Schattenhandel: Neue Netzwerke umgehen Russland-Sanktionen
02.01.2026 - 12:46:12Ein undurchsichtiges Netzwerk kleiner Handelsfirmen hat sich innerhalb weniger Tage als neue Drehscheibe für russische Rohstoffe etabliert. Die verschärften Sanktionen des Westens zwingen China und Indien zu kreativen Umwegen, um weiterhin Öl und Technologie aus Russland zu beziehen.
Sanktionen verlagern Handel in den Schatten
Die Datenlage ist eindeutig: Seit der Verschärfung des europäischen und amerikanischen Sanktionsregimes Ende 2025 hat sich der Handel fundamental verändert. Anstelle der sanktionierten russischen Riesen wie Rosneft oder Lukoil treten nun bisher unbekannte Zwischenhändler auf den Plan. Firmen wie Redwood Global Supply FZE oder Alghaf Marine DMCC, oft erst vor wenigen Monaten registriert, bewegen plötzlich beträchtliche Mengen Rohöl und sogenannte Dual-Use-Güter.
Der Grund für diesen raschen Wandel ist der Druck des Westens. Große indische Raffinerien und chinesische Staatskonzerne fürchten den Ausschluss aus dem globalen Finanzsystem. Sie werden „risikoavers“, wie Analysten es nennen. Die Folge? Der Handel wird an kleinere, wendige Firmen ausgelagert – ein klassisches „Whac-A-Mole“-Problem für Aufseher: Schlägt man einen bekannten Akteur nieder, tauchen sofort mehrere neue an anderer Stelle auf.
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EU-Sanktionen treffen erstmals Mittelsmänner
Auslöser dieser Entwicklung ist das historische 19. EU-Sanktionspaket vom Oktober 2025. Es markiert eine neue Eskalationsstufe, indem es erstmals gezielt Drittstaaten-Unternehmen ins Visier nimmt, die Umgehungsgeschäfte ermöglichen. Konkret setzte die EU 17 Firmen – zwölf in China (inklusive Hongkong) und drei in Indien – auf ihre Restriktionsliste.
Diese Unternehmen waren maßgeblich an der Lieferung von Gütern für Russlands Militär-Industrie-Komplex beteiligt. Das Verbot für EU-Firmen, mit ihnen zu handeln, durchtrennte etablierte Lieferketten. Doch bis Anfang 2026 zeigte sich: Während offizielle Handelsbeziehungen abbrachen, festigte sich parallel eine Schatten-Infrastruktur. Sie hält den Fluss von Energie und Technologie am Laufen – nur eben undurchsichtiger und teurer.
USA erhöhen Druck auf Konzerne
Gleichzeitig verschärften die USA ihre Sekundärsanktionen. Im November 2025 stellte Washington 32 weitere Firmen in verschiedenen Ländern unter Beschuss. Dieser Druck zeigt Wirkung bei großen, börsennotierten Konzernen.
Sie reduzieren ihre direkten Geschäfte mit sanktionierten russischen Partnern und bedienen sich stattdessen der neuen Zwischenhändler. Diese „Firewalling“-Strategie erlaubt es ihnen, formal die westlichen Vorgaben zu erfüllen, während die für ihre Volkswirtschaften kritischen Energieimporte ununterbrochen weiterfließen. Der Preis dafür ist ein „Risikoaufschlag“, der die Gewinnspanne für Moskau schmälert.
Was bedeutet das für die Sanktionspolitik?
Die Entwicklungen zeigen eine neue Phase im Sanktionsregime. Die Zeit der groben Handelsverbote ist vorbei, es beginnt ein ausgeklügeltes Katz-und-Maus-Spiel. Das Ziel der westlichen Politik verschiebt sich: Es geht nicht mehr nur darum, den direkten Handel zu stoppen, sondern die finanziellen und logistischen Brücken zu zerstören, die Russlands Kriegswirtschaft am Leben erhalten.
Die Marktdaten bestätigen diesen Trend. Zwar gehen die direkten Handelsvolumina mit russischen Konzernen zurück, doch die Gesamtmenge an Rohöl, die in Asien ankommt, stabilisiert sich. Sanktionen unterbinden den Handel also nicht komplett, aber sie machen ihn ineffizienter und weniger profitabel für den Kreml.
Strengere Due-Diligence-Pflichten kommen
Für die Compliance-Abteilungen internationaler Unternehmen bedeutet das mehr Arbeit. Im ersten Quartal 2026 ist mit einer rigorosen Verschärfung der „Know-Your-Customer“-Prüfungen zu rechnen. Die westlichen Aufseher werden ihr Augenmerk auf die neu identifizierten Zwischenhändler richten.
Die EU signalisierte bereits, dass ein 20. Sanktionspaket in Vorbereitung sein könnte. Dieses könnte automatische Listing-Kriterien für Firmen einführen, die ein Muster von „Ersatzhandel“ zeigen. Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Die Ära der „plausiblen Abstreitbarkeit“ ist vorbei. Due-Diligence-Prozesse müssen nun die gesamte Logistikkette im Blick haben – von der Schattenflotte bis zu den undurchsichtigen Finanznetzwerken.
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