Starlink, Nutzerdaten

Starlink nutzt Nutzerdaten für KI-Training – Datenschützer alarmiert

01.02.2026 - 09:10:12

Starlink erlaubt sich per neuer Datenschutzrichtlinie die Nutzung sensibler Nutzerdaten für KI-Entwicklung. Experten sehen darin einen strategischen Schachzug im Wettbewerb um künstliche Intelligenz.

Elon Musks Satelliten-Internet Starlink erlaubt sich per aktualisierter Datenschutzrichtlinie die Nutzung von Kundendaten für das Training künstlicher Intelligenz. Die Änderung trat bereits Mitte Januar in Kraft und betrifft standardmäßig alle der über neun Millionen Nutzer.

Die neue Klausel in der globalen Datenschutzerklärung erlaubt es dem Unternehmen ausdrücklich, Daten „zum Training unserer Maschinenlern- oder KI-Modelle“ zu verwenden. Nutzer müssen aktiv widersprechen, um dies zu verhindern. Die Regelung gilt auch für die Weitergabe an verbundene Unternehmen und Drittpartner – ein Schritt, den Experten als strategischen Schachzug im Wettrennen um die Vorherrschaft in der KI bewerten.

Was genau ändert sich für Nutzer?

Der Wortlaut der Richtlinie ist weit gefasst. Starlink darf demnach Standortdaten, Kontakt- und Kreditkarteninformationen, IP-Adressen sowie sogenannte Kommunikationsdaten nutzen. Letztere können Audio- und Videoinhalte sowie den Inhalt geteilter Dateien umfassen.

Anzeige

Passend zum Thema KI-Regulierung: Seit August 2024 gelten in der EU neue Regeln für KI-Systeme, die zahlreiche Pflichten bringen – von Kennzeichnungspflichten bis zur Risikoklassifizierung. Viele Unternehmen und Anbieter unterschätzen die Dokumentations- und Nachweispflichten, was zu empfindlichen Sanktionen führen kann. Ein kostenloses E‑Book erklärt kompakt, welche Pflichten jetzt gelten und wie Sie Ihr System rechtssicher einordnen und dokumentieren. Jetzt kostenlosen KI-Verordnungs-Leitfaden herunterladen

Ein aktualisierter Hilfeseiteneintrag versucht, die Bedenken etwas zu mildern. Demnach sollen primär technische Leistungsdaten und Kontoinformationen in die KI-Modelle einfließen. Das individuelle Surfverhalten und besuchte Webadressen würden explizit ausgeschlossen. Doch die grundsätzliche Erlaubnis zur Nutzung sensibler Daten bleibt bestehen.

Strategischer Schachzug im KI-Wettrennen

Hinter der Änderung wird ein größerer Plan vermutet. Medien berichten seit Wochen über mögliche Fusionsgespräche zwischen SpaceX und Musks KI-Unternehmen xAI, das für das Sprachmodell Grok verantwortlich ist. Der Zugriff auf den Echtzeit-Datenstrom von Millionen Starlink-Nutzern wäre für xAI ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Die Synergie ist offensichtlich: Starlink liefert den globalen Datenfluss, xAI die Rechenarchitektur zur Verarbeitung. Diese Integration könnte die Entwicklung KI-gestützter Dienste beschleunigen, die direkt über das Satellitennetz bereitgestellt werden. Sie passt zu einer noch größeren Vision: SpaceX plant unter dem Codenamen „Orbital Computing“ den Einsatz von bis zu einer Million Satelliten als orbitale Rechenzentren – potenzielle Plattformen für massive KI-Berechnungen.

Kritik: Opt-out statt Opt-in

Besonders kritisch sehen Datenschützer, dass Starlink auf ein Opt-out-Verfahren setzt. Die Beweislast liegt damit beim Nutzer. Wer seine Daten schützen will, muss sich in sein Konto einloggen, die Profileinstellungen aufrufen und ein Häkchen bei der Datenfreigabe für KI-Training entfernen.

Rechtsexperten kritisieren die unklaren Grenzen der neuen Richtlinie. „Die Formulierungen sind zu vage“, warnt ein Technologierecht-Professor. Die potenzielle Überwachung und unvorhergesehene Nutzung persönlicher Daten stehe im Zentrum der Bedenken. In der Europäischen Union mit ihrer strengen DSGVO dürfte die Änderung auf regulatorischen Widerstand stoßen.

Trend mit Folgen für die Branche

Starlinks Schritt ist Teil eines Branchentrends. Immer mehr Tech-Konzerne nutzen Nutzerdaten, um im KI-Wettlauf die Nase vorn zu haben. Doch Starlinks Rolle als Internet-Provider – eine Art Grundversorger im Weltall – wirft besondere Fragen auf. Nutzer erwarten hier traditionell einen höheren Datenschutzstandard.

Die Timing-Frage ist brisant: Das Update erfolgt, während sich SpaceX angeblich auf einen Börsengang vorbereitet, der das Unternehmen mit über einer Billion Dollar bewerten könnte. Für die Millionen Nutzer ist die Änderung eine deutliche Erinnerung: In der KI-Ära sind sie nicht nur Kunde, sondern auch wertvolle Datenquelle.

Anzeige

PS: Wenn Unternehmen Kundendaten für KI nutzen, entstehen schnell neue Compliance-Pflichten und Fristen, die Sie kennen sollten. Dieses kostenlose Umsetzungs-E‑Book zur EU‑KI‑Verordnung fasst Übergangsfristen, Kennzeichnungspflichten und praktische Handlungsschritte zusammen – ideal für Datenschutzverantwortliche, Entwickler und Entscheider, die rechtssicher handeln wollen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung herunterladen

@ boerse-global.de