühl der Ohnmacht. Das Resultat: Ein Verharren in Erschöpfung, weil die Kraft zur Veränderung fehlt.

Selbstfürsorge wird zur Überlebensstrategie

Angesichts dieser Zahlen fordern Gesundheitspsychologen einen radikalen Kurswechsel. Selbstfürsorge ist kein egoistischer Luxus mehr, sondern notwendige Gesundheitskompetenz. Die klassische Trennung von Arbeit und Freizeit greift nicht, wenn der Stressor allgegenwärtig ist.

Drei Kernbereiche für 2026

Digitale Grenzen: Ständige Erreichbarkeit und News-Konsum treiben Angstzustände an. Strikte Digital-Detox-Zeiten werden zur essenziellen Hygienemaßnahme fürs Gehirn. Push-Nachrichten abschalten ist kein Zeichen von Realitätsflucht, sondern Selbstschutz.

Soziale Resilienz: Einsamkeit wirkt als Brandbeschleuniger für Burnout. Wohltuende soziale Kontakte gelten als wirksamstes Gegenmittel. Es geht um qualitative Begegnungen, nicht um digitale Vernetzung.

Realitätscheck der Ansprüche: Die Akzeptanz von „gut genug” statt „perfekt” wird zur wichtigsten Präventionsmaßnahme. Therapeutische Arbeit an der inneren Haltung ist entscheidend, wenn 61 Prozent der Menschen an eigenen Erwartungen scheitern.

Wirtschaft unter Zugzwang: Mental Health als Standortfaktor

Psychische Erkrankungen bleiben zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen – mit steigender Ausfalldauer. Die volkswirtschaftlichen Kosten explodieren.

Unternehmen stehen unter Druck. Obstkorb und Gesundheitstag reichen nicht mehr. Moderne Führungskultur muss psychologische Sicherheit gewährleisten. Das bedeutet: Überlastung darf offen angesprochen werden, ohne Karriereknicks zu fürchten.

Erste Konzerne reagieren mit Mental Health Days und strikter Einhaltung von Ruhezeiten. Es geht um die langfristige Arbeitsfähigkeit der Belegschaft – und damit ums wirtschaftliche Überleben.

Gender Gap: Frauen tragen doppelte Last

Frauen berichten signifikant häufiger von Erschöpfung. Sie haben rund 60 Prozent mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen als Männer. Der Grund: Mental Load – die unsichtbare Last des Organisierens von Familie, Haushalt und Pflege.

Diese Care-Arbeit kommt oft zusätzlich zur Berufstätigkeit. Präventionsstrategien müssen strukturelle Entlastung in den Fokus rücken, nicht nur effizientere Entspannungstechniken vermitteln.

Das Jahr der Grenzen

2026 könnte zum Wendepunkt werden. Die mentale Gesundheit ist endgültig aus der Tabuzone in die Mitte der gesellschaftlichen Debatte gerückt. Die Erkenntnisse des Stressreports 2025 sind eindeutig.

Die wichtigste Lektion: Selbstfürsorge ist keine Belohnung, die man sich nach erledigter Arbeit verdient. Sie ist der Treibstoff, ohne den der Motor gar nicht erst läuft. Bewusstes Nein-Sagen, das Reduzieren von Komplexität und echte menschliche Verbindungen sind keine Trends mehr.

Sie sind Überlebensstrategien in einer komplexen Welt.

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