Sozialverbände warnen vor Sparpaket-Folgekosten
17.02.2026 - 16:39:12Führende Sozialorganisationen warnen vor den langfristigen Kosten des geplanten Sparpakets. Caritas, Diakonie, Volkshilfe und die Armutskonferenz sehen einen „sozialen Bumerang“ auf den Staat zukommen.
Einsparungen als „Milchmädchenrechnung“
Auslöser der scharfen Kritik sind Berichte über geplante Einschnitte im Budget 2026. Die Regierung will das Defizit unter die EU-Grenze von drei Prozent drücken. Konkret fürchten die Verbände den Wegfall des Klimabonus und Verschärfungen bei der Sozialhilfe.
Die Organisationen argumentieren mit einer simplen Rechnung: Wer heute bei der Existenzsicherung spare, zahle morgen drauf. „Das ist eine Milchmädchenrechnung“, so Experten der Diakonie. Schlechte Ernährung durch Armut treibe Gesundheitskosten. Fehlende Perspektiven für Jugendliche erhöhten Ausgaben für Sicherheit und Justiz.
Besonders betroffen wären Kinder und Menschen mit Behinderungen. Jeder gesparte Euro in der Armutsbekämpfung müsse später mehrfach für die Behebung von Bildungs- und Gesundheitsdefiziten aufgewendet werden.
Fiskalrat drängt auf strukturelle Reformen
Der Hintergrund ist eine klare Haushaltslage. Der Fiskalrat sieht ohne weitere Maßnahmen ein Defizit deutlich über der 3-Prozent-Marke. Mehrere Milliarden Euro fehlen mittelfristig, um ein EU-Verfahren abzuwenden.
Fiskalrats-Chef Christoph Badelt mahnt: Nach den Wahljahren sei nun „Budgetwahrheit“ angesagt. Sein Gremium identifiziert Effizienzpotenzial im Förderwesen und Föderalismus.
Die Sozialverbände erkennen die Notwendigkeit solider Finanzen an. Ihre Lösung lautet aber: Statt Ausgaben zu kürzen, sollten Vermögen und hohe Erbschaften stärker besteuert werden.
Wo konkret gespart werden soll
Die Kritik entzündet sich an mehreren Punkten:
* Klimabonus: Sein Auslaufen beseitigt einen wichtigen Inflationspuffer für einkommensschwache Haushalte.
* Arbeitsmarkt: Kürzungen bei Wiedereingliederungsmaßnahmen könnten Menschen dauerhaft in die Mindestsicherung drängen.
* Absolute Armut: Die Caritas warnt vor steigender Obdachlosigkeit und überlasteten Notschlafstellen.
Werden Arbeitsmarktprogramme und Wiedereingliederungsmaßnahmen gekürzt, drohen oft betriebsbedingte Kündigungen und soziale Härten für Beschäftigte. Betriebsräte und Arbeitnehmervertreter sollten sich jetzt wappnen – ein kostenloser Leitfaden erklärt, wie man faire Sozialpläne und Interessenausgleiche durchsetzt, inklusive Muster-Punkteschema und Verhandlungstipps. Jetzt kostenlosen Sozialplan-Leitfaden herunterladen
„Kürzungen auf dem Rücken der Ärmsten gefährden den sozialen Zusammenhalt“, warnt Caritas-Generalsekretärin Anna Parr.
Die politische Gratwanderung der Regierung
Für Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) wird es eng. Einerseits drängen EU und Fiskalrat. Andererseits hat sich die Koalition dem sozialen Ausgleich verschrieben.
Marterbauer betont, die Sanierungslast „so gerecht wie möglich“ verteilen zu wollen. Die Reaktionen zeigen: Diese Balance ist noch nicht gefunden. Die Diskussion über „gerechtes Sparen“ ist damit voll entbrannt – und dürfte die finalen Budgetbeschlüsse im Frühjahr noch einmal aufheizen.
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