SanDisk, SSD-Preise

SanDisk verdoppelt SSD-Preise und fordert Vorauskasse

12.01.2026 - 06:43:12

SanDisk kündigt für das erste Quartal 2026 massive Preiserhöhungen für Enterprise-SSDs an und fordert volle Vorauszahlung, getrieben durch die enorme KI-Nachfrage. Die Knappheit wird den gesamten Speichermarkt erfassen.

Der Speicherriese SanDisk schockiert den Markt: Im ersten Quartal 2026 sollen die Preise für Enterprise-SSDs mehr als verdoppelt werden. Gleichzeitig müssen Kunden Lieferverträge jetzt zu 100 Prozent im Voraus bezahlen. Diese beispiellosen Forderungen markieren eine dramatische Machtverschiebung in einem durch die KI-Revolution leergefegten Markt.

Ein beispielloser Verkäufermarkt entsteht

Laut Branchenquellen und Analystenberichten reagiert SanDisk mit der möglichen Preiserhöhung von über 100 Prozent auf eine überwältigende Nachfrage. Diese wird vor allem von nordamerikanischen Cloud-Anbietern und KI-Firmen getrieben, die massiv Speicherkapazität für ihre Rechenzentren sichern. Die Lage ist so günstig für die Hersteller, dass SanDisk mit Branchenstandards bricht: Für Liefervereinbarungen über ein bis drei Jahre wird volle Vorauszahlung verlangt. Diese Forderung nach langfristig gebundenem Kapital ist ein deutliches Zeichen für die extremen Lieferengpässe und die enorme Verhandlungsmacht der Speicherhersteller.

Die Marktdynamik hat sich grundlegend gewandelt. Speicherlieferanten, die frühere Boom-and-Bust-Zyklen durchlitten haben, üben nun strikte Produktionsdisziplin. Sie verlagern fortschrittliche Fertigungskapazitäten auf hochprofitablere Produkte wie Server-DRAM und Enterprise-SSDs. Diese strategische Neuausrichtung maximiert die Profitabilität – und verschärft die Knappheit für den Rest des Marktes.

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Der Dominoeffekt: Von Unternehmen zum Verbraucher

Die drastischsten Preissprünge treffen zwar den Unternehmensbereich, doch die Auswirkungen werden den gesamten Speichermarkt erfassen. Analysten weisen darauf hin, dass NAND-Flash für Consumer-Geräte wie PCs und Smartphones oft in denselben Fabriken wie Enterprise-Chips produziert wird. Preisanpassungen im Enterprise-Sektor ziehen daher historisch betrachtet auch die Kosten für Client-SSDs nach oben. Die Marktforschungsfirma TrendForce prognostiziert für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der Vertragspreise für Client-SSDs um über 40 Prozent – der stärkste unter allen NAND-Flash-Produkten.

Diese allgemeine Teuerung findet statt, obwohl die Nachfrage nach Client-Geräten wie Notebooks voraussichtlich sinkt. Die Lieferanten konzentrieren sich so stark auf Rechenzentrumsprodukte, dass die Verfügbarkeit von Komponenten für PCs und Unterhaltungselektronik stark eingeschränkt ist. Käufer müssen höhere Preise akzeptieren, um überhaupt noch Ware zu bekommen. Es entsteht ein polarisierter Markt: Auf der einen Seite die KI-getriebene Nachfrage, auf der anderen die ausgehungerten Verbrauchermärkte.

KI: Der unersättliche Speicherfresser

Die Ursache für diese Markterschütterung ist das exponentielle Wachstum der Künstlichen Intelligenz. Der Übergang der KI von der Entwicklung zur breiten Anwendung hat einen unstillbaren Hunger auf Hochleistungsspeicher geschaffen. KI-Workloads generieren und verarbeiten permanent riesige Datenmengen. Hochkapazitive, schnelle SSDs sind so zu einem kritischen Engpass für den globalen KI-Fortschritt geworden. Technologieführer sehen im KI-Datenspeicher einen riesigen, bisher unbedienten Markt, der zum größten Segment der Speicherbranche werden soll.

Finanzanalysten verweisen auf spezifische Treiber wie Nvidias fortschrittliche Data Processing Units (DPUs), die große Mengen SSD-Speicher integrieren. Die gesamte Produktionskapazität 2026 für einige Komponenten sei bereits ausverkauft. Der Druck auf die Lieferkette ist immens und wird kurzfristig nicht nachlassen.

Kontext: Ein struktureller Wandel

Experten sehen den aktuellen Preisschub nicht als vorübergehende, zyklische Schwankung, sondern als tiefergreifenden strukturellen Wandel im Halbleitermarkt. Die Neuausrichtung von SanDisk, das sich 2025 von Western Digital abspaltete, um aggressiv auf Enterprise-SSDs zu setzen, ist beispielhaft für diesen Trend. Die Strategie des Unternehmens scheint darauf ausgerichtet, eine globale Knappheit an hochdichtem Flash-Speicher auszunutzen, um die Position im profitabelsten Marktsegment zu zementieren.

Diese Umgebung zwingt große Technologiekonzerne zum Umdenken. Berichten zufolge strukturieren Giganten wie Google und Meta Teams um, um effektiver um knappe Lieferungen konkurrieren zu können. Der breitere Speichermarkt steht unter ähnlichem Druck: Marktbeobachter prognostizieren für das erste Quartal 2026 Preisanstiege von 55-60 Prozent bei konventionellem DRAM und 33-38 Prozent bei NAND-Flash insgesamt. Dieser branchenweite „Superzyklus“ wird von ein und demselben Faktor angetrieben: die Umlenkung von Fertigungsressourcen zugunsten der KI-Revolution.

Ausblick: Teure Zeiten bleiben

Auf absehbare Zeit deuten kaum Anzeichen auf Entspannung bei den hohen Preisen und der knappen Versorgung hin. Speicherhersteller bleiben vorsichtig, die Produktionskapazität zu schnell auszubauen. Sie wollen die Profitabilität halten und einen Rückfall in frühere Marktzusammenbrüche vermeiden. Gleichzeitig zeigt die Nachfrage aus KI-Infrastrukturprojekten keine Ermüdungserscheinungen. Der globale Servermarkt soll 2026 seinen Höhepunkt erreichen.

Für Unternehmen und Verbraucher ist die Prognose klar: Speicher wird auf absehbare Zeit eine bedeutendere und volatilere Kostenkomponente sein. Die Ära stetig sinkender SSD-Preise ist vorbei. Abgelöst wurde sie von einer neuen Realität, in der die Beschaffung von Ware – zu fast jedem Preis – zur primären Herausforderung geworden ist. Branchenanalysten gehen davon aus, dass die aktuelle Knappheit anhalten könnte, bis neue Fabriken anlaufen. Ein signifikanter Einfluss auf den Markt ist frühestens Ende 2027 zu erwarten. Bis dahin wird intensiver Wettbewerb um begrenzte Ressourcen herrschen – diktiert vom Speicherhunger der KI.

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