Steuerbescheide, Digital-Pflicht

Steuerbescheide: Digital-Pflicht auf 2027 verschoben

11.01.2026 - 14:54:12

Die verbindliche Einführung digitaler Steuerbescheide wird auf 2027 verschoben. Für 2026 gelten Übergangsregeln, doch die neue Fristenregelung ist bereits aktiv.

Die digitale Revolution der Finanzämter kommt später als geplant. Die für 2026 vorgesehene Pflicht zu elektronischen Steuerbescheiden wurde kurzfristig ausgesetzt.

Eigentlich sollte ab diesem Januar der digitale Steuerbescheid der neue Regelfall sein. Doch die für alle verbindliche Einführung der „Digital-first“-Pflicht ist überraschend gestoppt worden. Sie wird nun auf den 1. Januar 2027 verschoben. Grund sind technische und organisatorische Hürden in der Steuerverwaltung. Für Bürger und Steuerberater bedeutet das ein zusätzliches Übergangsjahr.

Was gilt im Übergangsjahr 2026?

Das Gesetz zur digitalen Zustellung ist zwar in Kraft, die Anwendungspflicht für die Finanzämter jedoch ausgesetzt. 2026 wird zum Hybridjahr.

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Für die meisten Steuerzahler ändert sich vorerst wenig. Wer bereits der digitalen Zustimmung zugestimmt hat, erhält seine Bescheide weiter über ELSTER. Wer das nicht getan hat, bekommt voraussichtlich noch Post auf Papier. Die Finanzämter werden die digitale Variante aber aktiv bewerben.

Die entscheidende rechtliche Wende ist dennoch bereits vollzogen: Künftig gilt das „Widerspruchsprinzip“. Der Staat geht davon aus, digital zustellen zu dürfen, es sei denn, der Bürger widerspricht aktiv. Dieses formlose Widerspruchsrecht kann jeder ohne Begründung nutzen. Eine entsprechende Funktion in ELSTER wird noch erwartet.

Achtung: Neue Fristenregelung ist aktiv

Eine wichtige Neuerung gilt jedoch schon jetzt und betrifft die Berechnung von Einspruchsfristen. Ein digital übermitteltes Schreiben gilt bereits am vierten Tag nach Bereitstellung im Portal als zugestellt – unabhängig davon, wann es der Empfänger tatsächlich abruft.

Diese „Bekanntgabefiktion“ löst die einmonatige Einspruchsfrist aus. Wer ELSTER nutzt, muss seine Benachrichtigungen und das Postfach daher regelmäßig prüfen, um keine Deadline zu verpassen.

Erleichterung bei Steuerberatern

Die Verschiebung stößt bei Berufsverbänden auf Verständnis. Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) hatte wiederholt vor einem chaotischen Start gewarnt. Die technischen Voraussetzungen für einen reibungslosen, verpflichtenden Umstieg seien noch nicht überall gegeben.

Hintergrund sind auch Herausforderungen im länderübergreifenden Steuer-Softwarenetzwerk KONSENS. Die einwandfreie Funktion des Widerspruchsmechanismus in allen 16 Bundesländern zu gewährleisten, war ein Hauptgrund für die Verschiebung.

Die digitale Zukunft beginnt 2027

Das Ziel bleibt klar: Papierbescheide sollen zur Ausnahme werden. Das Bundesfinanzministerium nutzt das Jahr 2026 als intensive Vorbereitungsphase.

Steuerzahler müssen sich auf eine offensive Werbung der Finanzämter für die digitale Zustellung einstellen. Bis 2027 werden auch die Software-Oberflächen so angepasst, dass der Widerspruch gegen die Digitalzustellung leicht erkennbar ist.

Die Empfehlung für dieses Jahr lautet: ELSTER-Nutzer sollten ihre Kontoeinstellungen prüfen. Wer auf Papier setzt, hat 2026 noch Ruhe, muss aber 2027 aktiv werden, um sein Recht auf den Papierweg zu wahren.

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