SCHUFA macht Bonitäts-Score ab März kostenlos einsehbar
16.02.2026 - 04:51:11Ab Ende März 2026 können Verbraucher in Deutschland erstmals ihren persönlichen SCHUFA-Score kostenlos und digital abrufen. Dieser Schritt des größten deutschen Kreditbüros markiert einen Wendepunkt im oft undurchsichtigen Bereich der Bonitätsbewertung und betrifft Millionen Menschen bei Kredit-, Vertrags- und Wohnungsvergaben.
Transparenz-Offensive vor gesetzlichem Druck
Die Initiative ist Teil einer breiteren Transparenz-Offensive von SCHUFA Holding AG. Sie kommt kurz vor dem Inkrafttreten verschärfter gesetzlicher Vorgaben, die sich aus nationalen Reformen und neuen EU-Richtlinien ergeben. Jahrelanger Druck von Verbraucherschützern und ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von 2023 haben den Weg geebnet. Das Gericht stellte klar, dass die automatisierte Erstellung von Scores, sofern sie entscheidend für Vertragsabschlüsse ist, grundsätzlich nach der DSGVO verboten ist.
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Als Reaktion darauf hat die Bundesregierung Änderungen am Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) auf den Weg gebracht. Ein Referentenentwurf verbietet die Nutzung bestimmter Datenkategorien wie Name, Adresse, Gesundheitsdaten oder Social-Media-Informationen für die Scoring-Berechnung, um Diskriminierung zu verhindern. Zudem soll ein klares Auskunftsrecht über die Logik und Hauptfaktoren hinter der individuellen Bewertung geschaffen werden.
So profitieren Verbraucher vom neuen Zugang
Verbraucher, die sich ab März für einen neuen Online-Account bei SCHUFA registrieren, erhalten Einsicht in ihren Haupt-Score. Das Kreditbüro führt ein neues, vereinfachtes Modell ein, das auf nur noch zwölf Schlüsselfaktoren basiert – statt wie bisher auf über 250 Kriterien. Der Score wird als Zahl zwischen 100 und 999 dargestellt, wobei ein höherer Wert für eine bessere Bonität steht.
Diese Transparenz befähigt Verbraucher: Sie können gezielt an der Verbesserung ihrer finanziellen Situation arbeiten. Zudem lassen sich Fehler in den zugrunde liegenden Daten schneller erkennen und korrigieren. Das verhindert, dass falsche Informationen den Abschluss eines Darlehens, eines Mobilfunkvertrags oder einer Mietwohnung blockieren. Die Registrierung für den neuen Service ist bereits über eine Warteliste möglich.
EU-Kreditrichtlinie verschärft den Rahmen
SCHUFAs Schritt steht im Einklang mit der bevorstehenden Umsetzung der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Deutschland setzt diese Richtlinie derzeit in nationales Recht um. Sie stärkt den Verbraucherschutz erheblich, indem ihr Anwendungsbereich ausgeweitet wird: Künftig fallen auch Kleinstkredite unter 200 Euro und „Buy Now, Pay Later“-Dienste (BNPL) unter die strengen Regeln.
Ein Kernstück der Richtlinie ist die Verpflichtung zu gründlichen Bonitätsprüfungen vor jeder Kreditvergabe, um Überschuldung zu vermeiden. Eine faire und nachvollziehbare Bonitätsbewertung ist dafür die Grundvoraussetzung – was den Druck auf transparente Scoring-Modelle weiter erhöht.
Ausblick: Mehr Kontrolle, neue Herausforderungen
Der Start des kostenlosen Score-Zugangs ist ein Meilenstein, aber kein Endpunkt. Das Gesetzgebungsverfahren zur Änderung des BDSG muss noch Bundestag und Bundesrat passieren. Verbraucherschützer fordern weiterhin eine umfassende Aufsicht und konkrete Qualitätsanforderungen, damit Scoring-Modelle nicht nur transparent, sondern auch statistisch valide und diskriminierungsfrei sind.
Für Kreditbüros bedeuten die Neuerungen hohe Investitionen in IT und Prozesse. Banken, Händler und Vermieter müssen ihre Risikprüfungen anpassen. Der deutsche Markt bewegt sich entschieden weg von der „Blackbox“ hin zu einem System, in dem Transparenz und Verbraucherrechte im Vordergrund stehen.
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