Sanktionsbruch, Lübeck

Sanktionsbruch: EU zerschlägt 30-Millionen-Netzwerk in Lübeck

04.02.2026 - 11:43:12

Deutsche Razzia zerschlägt 30-Millionen-Netzwerk, OLAF deckt Autoschieber auf. Das 20. EU-Sanktionspaket nimmt gezielt Logistikunternehmen ins Visier.

Europäische Behörden gehen mit einer neuen Härte gegen Umgehungslogistik für Russland vor. Nach Festnahmen in Deutschland und einem spektakulären OLAF-Bericht steht ein neues Sanktionspaket bevor.

Brüssel/Berlin – Die europäische Sanktionsdurchsetzung erreicht eine neue Eskalationsstufe. In einer konzertierten Aktion zerschlugen deutsche Behörden ein mutmaßliches 30-Millionen-Euro-Netzwerk in Lübeck, während die EU-Betrugsbekämpfung OLAF einen gigantischen Autoschieber aufdeckte. Hintergrund ist der nahende 20. EU-Sanktionskorb, der gezielt Logistikunternehmen ins Visier nehmen wird.

Lübecker Razzia: Fünf Festnahmen nach 16.000 Lieferungen

Am Montag schlugen Zollfahnder in der Hansestadt Lübeck und im Kreis Lauenburg zu. Sie nahmen fünf Verdächtige fest, die im Verdacht stehen, ein hochprofessionelles Netzwerk zum Bruch der Russland-Sanktionen betrieben zu haben. Im Zentrum steht ein Handelsunternehmen, das laut Bundesanwaltschaft seit Kriegsbeginn Industriegüter im Wert von rund 30 Millionen Euro an russische Rüstungsfirmen geliefert haben soll.

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Die Ermittler gehen von über 16.000 Einzellieferungen aus, die über ein komplexes Geflecht aus Briefkastenfirmen und Scheinempfängern verschleiert worden sein sollen. Ziel waren mindestens 24 konkrete russische Verteidigungsunternehmen. Der Hauptverdächtige, ein deutsch-russischer Doppelstaater, soll die Lübecker Firma „Global Trade“ als logistischen Drehkreuz genutzt haben. Die Bundesanwaltschaft vermutet sogar die Steuerung durch russische Staatsstellen.

OLAF-Bericht: 760 Luxusfahrzeuge verschwanden in Richtung Russland

Knapp zeitgleich veröffentlichte das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) einen brisanten Untersuchungsbericht. Demnach wurden 766 Transport- und Luxusfahrzeuge offiziell in Staaten wie Kasachstan oder Georgien ausgeführt – kamen dort aber nie an. Die Spur führte stattdessen nach Russland.

Die Fahrzeuge waren über Länder wie die Türkei, Armenien oder Moldau umgeleitet worden. Diese „Umladung“ (Transshipment) in Drittländern ist zur gängigsten Methode geworden, um EU-Ausfuhrkontrollen zu umgehen. Der OLAF-Bericht dient nun als Blaupause für eine datengetriebene Strafverfolgung in der gesamten Union und hat bereits Strafverfahren in drei Mitgliedstaaten ausgelöst.

Neue OLAF-Spitze: Tschechischer Top-Ermittler übernimmt

Die verschärfte Gangart passt zum personellen Wechsel an der OLAF-Spitze. Seit dem 2. Februar ist der tschechische Jurist Petr Klement neuer Generaldirektor. Der erfahrene Cybercrime- und Finanzermittler gilt als Hardliner. In seiner Antrittserklärung betonte er die Notwendigkeit einer modernen Behörde, die die finanziellen Interessen der EU schützt.

Klements Erfahrung bei der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) lässt eine engere Verzahnung von administrativen OLAF-Ermittlungen und strafrechtlicher Verfolgung erwarten. Diese Lücke nutzten Umgehungsnetzwerke bisher oft aus.

Sanktionspaket 20: Logistikbranche im Fokus

Vor diesem Hintergrund kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag das 20. Sanktionspaket „sehr bald“ an. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der „Listung“ von Logistik- und Schifffahrtsunternehmen, die Umgehungen ermöglichen. Damit würden die Erkenntnisse aus Lübeck und dem OLAF-Bericht in offizielle Schwarze Listen gegossen.

Das Paket baut auf den bereits beschlossenen Maßnahmen auf, wie dem ab April 2026 geltenden Importstopp für russisches Flüssigerdgas (LNG). Jetzt rücken die „Schattenflotten“ und Logistikfirmen in Drittländern in den Fokus. Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Die Sorgfaltspflicht muss die gesamte Lieferkette umfassen, nicht nur den direkten Kunden.

Ausblick: Das Fenster für Graumärkte schließt sich

Mit der vierten Jahrestagung des Krieges entwickelt sich das „Katz-und-Maus-Spiel“ der Sanktionsumgehung zu einer Schlacht der Logistik-Aufklärung. Die verbesserten Tracking-Fähigkeiten von OLAF und die Durchgriffsmöglichkeiten der EPPO machen es für „Graumarkt“-Lieferketten immer enger.

Logistikdienstleister müssen in den kommenden Wochen mit einer Flut neuer Listungen rechnen. Compliance-Abteilungen sind gut beraten, nicht nur aktuelle Listen zu prüfen, sondern auch Lieferrouten über Hochrisiko-Umschlagplätze in Zentralasien und dem Kaukasus kritisch zu hinterfragen. Die Festnahmen in Lübeck zeigen: Es geht nicht mehr nur um beschlagnahmte Ware, sondern um die Zerschlagung der sie bewegenden Unternehmensstrukturen.

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