Solarpflicht in NRW: Brandschutz wird zur größten Hürde für Gewerbedächer
03.01.2026 - 23:30:12Ab dem 1. Januar 2026 müssen auch bestehende Gewerbegebäude in Nordrhein-Westfalen bei einer Dachsanierung eine Photovoltaik-Anlage installieren. Doch die neue Solarpflicht trifft auf verschärfte Brandschutzvorgaben und versicherungstechnische Auflagen, die viele Unternehmen vor unerwartete Herausforderungen stellen.
Die erweiterte Solarpflicht markiert eine Zäsur für den gewerblichen Immobiliensektor. Während die Pflicht zuvor nur für Neubauten galt, müssen nun auch ältere Industrie- und Gewerbehallen bei einer kompletten Erneuerung der Dachhaut mit PV-Modulen ausgestattet werden. Diese älteren Gebäude sind jedoch häufig nicht für moderne Brandschutzstandards ausgelegt.
Die Behörden konzentrieren sich nun verstärkt auf die „Systemintegrität“ im Brandfall. Die Nachrüstung von Solaranlagen auf gewerblichen Dächern birgt spezifische Risiken, insbesondere durch Gleichstrom-Lichtbogenfehler und die Behinderung von Löscharbeiten. Lokale Bauämter prüfen die Einstufung als „harte Bedachung“ strenger. Viele Unternehmen müssen daher oft das gesamte Dach auf nicht brennbare Standards nachrüsten, bevor überhaupt ein Modul montiert werden kann.
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Aktualisierte VDE-Normen setzen den Maßstab
Zentral für die Anforderungen 2026 ist die strikte Einhaltung der DIN VDE 0100-712. Diese Norm für PV-Stromversorgungssysteme ist für die Versicherungsfreigabe praktisch unverhandelbar geworden.
Zu den technischen Schlüsselanforderungen gehören:
* DC-Entkopplung: Feuerwehrleute müssen die Gleichspannung nahe den Modulen abschalten können. Fernbediente Feuerwehrschalter oder Mikro-Wechselrichter-Architekturen werden zum Standard.
* Kabelverlegung und Brandwände: Gleichstromkabel dürfen Brandwände nicht überbrücken. Durchführungen müssen mit zertifizierten Brandschutzsystemen abgedichtet werden.
* Wartungsgänge: Auf Gewerbedächern sind jetzt klare Zugangswege von 0,5 bis 1 Meter Breite um Modulfelder und Rauchabzugsanlagen vorgeschrieben.
Experten weisen darauf hin, dass der „Bestandsschutz“ für alte elektrische Infrastruktur endet, sobald eine leistungsstarke Solaranlage hinzukommt. Der Anschluss erfordert häufig eine komplette Überholung der Hauptverteilung.
Versicherer verschärfen die Bedingungen für Genehmigungen
Der unmittelbarste Druck auf Gewerbebetriebe kommt oft nicht vom Staat, sondern von den Gebäudeversicherern. Die Branche hat ihre Risikobewertungsprotokolle für 2026 angepasst.
„Standard“-Versicherungsschutz gilt oft nicht mehr automatisch für gewerbliche Gebäude mit großflächiger PV-Nachrüstung. Versicherer verlangen zunehmend eine VdS-anerkannte Sachverständigenprüfung vor der Inbetriebnahme. Diese Prüfungen verifizieren sowohl die elektrische Sicherheit als auch die baulichen Brandschutzmaßnahmen.
Ein kritischer Streitpunkt ist die Verwendung brennbarer Dämmmaterialien. Wird eine PV-Anlage auf einem Dach mit alter Polystyrol-Dämmung installiert, können Versicherer den Einbau nicht brennbarer Trennschichten oder sogar einen Komplettaustausch der Dämmung verlangen. Nichteinhaltung kann zu erheblichen Prämienerhöhungen oder zum Ausschluss von Feuerschäden führen.
Auch für Unternehmen mit großen Parkplätzen werden die neuen Brandschutznormen für Solar-Carports relevant. Diese Konstruktionen unterliegen strengeren Auflagen bezüglich ihres Abstands zu Hauptgebäuden und der Brennbarkeit ihrer Tragstruktur.
Wirtschaftliche Folgen für die Betriebe
Das Zusammentreffen von Solarpflicht und verschärften Brandschutzregeln schafft eine komplexe wirtschaftliche Gleichung. Während die Modulkosten stabil sind, steigen die „Balance-of-System“-Kosten für Brandschutz-Updates.
Gebäudemanagern wird geraten, Brandschutzsachverständige bereits zu Beginn der Sanierungsplanung einzubinden. Ein späterer Einbezug kann teure Nachplanungen oder die Ablehnung der Anlage durch die Bauaufsicht zur Folge haben.
Der Markt verzeichnet zudem eine steigende Nachfrage nach „Glas-Glas“-Modulen. Diese bieten bessere Brandwiderstandseigenschaften als herkömmliche Module mit Folienrückseite und erleichtern oft die Versicherungsfreigabe.
Ausblick: NRW könnte zum Vorbild für andere Bundesländer werden
Branchenbeobachter erwarten, dass andere Bundesländer die Umsetzung in Nordrhein-Westfalen genau verfolgen werden. Die strikte Durchsetzung der Brandschutzregeln in NRW könnte einen de-facto-Bundesstandard für gewerbliche PV-Nachrüstungen setzen.
Der Fokus wird sich 2026 voraussichtlich auf standardisierte digitale Dokumentation für die Feuerwehr verlagern. Pilotprojekte testen bereits digitale „Gebäude-Zwillinge“, die Einsatzkräften sofort die Lage von DC-Leitungen und Abschaltern anzeigen. Für Gewerbedach-Besitzer ist die Botschaft klar: Die Einhaltung des Brandschutzes ist keine technische Nebensache mehr – sie ist die Betriebserlaubnis für die erneuerbare Zukunft.
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