Salzgitter AG treibt grüne Stahlproduktion mit Solarpark und neuem Werk voran
11.01.2026 - 16:45:12Der deutsche Stahlkonzern Salzgitter AG macht entscheidende Fortschritte bei der Umstellung auf klimafreundliche Produktion. Mit einem neuen Solarpark und dem Rohbau eines Direktreduktionswerks rückt das Ziel, noch 2026 CO₂-armen Stahl zu liefern, in greifbare Nähe.
Solarstrom für die grüne Stahlherstellung gesichert
Ein entscheidender Baustein für die Wende ist die langfristige Versorgung mit erneuerbarer Energie. Seit dem 9. Januar speist ein neuer, eigens für Salzgitter entwickelter Solarpark in Sachsen-Anhalt Strom ins Netz. Die Anlage mit einer Leistung von 65 Megawatt peak (MWp) erstreckt sich über 45 Hektar – eine Fläche so groß wie etwa 60 Fußballfelder.
Unter einem 15-jährigen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) liefert der Park künftig rund 60 Gigawattstunden Ökostrom pro Jahr direkt in die Stahlproduktion. Diese Menge könnte rechnerisch 20.000 Haushalte versorgen. Für Salzgitter bedeutet sie konkret: Jährlich lassen sich etwa 23.000 Tonnen CO₂-Emissionen vermeiden. Für Kunden aus der Automobil- und Industriebranche, die ihre eigenen indirekten Emissionen (Scope 3) senken müssen, ist diese nachvollziehbare grüne Stromquelle ein entscheidendes Kaufargument.
Meilenstein: Rohbau des Direktreduktionswerks steht
Parallel zum Energiedeal meldet der Konzern einen wichtigen Baufortschritt. Am Stammsitz in Niedersachsen ist der Rohbau des ersten Direktreduktionswerks (Direct Reduced Iron, DRI) fertiggestellt. Diese Anlage ist das technologologische Herzstück der Dekarbonisierungsstrategie SALCOS (Salzgitter Low CO2 Steelmaking).
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Das Werk, das noch 2026 in Betrieb gehen soll, ist für eine Kapazität von zwei Millionen Tonnen pro Jahr ausgelegt. Anders als klassische Hochöfen, die mit Kohle arbeiten und dabei große Mengen CO₂ freisetzen, kann die DRI-Anlage mit Wasserstoff betrieben werden. In einer Übergangsphase kommt ein Mix aus Erdgas und Wasserstoff zum Einsatz, der die CO₂-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Methode sofort um über 60 Prozent senkt. Perspektivisch sind bis zu 95 Prozent möglich. Mit der Inbetriebnahme wird Salzgitter einen seiner bestehenden Hochöfen ersetzen – der erste physische Schritt zur vollständigen Umstellung des integrierten Hüttenwerks.
Strategische Antwort auf den EU-Markt
Die Fortschritte kommen zur rechten Zeit. Mit der schrittweisen Einführung des EU-CO₂-Grenzausgleichs (CBAM) steigt die Nachfrage nach lokal produziertem, kohlenstoffarmem Stahl in Europa rasant. Salzgitter beschleunigt mit der ersten SALCOS-Phase gezielt die eigene Marktpositionierung.
Das Gesamtprogramm sieht die komplette Umstellung des Werks in drei Phasen bis 2033 vor. Während die Investitionsentscheidungen für die späteren Phasen aufgrund unsicherer regulatorischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen noch geprüft werden, ist die erste Phase nun auf der Zielgeraden. Die Kombination aus gesichertem Solarstrom und dem fast fertigen DRI-Werk zeigt: Die Infrastruktur für die erste Charge grünen Stahls steht.
Für die Industrie ist die Energiefrage genauso kritisch wie der Ofenbau selbst. Der PPA mit Iberdrola ist nur ein Beispiel für die Strategie, die gesamte Wertschöpfungskette – vom grünen Elektron bis zum grünen Stahl – abzubilden. Diese vertikale Integration wird zum Wettbewerbsvorteil. Automobilhersteller wie BMW und Volkswagen haben bereits Abnahmeverträge für den niedrigemissions-Stahl aus Salzgitter unterzeichnet.
Stabilisierungssignal für den Markt
Die jüngsten Meldungen wirken als beruhigendes Signal. Im Herbst 2025 hatten Berichte über mögliche Verzögerungen bei den späteren SALCOS-Phasen für Verunsicherung gesorgt. Hohe Energiekosten und unklare Perspektiven für die Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland waren die Gründe. Die Ereignisse der letzten Tage machen nun deutlich: Die unmittelbare Transformation läuft planmäßig.
Durch die frühzeitige Sicherung von Grünstrom mindert Salzgitter eines der größten Risiken für grüne Stahlproduzenten: die hohen Betriebskosten für Elektrolyse und Elektrolichtbogenöfen. Die Partnerschaft mit Iberdrola zeigt beispielhaft, wie sektorübergreifende Kooperationen zwischen Energie- und Schwerindustrie die deutsche Industrielandschaft umformen.
Experten betonen, dass der vollständige Umstieg auf 100 Prozent Wasserstoff vom Aufbau des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes abhängt, das erst um 2032 fertig sein soll. Die aktuelle Konstellation ermöglicht es Salzgitter jedoch schon heute, mit verfügbaren Ressourcen „technisch grünen“ Stahl zu produzieren und sich früh Marktanteile zu sichern.
Ausblick auf 2026: Fokus auf Inbetriebnahme
Für das laufende Jahr liegt der Fokus nun auf der Installation der technischen Anlagen im DRI-Rohbau und den anschließenden Test- und Inbetriebnahmephasen. Die Branche rechnet damit, dass Salzgitter noch vor Jahresende die ersten kommerziellen Mengen Stahl aus der neuen Anlage produzieren wird.
Gleichzeitig wird der Markt weitere Energiepartnerschaften erwarten. Für den Betrieb der zugehörigen Elektrolichtbogenöfen wird erheblich mehr Strom benötigt. Weitere PPAs nach dem Iberdrola-Modell sind daher wahrscheinlich. Gelingt diese erste Phase, könnte sie als Blaupause für andere europäische Stahlhersteller dienen – und beweisen, dass der Wandel zum grünen Stahl trotz schwieriger Wirtschaftslage keine Theorie mehr ist, sondern gelebte Realität.
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