Säntis-Bahn: Modernisierung führt zu heftigem Arbeitskampf
13.02.2026 - 07:00:12Ein Millionenprojekt für die legendäre Säntis-Schwebebahn droht am Streit um die Beschäftigten zu scheitern. Die Gewerkschaft fordert einen Sozialplan für 40 betroffene Mitarbeiter.
Schwägalp – Der geplante Totalumbau der ikonischen Säntis-Bahn in der Ostschweiz hat einen handfesten Arbeitskonflikt ausgelöst. Während die Betreibergesellschaft Säntis-Schwebebahn AG ab Mai für mehrere Monate den Betrieb einstellen muss, um das 22,7 Millionen Franken schwere Projekt „Säntis 2026“ umzusetzen, gerät der Umgang mit dem Personal unter Beschuss. Die St.Gallen-Appenzellische Gewerkschaftskonferenz (GAK) wirft dem Unternehmen vor, seine soziale Verantwortung zu vernachlässigen, und fordert einen verbindlichen Sozialplan für rund 40 der 220 Beschäftigten.
Die Kritik der Gewerkschaft fällt deutlich aus. Für ein finanziell gut aufgestelltes Unternehmen sei es inakzeptabel, über Entlassungen nachzudenken, so der Vorwurf. Ein geplanter Betriebsstillstand sei ein kalkulierbares unternehmerisches Risiko, das nicht auf die Angestellten abgewälzt werden dürfe.
Besonders empört zeigt sich die GAK über Vorschläge des Managements, die angeblich unbezahlten Urlaub oder sogar Kündigungen beinhalten. Unbezahlter Freistellung komme einer Lohnkürzung gleich und schiebe die Kosten der Bauphase auf die Arbeitnehmer ab, so die Gewerkschaft. Sie verlangt deshalb einen umfassenden Sozialplan, der klare Regeln für Unterstützung und faire Behandlung der Betroffenen während der Zwangspause festschreibt.
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CEO Gülünay widerspricht und sucht Alternativen
Unternehmenschef Jakob Gülünay wehrt sich gegen diese Darstellung. Massenentlassungen seien nicht geplant, betont er. Stattdessen arbeite die Geschäftsleitung intensiv an Lösungen für die vom vorübergehenden Betriebsstop betroffenen Mitarbeiter.
Konkret prüft das Unternehmen mehrere Alternativen: Temporäre Arbeitseinsätze bei anderen Firmen, Weiterbildungsmaßnahmen während der Stillstandszeit oder Versetzungen in andere betriebliche Bereiche wie das Hotel und die Restaurants an der Talstation Schwägalp. Das Ziel sei klar, so Gülünay: Man wolle das Team zusammenhalten und 2027 mit der neuen Bahn und der vollständigen Belegschaft durchstarten.
„Säntis 2026“: Millionen-Investition für die Zukunft
Hinter dem Konflikt steht das ambitionierte Modernisierungsprojekt „Säntis 2026“. Für 22,7 Millionen Schweizer Franken entsteht ein komplett neues, modernes Seilbahnsystem. Es soll mehr Komfort bieten, windstabiler sein und die Zukunft des beliebten Ausflugsziels sichern.
Zu den technischen Neuerungen zählen ein neuer Antrieb und eine umgestaltete Stützkonstruktion. Besonders auffällig: Statt der bisherigen zwei Stützen wird künftig eine einzige, 43 Meter hohe Mittelstütze das Bild prägen. Sie wird einen integrierten Ein- und Ausstieg sowie eine spektakuläre Aussichtsplattform mit Panoramablick über das Appenzellerland beherbergen. Die Fundamente dafür sind bereits gelegt. Alte Fundamente früherer Bahngenerationen werden entfernt, was zur Renaturierung der Landschaft beiträgt.
Entscheidende Wochen für Verhandlungen
Der Streit spiegelt den klassischen Zielkonflikt zwischen langfristiger Investition und kurzfristiger Arbeitsplatzsicherheit wider. Während das Unternehmen in die nächste Generation der Bahn investiert, kämpft die Gewerkschaft für den unmittelbaren Schutz der Belegschaft.
Die kommenden Wochen bis zum geplanten Baubeginn im Mai werden entscheidend sein. Verhandlungen zwischen Management und Mitarbeitervertretungen laufen. Kann eine einvernehmliche Lösung – womöglich in Form des geforderten Sozialplans – gefunden werden? Der Erfolg des Millionenprojekts wird nicht nur an der neuen Technik gemessen werden, sondern auch daran, wie das Unternehmen seine soziale Verantwortung gegenüber denen wahrnimmt, die den Tourismus in der Region erst ermöglichen.
@ boerse-global.de
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