Smarte Schutzausrüstung: 2026 bringt strenge Cybersicherheits-Pflichten
03.01.2026 - 06:39:12Smarte Schutzhelme und Warnwesten müssen ab sofort digitale und physische Sicherheit vereinen. Neue EU-Regeln für Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz treten 2026 in Kraft und verändern den Markt für intelligente PSA grundlegend. Hersteller und Anwender stehen vor einer doppelten Zertifizierungshürde.
Die größte Neuerung ist das Ende der getrennten Betrachtung. Bisher konnten textile Komponenten und Elektronik oft isoliert geprüft werden. Jetzt fordern europäische Normungsgremien und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung eine integrierte „Hybride Zertifizierung“. Dabei muss nachgewiesen werden, dass die eingebaute Technik die Schutzwirkung nicht beeinträchtigt – etwa durch Akku-Hitze in Kleidung oder Störungen bei elektronischem Gehörschutz. Prüfstellen müssen nun Kompetenzen aus der PSA-, Funkanlagen- und Cybersicherheits-Verordnung bündeln.
Cyber Resilience Act setzt Hersteller unter Druck
Der massive Treiber ist der EU Cyber Resilience Act (CRA). Ab September 2026 greifen erste Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken. Für Hersteller bedeutet das: Sie müssen bereits jetzt Prozesse für „Security by Design“ nachweisen. Smarte PSA, die Gesundheits- oder Umgebungsdaten sendet, fällt voll unter diese Regulierung. Die CE-Kennzeichnung gibt es künftig nur noch, wenn der Hersteller Sicherheitsupdates über den gesamten Lebenszyklus garantiert. Viele kleinere Anbieter haben die Komplexität dieser IT-Anforderungen unterschätzt.
KI in der PSA: Strenge Frist ab August
Ein weiterer Meilenstein ist der EU AI Act. Wearables mit KI-Algorithmen – zur Sturzerkennung oder Vitaldaten-Überwachung – können als Hochrisiko-Systeme eingestuft werden. Für sie gelten ab dem 2. August 2026 strenge Compliance-Pflichten. Die Zertifizierungsstandards werden gerade angepasst, um Transparenz und Robustheit der Algorithmen prüfbar zu machen. Hersteller nutzen die ersten Monate des Jahres, um ihre KI durch unabhängige Stellen validieren zu lassen.
Der EU‑AI Act stellt KI‑gestützte Wearables (z. B. Sturzerkennung oder Vitaldaten‑Analyse in Schutzhelmen und Warnwesten) ab August 2026 unter strenge Pflichten. Hersteller müssen jetzt Risikoklassifizierung, Dokumentation, Transparenz und Validierung durch unabhängige Stellen nachweisen – sonst drohen Marktbeschränkungen. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden zur KI‑Verordnung erklärt verständlich, welche Anforderungen gelten, wie Sie Ihr Produkt korrekt klassifizieren und welche Nachweise Prüfer erwarten. Ideal für Hersteller, Sicherheitsbeauftragte und Compliance‑Teams, die smarte PSA auf den Markt bringen wollen. Jetzt kostenlosen KI‑Umsetzungsleitfaden herunterladen
Normung setzt auf „Smart Standards“
Um der Flut an neuen Regeln Herr zu werden, setzt die Normung selbst auf Digitalisierung. Unter dem Stichwort „Smart Standards“ treiben DIN und DKE maschinenlesbare Normen voran. Ein wichtiger Termin ist der 27. Januar 2026: Dann befasst sich ein DKE-Normungsstammtisch explizit mit der Gestaltung von Normen für smarte Produkte. Ziel ist, den Zertifizierungsprozess zu beschleunigen. Das ist dringend nötig, denn Übergangsfristen für wichtige PSA-Normen enden im November 2026.
Was Unternehmen jetzt prüfen müssen
Für Sicherheitsbeauftragte und Einkäufer bedeutet dies eine Anpassung der Beschaffung. Bei der Auswahl von PSA für 2026 muss explizit auf Konformität mit den neuen Cyber- und KI-Standards geachtet werden. Drei Schritte sind jetzt entscheidend:
* Bestandsaufnahme: Welche eingesetzten Wearables fallen unter CRA oder AI Act?
* Lieferantenfragen: Garantiert der Hersteller Updates für die geplante Nutzungsdauer?
* Zertifikats-Check: Basieren Konformitätserklärungen auf den neuesten Normen?
Das Jahr 2026 wird die Spreu vom Weizen trennen. Nur Hersteller, die den Spagat zwischen physischem Schutz und digitaler Sicherheit meistern, werden ihre smarten Innovationen am Markt behaupten können.


