Sozialwirtschaft: Streiks in Österreich abgewendet
27.01.2026 - 13:03:12Ein landesweiter Streik in der österreichischen Sozial- und Pflegebranche ist in letzter Minute abgewendet worden. Nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber auf ein umfassendes Paket für 130.000 Beschäftigte.
Die Einigung kam in der Nacht zum Dienstag, nur Stunden bevor für Mittwoch massive dreitägige Streikmaßnahmen beginnen sollten. Die geplanten Arbeitsniederlegungen in Kindergärten, Pflegeheimen und sozialen Diensten sind damit offiziell vom Tisch. Für tausende Familien und Einrichtungen bedeutet das Entwarnung.
Durchbruch nach Verhandlungsmarathon
Unter enormem Druck rangen die Verhandlungsteams der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) und der Gewerkschaften GPA und vida in der fünften Runde um einen Kompromiss. Nach gescheiterten Gesprächen im Dezember und ersten Warnstreiks hatten die Gewerkschaften ein erweitertes Streikmandat in der Tasche. Die Lage war angespannt wie selten in der Geschichte der österreichischen Sozialpartnerschaft.
„Die Gespräche waren schwierig, aber konstruktiv“, hieß es aus Verhandlungskreisen. Der Durchbruch gelang schließlich mit einem Zwei-Jahres-Paket, das bis Ende 2027 Planungssicherheit geben soll. Die Branche atmet auf – doch die strukturellen Probleme bleiben.
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Das steckt im neuen Kollektivvertrag
Herzstück der Einigung sind die finanziellen Anpassungen für die rund 130.000 Beschäftigten in privaten Gesundheits-, Pflege- und Sozialeinrichtungen. Es handelt sich um einen klassischen Kompromiss zwischen den Forderungen der Gewerkschaften und den budgetären Grenzen der Arbeitgeber.
- Ab April 2026 steigen die kollektivvertraglichen Mindestgehälter, Zulagen und die Lehrlingsentschädigung um 2,6 Prozent. Die Ist-Gehälter erhöhen sich um 2,4 Prozent.
- Ab Januar 2027 folgt eine inflationsabhängige Erhöhung mit einer Garantie von mindestens 2,3 Prozent. Ein „Korridor“ begrenzt die Steigerung auf maximal 2,7 Prozent, um die Kosten für die Arbeitgeber kalkulierbar zu halten.
Die Gewerkschaften waren mit deutlich höheren Forderungen in die Verhandlungen gegangen, verwiesen auf die hohe Arbeitsbelastung und die Inflation. Die Arbeitgeberseite betonte dagegen das „finanzielle Korsett“ durch festgelegte Bundes- und Landesbudgets. Die finale Lösung liegt über dem ursprünglichen Angebot der SWÖ von 2,3 Prozent.
Mehr als Geld: Verbesserte Rahmenbedingungen
Neben den Gehaltsfragen bringt der neue Kollektivvertrag auch qualitative Verbesserungen im sogenannten Rahmenrecht. Diese zielen auf eine bessere Work-Life-Balance und die Anerkennung von Vorleistungen ab.
Konkret bedeutet das:
* Mehr Stunden für Teilzeitkräfte: Ein Anspruch auf Erhöhung der Wochenstunden soll unfreiwillige Teilzeit reduzieren.
* Mehr Unterstützung für Pflegende: Beschäftigte mit Kindern mit Behinderung erhalten einen erweiterten Anspruch auf Pflegefreistellung.
* Anerkennung von Dienstzeiten: Zivil- und Militärdienst werden voll als Vordienstzeiten anerkannt, was sich auf die Gehaltseinstufung auswirkt.
* Angepasste Altersteilzeit: Die Regelungen werden an gesetzliche Neuerungen angepasst.
Branche unter Dauerdruck
Die harten Verhandlungen spiegeln den enormen Druck wider, unter dem Österreichs Sozialwirtschaft steht. Der Sektor ist stark von öffentlicher Finanzierung abhängig und leidet unter chronischem Personalmangel. Die Gewerkschaften argumentierten, dass substanzielle Verbesserungen nötig seien, um den Beruf attraktiv zu halten und eine weitere Abwanderung zu verhindern.
Die zweijährige Laufzeit des Vertrags wird als strategischer Vorteil gewertet. Sie schafft eine „Friedensperiode“ bis Ende 2027, in der sich die Einrichtungen auf strukturelle Herausforderungen konzentrieren können, ohne jährliche Lohnrunden.
Doch die grundlegende Debatte ist damit nicht beendet. Experten weisen darauf hin, dass die Frage der langfristigen Finanzierung des Sozialstaats und der Attraktivität der Pflegeberufe weiter auf der politischen Agenda stehen wird. Die Gewerkschaften kündigten bereits an, sich unabhängig vom Kollektivvertrag für eine bessere öffentliche Finanzierung des Sektors starkzumachen. Für den Moment aber bleiben die Kindergärten und Pflegeheime geöffnet – ein „heißer Frühling“ mit Streiks ist abgewendet.
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