Starlink, Kundendaten

Starlink: Kundendaten jetzt automatisch für KI-Training freigegeben

17.01.2026 - 11:44:12

SpaceX erlaubt sich in neuen AGB die Nutzung von Nutzerdaten für KI-Training, setzt aber auf eine Opt-out-Lösung. Datenschützer kritisieren den Schritt und sehen Konflikte mit der DSGVO.

SpaceX hat stillschweigend seine Datenschutzrichtlinie geändert – Nutzer müssen jetzt aktiv widersprechen, wenn ihre Daten nicht für KI-Modelle verwendet werden sollen. Die neue Opt-out-Regelung sorgt für Diskussionen und wirft Fragen zur Vereinbarkeit mit der europäischen DSGVO auf.

Breite Datennutzung mit Einschränkungen

Die aktualisierten Bestimmungen erlauben Starlink, personenbezogene Informationen und Servicedaten zur Verbesserung eigener KI-Systeme und jener von „vertrauenswürdigen Drittpartnern“ zu nutzen. Konkret geht es um Kontodetails und Leistungsmetriken des Dienstes. Eine klare Grenze zieht das Unternehmen jedoch bei besonders sensiblen Daten: Internet-Browserverlauf, individuelle Surfgewohnheiten und präzise Standortdaten werden laut Policy ausdrücklich nicht mit KI-Modellen geteilt.

Diese Differenzierung soll die größten datenschutzrechtlichen Bedenken adressieren, die typischerweise bei Internetdienstanbietern (ISPs) aufkommen. Dennoch bleibt der Schritt brisant. Als Gateway zum gesamten Online-Verkehr stehen ISPs traditionell unter strenger Beobachtung von Datenschützern.

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Stiller Rollout und Verbindung zu Musks KI-Firma

Auffällig ist die unauffällige Einführung. Nutzer entdeckten die Änderung erst spät in dieser Woche in ihren Kontoeinstellungen – eine gezielte Benachrichtigungskampagne scheint es nicht gegeben zu haben. Die Diskussion entbrannte zuerst in sozialen Medien und Tech-Foren.

Die zeitliche Nähe zu anderen strategischen Schritten im Imperium von Elon Musk fällt Analysten sofort auf. Die Daten von Millionen Starlink-Nutzern weltweit könnten wertvolles Futter für xAI sein, Musks KI-Unternehmen hinter dem Chatbot Grok. Dieser ist bereits teilweise in das Starlink-Ökosystem integriert, etwa für den Kundensupport. Der Datentransfer zu „verbundenen Unternehmen“ in Musks Portfolio wirft jedoch Fragen zur unternehmensübergreifenden Datenkontrolle auf.

So können Nutzer widersprechen

Wer nicht teilnehmen möchte, muss aktiv werden. Die Opt-out-Funktion ist nicht in der Hauptoberfläche der mobilen App zu finden, sondern nur im Webportal:
1. Im Kundenportal anmelden.
2. Zum Menü „Einstellungen“ navigieren und „Profil bearbeiten“ wählen.
3. Das neue Kästchen „Persönliche Daten mit vertrauenswürdigen Partnern von Starlink teilen, um KI-Modelle zu trainieren“ deaktivieren.
4. Änderungen speichern.

Datenschutzexperten kritisieren diesen Ansatz. Opt-out-Standards nutzten oft die Trägheit der Nutzer aus und führten zu hohen Teilnahmeraten, einfach weil Kunden von der Änderung nichts wüssten. Zudem ist unklar, ob ein Widerspruch die interne Datennutzung durch SpaceX für eigene operative KI-Modelle vollständig stoppt.

Datenschutz im KI-Zeitalter unter Druck

Starlinks Schritt reiht das Unternehmen in eine wachsende Liste von Tech-Konzernen ein, die ihre Nutzerbasis nutzen, um den datenhungrigen Generativen KI-Modellen Futter zu geben. Er unterstreicht den steigenden Wert proprietärer Daten. Wo öffentliche Webdaten bereits abgegrast und urheberrechtlich umkämpft sind, schürfen Unternehmen zunehmend in ihren eigenen Kundendaten, um Wettbewerbsvorteile in der KI zu schaffen.

Die größten rechtlichen Hürden könnten in Europa warten. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verlangt strenge Einwilligungen. Eine Opt-out-Lösung, bei der Nutzer automatisch teilnehmen, könnte hier vor Gerichten scheitern. Regulierungsbehörden weltweit debattieren bereits, ob Daten für KI-Training eine ausdrückliche Opt-in-Einwilligung der Verbraucher erfordern.

Für Starlink geht es nun darum, das Nutzervertrauen zu managen. Das Versprechen KI-optimierter Dienste und schnellerer Support-Lösungen steht der stillen Implementierung dieser Datennutzung gegenüber. Der weitere Kurs der Branche wird sich auch daran orientieren, wie die globale Starlink-Gemeinde diesen Tauschhandel – Daten gegen besseren Service – annimmt.

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