Sonntagsöffnung, KMU

Sonntagsöffnung: KMU fordern Rechtssicherheit im Kampf gegen Online-Handel

25.01.2026 - 03:45:12

Der stationäre Handel fordert mehr Flexibilität bei verkaufsoffenen Sonntagen, während Gewerkschaften und Kirchen den Schutz des Ruhetags verteidigen. Die Debatte wird durch automatisierte Läden zusätzlich angeheizt.

Während heute in Berlin die Geschäfte öffnen, tobt der Streit um die Zukunft des Sonntagsverkaufs. Für den stationären Handel ist er überlebenswichtig, doch Gewerkschaften und Kirchen klagen dagegen – und schaffen massive Planungsunsicherheit.

Für viele inhabergeführte Läden sind verkaufsoffene Sonntage eine wirtschaftliche Notwendigkeit. An Tagen wie diesem 25. Januar, anlässlich der Grünen Woche in Berlin, steigern sie Umsatz und Kundenfrequenz spürbar. Der stationäre Handel schafft hier Erlebnisse, die reine Online-Anbieter nicht bieten können. Er zieht Besucher in die Innenstädte – ein wichtiger Impuls auch für Gastronomie und Kultur. Angesichts des ungebremsten E-Commerce-Wachstums sehen viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Sonntagsöffnung eine der letzten Chancen, ihre Position zu verteidigen.

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Wirtschaft fordert Ende des „Anlass-Zwangs“

Wirtschaftsverbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) drängen auf eine grundlegende Liberalisierung. Sie fordern die Abschaffung des sogenannten Anlassbezugs. Dieser schreibt vor, dass Sonntagsöffnungen an ein Stadtfest oder eine Messe gekoppelt sein müssen. Stattdessen sollten Kommunen und Händler flexibel entscheiden können, wann eine Öffnung sinnvoll ist.

Es gehe nicht um pauschale Sonntagsöffnung, betonen die Befürworter, sondern um mehr unternehmerische Freiheit und vor allem: Rechtssicherheit. Die aktuellen, von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Regeln führen immer wieder zu kurzfristigen Absagen nach Klagen. Diese Planungsunsicherheit belastet KMU, die auf die Zusatzeinnahmen angewiesen sind. Als zentrales Prinzip gilt die Freiwilligkeit – für Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen.

Bayern: Verfassungsklage gegen „Smart Stores“

Der Widerstand formiert sich jedoch massiv. Gewerkschaften wie ver.di und kirchliche Organisationen verteidigen den Sonntag als schützenswertes Kulturgut und Tag der Ruhe. Sie argumentieren, eine Ausweitung der Öffnungszeiten gehe zu Lasten der Beschäftigten, ohne den Gesamtumsatz nachhaltig zu steigern.

Die Schärfe des Konflikts zeigt ein aktueller Fall in Bayern. Die dortige „Sonntagsallianz“ aus Kirchen und Gewerkschaften hat eine Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht. Ziel ist das im Sommer 2025 geänderte Ladenschlussgesetz. Ein zentraler Streitpunkt: Die neue Regelung erlaubt personallosen Kleinstsupermärkten den Sonntagsbetrieb. Die Kläger befürchten eine Aushöhlung des Sonntagsschutzes und eine schleichende Zunahme der Sonntagsarbeit. Die bayerische Landesregierung hält das Gesetz für verfassungskonform.

Automaten-Läden als Zankapfel der Zukunft

Die Debatte um automatisierte Verkaufsstellen könnte den Konflikt grundlegend verändern. Neben Bayern diskutiert auch Baden-Württemberg Gesetze für „Smart Stores“ an Sonn- und Feiertagen. Befürworter sehen darin einen modernen Kompromiss: mehr Flexibilität für Kunden, ohne dass Verkaufspersonal arbeiten muss.

Kritiker bezweifeln, dass diese Läden wirklich ohne menschliche Arbeit auskommen. Auch hier fielen Tätigkeiten wie Auffüllen, Reinigen oder Sicherheitsdienste an – was den Grundsatz der Sonntagsruhe untergrabe. Die Digitalisierung stellt das traditionelle Ladenschlussrecht somit vor völlig neue Herausforderungen.

Tradition vs. Transformation: Ein gesellschaftlicher Grundkonflikt

Hinter der Debatte steckt ein tiefer gesellschaftlicher Riss. Auf der einen Seite der Überlebenskampf des stationären Handel in einer digitalen Welt. Auf der anderen der verfassungsrechtlich geschützte Sonntag und die Sorge um die Work-Life-Balance der Beschäftigten.

Die Bundesländer suchen mit unterschiedlichen Modellen – von Shopping-Nächten bis zu Automaten-Läden – eigene Antworten. Das Ergebnis ist ein regulatorischer Flickenteppich, der die Unsicherheit für Unternehmen weiter vergrößert.

Die Zukunft bleibt ungewiss. Das bayerische Verfassungsgerichtsverfahren, dessen Entscheidung bis zu zwei Jahre dauern kann, wird bundesweit aufmerksam verfolgt. Sein Ausgang könnte richtungsweisend sein. Parallel setzt die technologische Entwicklung den Gesetzgeber weiter unter Druck. Für die KMU im Einzelhandel bleibt die Lage eine Zerreißprobe zwischen Wettbewerbsfähigkeit und dem Schutz sozialer Werte.

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