Söder fordert längere Arbeitszeiten – Kritiker warnen vor 13-Stunden-Tagen
09.01.2026 - 21:22:12Die Debatte um die Arbeitszeit in Deutschland erreicht einen neuen Höhepunkt. CSU-Chef Markus Söder fordert eine Stunde mehr Arbeit pro Woche. Doch im Hintergrund plant die Ampel-Koalition eine noch weitreichendere Reform des Arbeitszeitgesetzes.
„Agenda 2.0“ für mehr Leistung
Auslöser der hitzigen Debatte ist ein Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. In dieser Woche forderte er eine generelle Erhöhung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde – von 40 auf 41 Stunden. Sein Argument: Das deutsche Geschäftsmodell mit billiger Energie und Sicherheit sei dahin. Die schrumpfende Bevölkerung müsse die Arbeit auf weniger Schultern verteilen, also müsse jeder Einzelne mehr leisten.
Söder spricht von einer notwendigen „Agenda 2030“ oder „Agenda 2.0“, in Anlehnung an die Hartz-Reformen. Arbeitgeberverbände wie die BDA begrüßen den Impuls. Sie argumentieren, der Wohlstand in einer alternden Gesellschaft sei nur mit einem höheren Arbeitsvolumen zu halten.
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Die stille Revolution: Tages- wird Wochenhöchstgrenze
Während Söders Stunde die Schlagzeilen beherrscht, bereitet die Koalition eine tiefgreifendere Reform vor. Geplant ist, die starre Tageshöchstarbeitszeit durch eine Wochenhöchstgrenze zu ersetzen. Bisher sind acht, in Ausnahmen zehn Stunden pro Tag erlaubt. Künftig soll nur noch eine wöchentliche Obergrenze von beispielsweise 48 Stunden gelten.
Diese technische Änderung hat explosive Kraft. Kritiker wie das Hugo-Sinzheimer-Institut warnen: Fällt die tägliche Grenze, könnten Schichten legal auf bis zu 13 Stunden ausgedehnt werden. Grund ist die elfstündige Ruhezeit zwischen den Schichten. Theoretisch blieben so 13 Stunden für die Arbeit (24 minus 11).
Befürworter der Flexibilisierung sehen darin eine Anpassung an die moderne Arbeitswelt. Mitarbeiter könnten länger arbeiten, um dann einen freien Tag zu nehmen. Gegner wittern jedoch eine Hintertür zur Abschaffung des Achtstundentags.
Sturm der Entrüstung: „Angriff auf soziale Grundfesten“
Auf massiven Widerstand stößt der Vorstoß bei Gewerkschaften und sogar in den eigenen Reihen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt längere Arbeitszeiten strikt ab. Die Arbeitsintensität sei bereits jetzt kritisch, mehr Stunden erhöhten Unfall- und Gesundheitsrisiken.
Scharfe Kritik kommt auch aus der CDU. Dennis Radtke, Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), wies Söders Aussagen zurück. Wer Schicht oder körperlich hart arbeite, verdiene Respekt, nicht Belehrungen über Fleiß. Die Erzählung vom „faulen Deutschen“ sei ein Mythos, die deutsche Produktivität international hoch.
Im Fokus der Kritik stehen die Gesundheitsfolgen. Arbeitsschutzexperten verweisen auf Analysen: Das Fehler- und Unfallrisiko steigt nach der achten Stunde überproportional. 12- oder 13-Stunden-Schichten, selbst nur gelegentlich, gefährdeten Jahrzehnte des Arbeitsschutzes.
Wirtschaftsdruck gegen Work-Life-Balance
Die Debatte kommt nicht von ungefähr. Deutschland steuert 2026 auf ein zweites schwaches Wachstumsjahr in Folge zu. Der Druck, strukturelle Lösungen zu finden, wächst. Zwei Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber:
* Das „Mehr-Arbeit“-Lager verweist auf die im OECD-Vergleich niedrige Gesamtzahl an Arbeitsstunden, bedingt durch eine hohe Teilzeitquote.
* Das „Bessere-Arbeit“-Lager fordert Flexibilität und Attraktivität, um Fachkräfte zu gewinnen. Studien zeigten, dass verkürzte Wochen die Produktivität sogar steigern können.
Während Söder mehr Stunden fordert, setzen Konzerne wie Bosch bereits auf flexible Modelle. Die junge Generation verlange eine echte Balance zwischen Beruf und Privatleben.
Was kommt auf Arbeitgeber und Beschäftigte zu?
Die Kontroverse wird die Agenda im ersten Halbjahr 2026 prägen. Der konkrete Gesetzentwurf zur Arbeitszeitreform wird noch in diesem Jahr erwartet. Die entscheidende Frage: Wird die Regierung eine „Sicherheitsobergrenze“ einführen, um den 13‑Stunden‑Tag zu verhindern? Oder setzt sie die wöchentliche Berechnung nach EU‑Mindestvorgaben rigoros um?
Für Unternehmen bedeutet dies Unsicherheit, aber auch die Chance, Schichtmodelle neu zu gestalten. Für Beschäftigte geht es um die Grundfrage: Führt die versprochene Flexibilität des „New Work“ zu mehr Selbstbestimmung – oder einfach nur zu längeren Tagen?
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