Staaten bauen KI-Behörden für die digitale Verwaltung
27.12.2025 - 09:51:12Weltweit richten Regierungen neue Behörden ein, um Künstliche Intelligenz in ihre Verwaltungen zu integrieren. Die letzten Tage des Jahres 2025 zeigen einen globalen Wettlauf um digitale Souveränität.
Innerhalb von 48 Stunden kündigten die Türkei und Indonesien wegweisende Initiativen an. Beide Staaten wollen KI nicht länger nur testen, sondern institutionell verankern. Der Fokus liegt auf „souveräner KI“, digitaler Identität und neuen Aufsichtsstrukturen. Damit reagieren Regierungen auf den Druck, Verwaltungsprozesse zu automatisieren und unabhängig von ausländischer Technologie zu werden.
Am Freitag, den 26. Dezember, errichtete die Türkei per Dekret eine neue „Generaldirektion für öffentliche künstliche Intelligenz“. Die Behörde wird der Cybersicherheitsdirektion unter der Präsidentschaft angegliedert. Ihre Aufgabe: den KI-Einsatz in allen Ministerien und staatlichen Stellen zu koordinieren und zu überwachen.
Laut Industrieminister Mehmet Fatih Kacır wurde die „Generaldirektion für Nationale Technologie“ umbenannt und um den KI-Bereich erweitert. Die neu strukturierte Einheit soll Politik für Rechenzentren, Cloud-Computing und Fachkräfteausbildung entwickeln. Ziel ist eine eigene KI-Infrastruktur und ein gemeinsamer Datenraum für den öffentlichen Sektor.
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Indonesien verdoppelt Digital-Investitionen
Gleichzeitig kündigte Indonesien an, seine Investitionen in digitale öffentliche Infrastruktur deutlich zu erhöhen. Konjunkturpakete werden bis 2026 verlängert. Die Regierung in Jakarta erklärte digitale ID und KI zu „Grundpfeilern“ ihrer Modernisierungsstrategie.
Teguh Setyabudi, Generaldirektor für das Einwohnermeldewesen, bestätigte: Man werde die Einführung der digitalen Bürger-ID („Identitas Kependudukan Digital“) forcieren. Bisher haben 17 Millionen Bürger das System genutzt. Künftig soll KI-basierte Verifikation in mehr Bereichen eingesetzt werden – von Sozialhilfe bis zu Finanzdienstleistungen. Das soll Kosten senken und Zielgenauigkeit erhöhen.
China setzt auf Pilotprojekte statt Gesetz
Während einige Länder neue Bürokratien schaffen, verfeinern andere ihre Regulierung. Aus China verlautete am 25. Dezember, dass ein umfassendes KI-Gesetz vorerst von der Agenda 2025 gestrichen wurde. Stattdessen verfolgt Peking einen „gestuften Ansatz“ mit Pilotprojekten, Branchenstandards und gezielten Regeln.
Analysten deuten dies als strategische Flexibilität. Spezielle Sektoren wie Gesundheitswesen oder Smart Cities können so innovieren, ohne von einem starren Rahmengesetz eingeschränkt zu werden. China setzt auf evolutionäre Regulierung, während die Technologie sich entwickelt.
Kasachstan springt in KI-Bereitschaftsindex auf
In Zentralasien festigte Kasachstan seine Position als regionaler Vorreiter. Der „Government AI Readiness Index 2025“ platziert das Land auf Rang 60 weltweit – ein Sprung um 16 Plätze. Besonders stark punkten die Kasachen beim Kriterium „Public Sector Adoption“ (73,59 Punkte).
Das kasachische Ministerium für KI und digitale Entwicklung führt den Erfolg auf ausgereifte E-Government-Plattformen und hohe Internetdurchdringung zurück. Die Strategie des proaktiven digitalen Dialogs mit Bürgern scheint aufzugehen. Kasachstan positioniert sich als GovTech-Hub für die Region.
Westen kämpft mit Deregulierung und Praxis
In den USA und Europa dreht sich die Debatte Ende Dezember um Deregulierung und die harte Realität der Umsetzung vor Ort. Eine Analyse vom 24. Dezember hebt den Push der US-Bundesregierung für einen einheitlichen nationalen KI-Rahmen hervor. Dieser soll inkonsistente Landesgesetze überlagern.
Nach einer jüngsten Exekutivanordnung beschleunigen Bundesbehörden die Einführung von KI-Werkzeugen. Das Gesundheitsministerium (HHS) fragte am 22. Dezember die Industrie, wie KI in der klinischen Versorgung schneller implementiert und Ärzte entlastet werden können.
In Großbritannien stehen Kommunalverwaltungen unter Druck, Effizienzgewinne zu liefern – oft ohne detaillierte Leitlinien der Zentralregierung. Trotzdem schreitet die Adoption auf Graswurzelebene voran. Viele Stadtverwaltungen setzen KI-Assistenten in Bürgerportalen ein, um Routineanfragen zu bearbeiten.
Digitale Identität als kritische Grundlage
Die Betonung der digitalen ID in Indonesien und Kasachstan unterstreicht einen kritischen Trend: KI im öffentlichen Sektor ist zunehmend auf robuste Dateninfrastrukturen angewiesen. Ohne verifizierte digitale Identitäten können die personalisierten, automatisierten Dienstleistungen, die KI verspricht, nicht sicher bereitgestellt werden.
Experten sehen in der Schaffung spezifischer „KI-Direktoraten“ ein Zeichen der Reifung des Sektors. Regierungen behandeln KI nicht länger als Neuheit, sondern integrieren sie in den Kern der Staatsmaschinerie. Getrieben wird dieser Wandel von akutem Verwaltungsstau und dem Wunsch nach souveränen Fähigkeiten.
Ausblick 2026: Skalierung und unsichtbare Dienste
Das Jahr 2026 wird im öffentlichen Sektor zum Jahr der Skalierung. Die experimentelle Phase neigt sich dem Ende zu. Bürger dürften mehr „unsichtbare Regierungsdienste“ erleben. KI-gesteuerte Backend-Systeme werden automatisch Ansprüche auf Leistungen prüfen, Dokumente verlängern oder Steuerbescheide erstellen – ohne manuelle Formulare.
Doch die Kluft in der Bereitschaft bleibt groß. Sie zeigt sich im Index zwischen Spitzenreitern wie Saudi-Arabien (Rang 7) und Nachzüglern. Die Vorteile dieser digitalen Revolution werden ungleich verteilt sein. Der Wettlauf gilt nun nicht nur den Algorithmen, sondern auch der rechtlichen und physischen Infrastruktur, die sie tragen muss.
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