Sifa-Ausbildung öffnet sich für Psychologen und Biologen
12.01.2026 - 07:30:12Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) wird interdisziplinär: Ab sofort können auch Psychologen und Biologen die Qualifikation erwerben. Diese historische Öffnung soll den Arbeitsschutz an moderne Risiken anpassen.
Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung haben die Zugangsvoraussetzungen zur Sifa-Ausbildung grundlegend reformiert. Basis ist die überarbeitete DGUV Vorschrift 2, die seit dem 1. Januar 2026 gilt. Künftig reicht für die Zulassung nicht mehr nur ein ingenieur- oder techniknaher Hintergrund. Master-Absolventen der Psychologie, Biologie, Chemie, Physik oder Humanmedizin erhalten unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zur Ausbildung. Experten sehen darin eine längst überfällige Antwort auf die veränderte Arbeitswelt.
Was bedeutet das konkret? Die Gefährdungsbeurteilung in Unternehmen muss längst auch psychische Belastungen erfassen. Bisher fehlte jedoch oft das spezifische Fachwissen für eine wirksame Prävention. Genau diese Lücke sollen nun Arbeitspsychologen in den Sifa-Teams schließen. Gleichzeitig bringen Biologen mit Kenntnissen in Toxikologie oder Mikrobiologie wertvolle Expertise für Branchen wie Biotechnologie oder Chemieindustrie ein.
Viele Gefährdungsbeurteilungen erfassen noch immer kaum psychische Risiken – und das führt zu blinden Flecken bei Prävention und Kontrollen. Ein kostenloser Leitfaden liefert praxisnahe Vorlagen, Checklisten und konkrete Schritte für Sifas und Arbeitsschutzverantwortliche, damit psychische Belastungen systematisch bewertet und Maßnahmen abgeleitet werden. So sparen Sie Zeit in der Dokumentation und bestehen Prüfungen durch Aufsichtsbehörden. Jetzt kostenlose GBU‑Vorlagen & Checklisten herunterladen
Neue Risiken erfordern neue Kompetenzen
Die Reform ist eine direkte Reaktion auf die gewandelten Risikolandschaften. Psychische Belastungen wie Stress und Burnout nehmen stetig zu. Gleichzeitig wachsen in Hochtechnologie-Branchen die Herausforderungen durch biologische Arbeitsstoffe. Der traditionell technisch geprägte Arbeitsschutz stößt hier an Grenzen.
„Wir vollziehen einen Paradigmenwechsel“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Es geht nicht mehr nur um die Verhütung von Unfällen, sondern um eine ganzheitliche betriebliche Gesundheitsförderung.“ Die neuen Fachrichtungen sollen andere Perspektiven und Methoden in die Unternehmen tragen. Das Ziel: eine Präventionskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
So funktionieren die neuen Qualifikationswege
Die genauen Rahmenbedingungen werden derzeit von den Berufsgenossenschaften ausgearbeitet. Grundvoraussetzung für Psychologen und Biologen bleibt ein Masterabschluss. Entscheidend ist der Nachweis studienbezogener Kenntnisse, die für den Arbeitsschutz relevant sind. Dazu zählen etwa Module in Ergonomie, Arbeitspsychologie oder Toxikologie.
Die Berufsgenossenschaften werden in den kommenden Monaten spezielle Richtlinien zur Anerkennung von Studienleistungen veröffentlichen. Erste Pilotlehrgänge für die neuen Zielgruppen sind für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Ein flächendeckendes Angebot soll ab 2027 zur Verfügung stehen. Die Ausbildung selbst umfasst weiterhin die bewährten Module, wird jedoch um disziplinspezifische Vertiefungen ergänzt.
Fachkräftemangel als Treiber der Reform
Die Öffnung dient auch einem pragmatischen Ziel: Sie soll dem akuten Fachkräftemangel bei Sicherheitsexperten entgegenwirken. Indem der Pool potenzieller Bewerber vergrößert wird, erhoffen sich die Unfallversicherungsträger mehr Nachwuchs für dieses anspruchsvolle Feld.
Die modernisierte DGUV Vorschrift 2 enthält weitere Neuerungen für die Praxis. So wird die digitale Betreuung von Unternehmen gestärkt. Bis zu einem Drittel der vorgeschriebenen Sifa-Leistungen dürfen künftig in digitalen Formaten erbracht werden. Diese Flexibilisierung soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen.
Chance und Herausforderung zugleich
Branchenverbände begrüßen die Reform grundsätzlich. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) spricht von einem „wichtigen Signal“. Kritische Stimmen mahnen jedoch zur Vorsicht. Die reine Öffnung der Zugänge garantiere noch keine qualitativ hochwertige Ausbildung.
Die größte Herausforderung wird die Integration der neuen Disziplinen in bestehende Strukturen sein. Sifa-Teams sind traditionell ingenieurwissenschaftlich geprägt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachkulturen wird zur Nagelprobe der Reform. Gelingt sie, könnte der deutsche Arbeitsschutz international zum Vorbild für einen modernen, präventiven Ansatz werden.
PS: Erfahrene Sicherheitsfachkräfte schwören auf diese GBU‑Vorlagen als “Goldschatz” – inklusive Muster für Überlastungsanzeigen und fertiger Risikomatrix. Wenn Sie Teams aus Psychologen oder Biologen in die Sifa‑Arbeit integrieren, hilft dieses Paket bei der rechtssicheren Erfassung psychischer und biologischer Gefährdungen und macht die Umsetzung der neuen DGUV‑Vorgaben leichter. Sofort einsetzbare Word‑ und Excel‑Templates reduzieren Aufwand und Haftungsrisiken. Gratis‑Vorlagen für Gefährdungsbeurteilung jetzt sichern


