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Smart Glasses: Innovation trifft auf rechtliches Minenfeld

07.01.2026 - 17:13:12

Neue Smart Glasses auf der CES 2026 begeistern, doch ihr Einsatz im Unternehmen birgt erhebliche arbeits- und datenschutzrechtliche Hürden. Experten warnen vor einem regulatorischen Minenfeld.

Auf der CES 2026 begeistern neue Datenbrillen – doch ihr Einsatz wird zum juristischen Albtraum für Unternehmen. Die EU setzt auf Datensouveränität.

Während auf der Technikmesse CES in Las Vegas schicke Smart Glasses mit KI-Kameras präsentiert werden, wachsen die rechtlichen Risiken. Für Unternehmen wird der Einsatz der Überwachungstechnik zur Gratwanderung zwischen Effizienz und Arbeitsrecht. 2026 wird zum Schicksalsjahr für die Regulierung tragbarer Kameras.

Versteckte Gefahren am Arbeitsplatz

Die Hardware entwickelt sich rasant, das Recht hinkt hinterher. Eine aktuelle Analyse der Anwaltskanzlei Jackson Lewis warnt: KI-Brillen am Arbeitsplatz sind ein „rechtsstaatliches Minenfeld“. Die ständige Aufzeichnung von Video und Audio kollidiert fundamental mit geltendem Arbeitsrecht.

Besonders heikel: In den USA hat das National Labor Relations Board (NLRB) Arbeitnehmern das Recht zugestanden, sich ohne Überwachungsangst abzusprechen. Der flächendeckende Einsatz von Aufzeichnungsgeräten könnte dieses Recht aushebeln. Unternehmen, die etwa Servicetechniker oder Lagerarbeiter mit den Brillen ausstatten wollen, müssen zudem mit Gewerkschaften verhandeln. Wer diese Hürden ignoriert, riskiert teure Klagen.

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Datensouveränität wird zum Verkaufsargument

Unter dem Druck der EU-Regulierung wird Compliance zum Produktfeature. Ein Beispiel: Der Hersteller Solos kündigte heute eine Partnerschaft mit der Deutsche Telekom an. Die neuen AirGo V2-Brillen sollen über eine „konforme Infrastruktur“ verfügen, die strenge Datenschutzvorgaben einhält.

Der Deal zeigt den Trend für 2026: Die Trennung von Consumer-Spaß und Enterprise-Sicherheit. Durch die Nutzung der Telekom-Cloud soll verhindert werden, dass Daten in unsichere Drittländer abfließen. Diese „Compliance-first“-Architektur wird wohl zur Eintrittskarte für den europäischen Firmenmarkt, wo die DSGVO hohe Hürden setzt.

Lieferengpässe bremsen die Verbreitung

Trotz aller rechtlichen Bedenken ist die Nachfrage größer als das Angebot. Meta gab heute bekannt, die internationale Expansion seiner Ray-Ban Display Brillen wegen Lieferengpässen zu pausieren. Die Wartelisten reichen bis weit ins Jahr 2026 hinein.

Diese Verknappung hat zwei Seiten: Sie gibt Regulierern mehr Zeit, die Folgen der Allgegenwart von Kameras zu prüfen. Gleichzeitig könnten Hersteller unter Druck geraten, Produkte ohne ausreichende Privatsphären-Checks auf den Markt zu werfen. Die Verzögerung bei Meta betrifft auch Frankreich und Italien – was EU-Behörden ein Zeitfenster gibt, die Anwendung des KI-Gesetzes auf solche Geräte zu klären.

Das regulatorische Erbe von 2025

Die Debatte auf der CES steht im Schatten der Gesetzeskämpfe des Vorjahres. In Kalifornien scheiterte zwar ein Gesetz zur Beschränkung der Arbeitnehmerüberwachung (Assembly Bill 1331) am Veto des Gouverneurs. Doch der Versuch signalisierte den politischen Willen zur Regulierung.

Maßgeblich bleibt der California Consumer Privacy Act (CCPA), der die Erhebung biometrischer Daten – auch durch Smart Glasses – regelt. Für Unternehmen bedeutet das: Es gibt kein spezielles „Smart-Glasses-Gesetz“. Stattdessen gilt ein Flickenteppich aus Datenschutz-, Abhör- und Arbeitsrecht, der von Bundesstaat zu Bundesstaat variiert.

Ausblick: Die Märkte spalten sich

Für 2026 zeichnet sich eine Spaltung des Marktes ab: Consumer-Geräte wie Lenovos neues KI-Brillen-Konzept werden weiter auf schickes Design und KI-Features setzen. Enterprise-Lösungen dagegen werben mit „regulatorischer Sicherheit“: lokaler Datenverarbeitung, automatischer Gesichtsverschleierung und lückenlosen Protokollen.

Rechtsexperten erwarten, dass das NLRB noch in diesem Jahr konkrete Leitlinien für tragbare Überwachungstechnik vorlegen könnte. Für Unternehmen ist die Botschaft klar: Die Hardware ist bereit für den Masseneinsatz, die rechtliche Infrastruktur dafür nicht. Erfolg hängt von der engen Zusammenarbeit zwischen IT, Rechtsabteilung und Personalwesen ab. Sonst wird die Effizienzsteigerung teuer erkauft.

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