SIGNA Bravo und MartKraft insolvent: Bauwirtschaft stürzt weiter ab
29.11.2025 - 10:49:12Zwei prominente Pleiten binnen 48 Stunden: Die SIGNA Bravo GmbH & Co KG und die Wiener MartKraft Bau- und Althaussanierungs Ges.m.b.H. haben Insolvenz angemeldet. Die österreichische Baubranche steckt Ende November 2025 tief in der Krise – während erste Marktdaten eine Stabilisierung der Immobilienpreise zeigen, stürzen weiterhin Unternehmen reihenweise ab.
Für viele Betriebe kommt die Erholung schlicht zu spät. Die Kalkulationen stammen aus Zeiten niedriger Zinsen, die Fertigstellung verschlingt heute jedoch deutlich mehr Kapital. Das Ergebnis? Täglich melden durchschnittlich 18 bis 19 Unternehmen in Österreich Insolvenz an.
Am Donnerstag, den 28. November, meldete der KSV1870 den Ausfall der SIGNA Bravo GmbH & Co KG. Ein weiterer Schlag für das angeschlagene Signa-Konglomerat, dessen Milliarden-Pleiten noch immer nachwirken. Gläubiger und Investoren bleiben weiter verunsichert.
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Einen Tag zuvor traf es die Wiener MartKraft Bau- und Althaussanierungs Ges.m.b.H. (1030 Wien). Das Handelsgericht Wien eröffnete das Konkursverfahren. In Niederösterreich erwischte es am 26. November die Zendeli Bau e.U. aus Wilhelmsburg.
Auch Traditionsbetriebe bleiben nicht verschont: Die Schober Holzbau GmbH aus Friedburg (Oberösterreich) musste am 24. November mit Passiva von rund 2 Millionen Euro Insolvenz anmelden. 28 Mitarbeiter sind betroffen. Laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) drücken vor allem Altlasten aus der Pandemie und explodierende Materialkosten.
KSV1870: Bis zu 7.000 Pleiten bis Jahresende
Der Kreditschutzverband von 1870 verzeichnet Rekordwerte. Nach einem Anstieg der Unternehmenspleiten um 6 Prozent im ersten Halbjahr 2025 steuert Österreich auf 6.500 bis 7.000 Insolvenzen bis Jahresende zu. Die Bauwirtschaft bleibt neben Handel und Gastronomie das größte Sorgenkind.
Anders als in Vorjahren trifft es 2025 verstärkt operativ tätige Unternehmen mit substanziellem Vermögen. Sie scheitern an der Liquidität. Die Hauptursachen:
- Gestiegene Finanzierungskosten: Variable Kredite fressen Margen auf
- Hohe Lohnkosten: KV-Abschlüsse der letzten zwei Jahre belasten massiv
- Auftragsrückgang: Privater Wohnbau bricht ein, Finanzierung für Käufer schwierig
Das Markt-Paradoxon: Preise steigen, Firmen fallen
Während Bauträger reihenweise zusammenbrechen, stabilisiert sich der Immobilienmarkt. Raiffeisen Immobilien und Infina prognostizieren für 2025 einen bundesweiten Preisanstieg von etwa 0,5 Prozent. Wien und Tirol führen die Erholung an.
Warum dann die Pleitewelle? Der Grund ist der Time-Lag. Viele Projekte wurden zu Zeiten niedriger Zinsen und stabiler Baukosten kalkuliert. Die Fertigstellung kostet heute deutlich mehr, während Verkaufserlöse stagnieren oder Käufer ausbleiben. Unternehmen, die 2023 und 2024 von Rücklagen zehrten, ist nun die Liquidität ausgegangen.
Die Markterholung kommt zu spät.
Domino-Effekt bedroht Baunebengewerbe
Eine Bauträger-Insolvenz zieht Kreise. Fällt ein Generalunternehmer wie MartKraft oder ein Projektentwickler wie Signa Bravo aus, bleiben Subunternehmer – Elektriker, Fliesenleger, Installateure – auf ihren Forderungen sitzen.
Branchenkenner warnen vor der Kettenreaktion: “Die Margen im Bau sind traditionell dünn. Fällt eine große Zahlung aus, kippt das nächste Unternehmen.” Dies erklärt die hohe Dichte an Insolvenzen bei kleineren Handwerksbetrieben wie der J. Pfeffer Bau GmbH (Insolvenzeröffnung am 25. November) oder der Zendeli Bau e.U.
Der Markt bereinigt sich brutal. Nur Betriebe mit hohen Eigenkapitalreserven oder Nischenbesetzung überleben den Verdrängungswettbewerb.
2026: Licht am Ende des Tunnels?
Analysten erwarten für 2026 eine spürbare Belebung. Die Zinssenkungen der EZB dürften voll auf die Baufinanzierung durchschlagen und die Nachfrage nach Neubauten ankurbeln. Prognosen gehen von einem Preisanstieg um etwa 3 Prozent pro Jahr aus.
Für Bauträger, die 2025 überleben, winken bessere Zeiten. Kurzfristig bleibt die Lage jedoch kritisch: Bis zum Jahreswechsel ist mit weiteren Insolvenzmeldungen zu rechnen. Viele Unternehmen müssen ihre Bilanzen bereinigen, Banken bewerten vor dem Jahresabschluss ihre Risikopositionen neu.
Die österreichische Bauwirtschaft durchlebt einen schmerzhaften Transformationsprozess – und das Ende ist noch nicht absehbar.
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