SAP, Odoo

SAP und Odoo treiben Europas digitale Souveränität voran

03.01.2026 - 07:26:12

Nach drastischen Cyber-Warnungen setzen europäische Unternehmen verstärkt auf lokale ERP-Lösungen. SAP und Odoo reagieren mit neuen Service-Modellen und KI-Funktionen, um digitale Abhängigkeiten zu reduzieren.

Europas Unternehmen setzen angesichts massiver Cyber-Warnungen verstärkt auf lokale ERP-Lösungen. Die Tech-Riesen SAP und Odoo liefern jetzt die Alternativen.

Die Debatte um Europas digitale Unabhängigkeit hat eine neue Dringlichkeit erreicht. Nach der drastischen Warnung eines führenden Cybersicherheitsbeamten, der Kontinent habe das Internet an nicht-europäische Tech-Giganten „verloren“, suchen Unternehmen händeringend nach sicheren Alternativen. Genau hier setzen die großen europäischen Anbieter von Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Software an. Mit umfassenden Updates und neuen Dienstleistungsmodellen positionieren sie sich im Januar 2026 als souveräne Grundlage für die Geschäfte von morgen.

„Wir haben das Internet verloren“: Weckruf aus Brüssel

Der Auslöser für die aktuelle Diskussion war eine schonungslose Analyse von Miguel De Bruycker, Direktor des belgischen Zentrums für Cybersicherheit (CCB). Am vergangenen Freitag erklärte er vor Industrievertretern, Europa habe die Kontrolle über Cloud und Internet de facto aufgegeben. Schuld sei die überwältigende Abhängigkeit von US-amerikanischen Hyperscalern. Selbst bei in Europa gespeicherten Daten blieben die „Leitungen“ des Netzes außerhalb europäischer Hoheit.

Diese Einschätzung markiert eine Zeitenwende. Das Thema wandelt sich von einer theoretischen Diskussion über digitale Autonomie zu einer praktischen Notlage. De Bruycker forderte eine radikale Strategieänderung und verglich die notwendige Zusammenarbeit mit der Gründung des Luftfahrtkonsortiums Airbus. Sein Weckruf fällt genau in die Vorbereitungen der EU-Kommission auf den Digital Networks Act, der am 20. Januar 2026 vorgestellt werden soll. Dieses Gesetz soll den regulatorischen Rahmen für sichere, europäische Netzinfrastruktur schaffen.

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Odoo: Die Open-Source-Offensive für den Mittelstand

Als Antwort auf den Ruf nach souveränen Lösungen baut das belgische Open-Source-Unternehmen Odoo seine Stellung als „Büro-Alternative“ für den Mittelstand weiter aus. Ein Schlüssel dazu ist künstliche Intelligenz, die europäische Datenhoheit wahrt. So kündigte der Odoo-Partner Aarav Solutions für Anfang Januar 2026 einen neuen KI-gestützten Chatbot für Angebotserstellung (CPQ) an.

Dieses Tool läuft vollständig innerhalb der Odoo-Plattform. Unternehmen behalten so die strikte Kontrolle über sensible Preisstrategien und Kundendaten – ein entscheidender Vorteil gegenüber öffentlichen, oft US-basierten KI-Modellen. Die Strategie gipfelt in Odoo 19, das 2026 den europäischen Mittelstand prägen soll. Die Software bündelt Bürofunktionen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und CRM in einer einzigen, selbst hostbaren ERP-Umgebung.

Doch der Wechsel hat seinen Preis: Wie bereits Mitte 2025 angekündigt, führt Odoo ab April 2026 neue Gebühren für veraltete Softwareversionen ein. Das Ziel ist klar: Nutzer auf moderne, unterstützte und sichere Versionen der Plattform zu zwingen.

SAP vereinfacht den Einstieg in die Souveränität

Während Odoo den agilen Mittelstand bedient, sichert der deutsche Software-Riese SAP den oberen Mittelstand mit einer Portfolioumstellung ab. Wie im Juli 2025 angekündigt, startet SAP im Januar 2026 neue, vereinfachte Service-Pläne.

Die neue Struktur soll die historische Komplexität reduzieren, die kleinere Unternehmen oft von SAP-Lösungen abgeschreckt hat. Drei klare Stufen – Foundational, Advanced und Max – bieten vorhersehbare Gesamtkosten (TCO) und eine bessere Kalkulationsgrundlage für europäische Firmen. Besonders der Einstiegstarif „Foundational“ ist für die Souveränitätsdebatte relevant. Er bietet essenzielle Support-Leistungen für die Cloud-Application-Lifecycle-Management ohne den Overhead klassischer Enterprise-Verträge.

Das Timing ist perfekt. Eine Finanzanalyse vom 1. Januar 2026 sieht SAP-Aktien mit Aufwärtspotenzial, getrieben von starkem Umsatzwachstum und großem Marktvertrauen in die Strategie des Walldorfer Konzerns für das Tech-Jahr 2026.

Vom Compliance-Thema zur Überlebensfrage

Die Gleichzeitigkeit von De Bruyckers Warnung und den neuen ERP-Lösungen zeigt einen Wandel in der europäischen Geschäftswelt. Digitale Souveränität ist kein reines Compliance-Thema mehr, um GDPR-Strafen zu vermeiden. 2026 ist sie zur Frage der Geschäftskontinuität und des strategischen Überlebens geworden.

Der Markt für „Sovereign Cloud“ reift rapide. Selbst US-Anbieter wie Workday planen für 2026 spezielle „EU Sovereign Clouds“. Für Puristen echter Souveränität bleiben jedoch europäische Technologiekonzerne die erste Wahl. Gleichzeitig weitet sich die Definition von „Büro-Alternativen“ aus. Es geht nicht mehr nur um den Ersatz einer Textverarbeitung, sondern um ein komplettes Geschäftsbetriebssystem. Ein Präzedenzfall schuf der Internationale Strafgerichtshof, der Ende 2025 zu OpenDesk (von ZenDiS) migrierte. ERP-Systeme wie Odoo und SAP werden so zum „Betriebssystem für Unternehmen“.

Ausblick: Der Fahrplan für das erste Quartal 2026

Die politische Bühne rückt nun in den Fokus. Die Einführung des Digital Networks Act am 20. Januar wird ein kritischer moment, der neue Anreize oder Vorgaben für europäische Infrastruktur setzen könnte.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) steht im ersten Quartal 2026 eine Bestandsaufnahme der eigenen „Souveränitätsrisiken“ an. Mit SAPs neuen Plänen und Odoos wachsendem KI-Ökosystem haben sie praktikable Alternativen zu ausländischen Tech-Stacks. Die Herausforderung wird die Umsetzung sein: die Migration alter Daten und die Schulung von Mitarbeitern auf diesen souveränen Plattformen. Es gilt, zu handeln, bevor der von De Bruycker beschriebene „Verlust des Internets“ für das eigene Unternehmen zur betrieblichen Realität wird.

Weitere Ankündigungen von Initiativen wie Eurostack und möglichen neuen „Airbus-artigen“ Konsortien werden in den kommenden Monaten erwartet. Der Wettlauf um Europas digitale Zukunft hat begonnen.

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