SGS, Panacea

SGS kauft indische Panacea Infosec für digitale Offensive

07.01.2026 - 20:44:12

Der Schweizer Prüfkonzern SGS übernimmt den indischen Cybersecurity-Spezialisten Panacea Infosec, um seine digitale Kompetenz auszubauen und bis 2027 zusätzlich 200 Millionen Franken Umsatz zu generieren.

Der Schweizer Prüfkonzern SGS übernimmt den indischen Cybersecurity-Spezialisten Panacea Infosec. Mit der strategischen Akquisition will der Traditionsprüfer seine digitale Kompetenz massiv ausbauen – und bis 2027 zusätzliche 200 Millionen Franken Umsatz generieren.

Strategischer Schachzug im Wachstumsmarkt Cybersicherheit

SGS, weltweit bekannt für die Prüfung physischer Produkte, setzt mit dem Kauf ein klares Signal: Die Zukunft liegt in der digitalen Zertifizierung. Panacea Infosec aus Neu-Delhi bringt etwa 90 hochspezialisierte Experten für IT-Sicherheit und Compliance in den Konzern. Besonders wertvoll ist deren Expertise im Bereich Payment Security – also der Einhaltung des PCI DSS-Standards für Kreditkartendaten.

„Diese Integration ist eine strategische Priorität“, erklärt Amit Thakkar, Managing Director von SGS in Indien. Sie ermögliche es, Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu unterstützen. Das fusionierte Team wird künftig ein umfassendes Portfolio anbieten: von Datenschutz und KI-Sicherheit bis hin zur klassischen Zahlungsabwicklung.

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Digital Trust als Umsatztreiber für „Strategie 2027“

Der Deal ist kein Einzelprojekt, sondern Kernstück der „Strategie 2027“. SGS hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2027 sollen die digitalen Dienstleistungen unter dem Dach „Digital Trust“ mindestens 200 Millionen Schweizer Franken (rund 210 Millionen Euro) Mehrumsatz im Vergleich zu 2023 bringen.

CEO Géraldine Picaud betont die wachsende Bedeutung unabhängiger Prüfer in der digitalen Welt. Mit der Übernahme könne SGS nun nicht nur physische Waren, sondern auch die digitalen Pipelines des globalen Handels verifizieren. Der Markt für digitale Absicherung gilt als einer der größten Wachstumstreiber im TIC-Sektor (Testing, Inspection, Certification).

Fokus auf Compliance in Schlüsselmärkten

Ein Hauptgrund für die Übernahme ist Panaceas starke Stellung im Zahlungssicherheits-Sektor. Da elektronische Zahlungen allgegenwärtig werden, steigt der regulatorische Druck auf Banken, Fintechs und E-Commerce-Plattformen stetig. Die Nachfrage nach qualifizierten Prüfern für Standards wie PCI DSS ist hoch – und konjunkturresistent.

Panacea bedient bereits eine große Klientel, darunter bedeutende Banken und Telekommunikationsunternehmen. Für SGS-Kunden eröffnet sich dadurch eine „One-Stop-Shop“-Lösung: Ein Hersteller vernetzter Geräte könnte nun sowohl die Hardware-Sicherheit als auch die Cybersecurity seiner Zahlungsmodule von einem Anbieter zertifizieren lassen.

„Der Beitritt zur globalen Gruppe wird es uns ermöglichen, unsere Operationen deutlich zu skalieren“, so Ajay Kaushik, CEO von Panacea Infosec. Für die Kunden bedeutet das Zugang zu einem größeren Pool an zertifizierten Sicherheitsgutachtern.

Konsolidierung im Cybersecurity-Markt

Der Deal fällt in eine Phase der Marktkonsolidierung. Angesichts immer komplexerer Cyber-Bedrohungen und neuer Regularien wie der EU-DORA-Verordnung (Digital Operational Resilience Act) übersteigt die Nachfrage nach akkreditierten Prüfstellen das Angebot. Traditionelle TIC-Konzerne kaufen daher verstärkt spezialisierte Cybersecurity-Firmen auf.

Für SGS schließt Panacea eine entscheidende Kompetenzlücke: die Fähigkeit, Code, Netzwerkarchitekturen und Verschlüsselungsstandards zu auditieren. Der ungenannte Kaufpreis deutet auf eine Bewertung hin, die vor allem auf intellektuellem Kapital und Akkreditierungen basiert – nicht nur auf aktuellen Umsatzzahlen.

Zudem stärkt der Kauf die Position im Wettbewerb mit anderen TIC-Riesen. Die Präsenz in Indien – einer globalen Drehscheibe für IT-Dienstleistungen – bringt SGS näher an die „Werkstatt“ der weltweiten Digitalinfrastruktur. Das ermöglicht effizientere Services und eine tiefere Integration mit großen Technologieanbietern.

Ausblick: Integration und neue Dienstleistungen

Die nahe Zukunft wird von der Integration der 90 neuen Mitarbeiter geprägt sein. SGS wird voraussichtlich Panaceas bestehende Akkreditierungen nutzen, um große internationale Aufträge zu gewinnen, die sowohl physische als auch digitale Zertifizierung erfordern.

In den nächsten ein bis zwei Jahren plant SGS neue gebündelte Servicepakete. Denkbar ist eine einheitliche Zertifizierung für vernetzte Fahrzeuge oder medizinische Geräte, die sowohl die Haltbarkeit der Hardware als auch die Hacker-Resistenz der Software abdeckt. Eine Dienstleistung, die derzeit kaum ein Wettbewerber in diesem Maßstab anbieten kann.

Der Erfolg dieser Übernahme wird am Beitrag zum 200-Millionen-Ziel gemessen. Gelingt es SGS, die hochwertigen Sicherheitsdienste von Panacea erfolgreich an seine riesige industrielle Stammkundschaft zu verkaufen, markiert dieser Deal womöglich den entscheidenden Wendepunkt: vom Prüfkonzern des 19. Jahrhunderts zur digitalen Vertrauensinstanz des 21. Jahrhunderts.

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