Steigende Regulierungsflut macht Steuerexperten zu begehrten Stars
24.01.2026 - 23:37:12Eine Welle neuer Vorschriften und verschärfter Finanzaufsicht treibt die Nachfrage nach Steuer-Compliance-Experten in Deutschland auf Rekordniveau. Unternehmen suchen händeringend nach Spezialisten, die sie durch den Dschungel aus nationalem und internationalem Steuerrecht führen.
Das ifo-Institut bestätigte diese Entwicklung am 21. Januar 2026 mit einem deutlichen Stimmungsaufschwung in der Branche. Die Geschäftserwartungen von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sind zum Jahreswechsel signifikant gestiegen. Der Grund: Ein systemischer Wandel, der Compliance von einer Verwaltungsaufgabe zu einer strategischen Notwendigkeit für das Risikomanagement macht.
EU-Vorgaben und nationale Gesetze befeuern den Bedarf
Ein Haupttreiber ist die EU-Transparenzrichtlinie, die bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Sie verpflichtet Unternehmen, Gehaltsangaben in Stellenausschreibungen zu machen und über geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu berichten. Das schafft einen Berg neuer Compliance-Pflichten.
Gleichzeitig bringt der Entwurf zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes weitere nationale Anpassungen. Zusammen mit EU-Regelwerken wie dem Digital Operational Resilience Act (DORA) entsteht ein perfekter Sturm regulatorischen Drucks. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verschärft zudem die Kontrollen, besonders bei Banken und Marktneulingen – und heizt so den Personalbedarf weiter an.
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Arbeitsmarkt: Spitzenpositionen mit akutem Fachkräftemangel
Der Kampf um Talente ist in vollem Gange. Während der allgemeine Arbeitsmarkt für Finanzprofis etwas abkühlt, bleiben Tax Manager und Compliance Manager die mit Abstand gesuchtesten Positionen. Das belegt der aktuelle Hays Fachkräfte-Index für den Finanzsektor.
Das Angebot kann mit der Nachfrage nicht mithalten. Recruiting-Studien für 2026 bestätigen den anhaltend starken Bedarf an Profis mit tiefem Regelwerk-Verständnis. Stellenanzeigen – wie jüngst vom Konzern Cargill – verlangen Expertise in deutschen Rechnungslegungsgrundsätzen und Steuer-Compliance. Oft ist auch SAP-Kenntnis gefordert, was die Doppelanforderung aus juristischem und technologischem Know-how unterstreicht.
Globale Steuern und digitale Risiken als Dauertreiber
Die Gründe für den Boom sind vielfältig und anhaltend. Die Komplexität des internationalen Steuerrechts wächst stetig. Globale Initiativen wie die Mindestbesteuerung für Großkonzerne (Pillar Two) schaffen aufwändige Compliance-Pflichten, die Spezialisten erfordern.
Im Inland bleibt die Umsatzsteuer eine der größten Risikoquellen für Unternehmen. Finanzbehörden legen bei Prüfungen oft einen Schwerpunkt auf die VAT-Compliance, besonders bei grenzüberschreitenden Transaktionen. Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft verschärft die Lage zusätzlich und erfordert robuste digitale Prozesse.
Vom Buchhalter zum strategischen Berater
Der Wettbewerb um Compliance-Talents markiert einen fundamentalen Wandel. Was einst als Routineaufgabe galt, ist heute ein zentraler Bestandteil der Corporate Governance. Die finanziellen und reputativen Risiken von Verstößen zwingen Vorstände, massiv in interne Compliance-Management-Systeme (CMS) zu investieren.
Die positive Stimmung im Beratersektor ist ein direktes Spiegelbild dieser neuen Realität. Juristische und steuerliche Beratung ist kein Kostenfaktor mehr, sondern ein essenzieller Schutzschild. Damit avanciert der Steuer-Compliance-Experte zum strategischen Berater, der bei Entscheidungen von der Lieferkette bis zur Markterschließung mit am Tisch sitzt.
Ausblick: Anhaltende Nachfrage und neue Skills
Die Hochkonjunktur für Steuerexperten wird voraussichtlich anhalten. Der Fokus im ersten Halbjahr 2026 liegt auf der Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie.
Langfristig wird sich die Rolle weiterentwickeln. Der Einzug von Künstlicher Intelligenz und Datenanalyse in Finanzabteilungen und Steuerverwaltungen erfordert eine neue Generation von Compliance-Experten. Sie müssen sich in Steuercodes ebenso gut auskennen wie in Technologielösungen. Profis, die Spezialwissen etwa in der Verrechnungspreispolitik mit digitalem Steuer-Know-how verbinden, sind künftig klar im Vorteil. Für deutsche Unternehmen geht es nicht mehr nur um die Besetzung von Stellen, sondern um Investitionen in kontinuierliche Weiterbildung und die richtigen Technologietools.
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