RTL Shift 2026: Medienriese bündelt News und setzt auf KI
08.01.2026 - 06:22:11RTL Deutschland stellt seine Nachrichten- und Magazin-Sparte radikal auf digitale Zukunft um. Der Plan „Shift 2026“ sieht einen zentralen Newsroom, den Ausbau der KI-Nutzung und das Aus beliebter TV-Formate vor.
Der Medienkonzern reagiert damit auf den anhaltenden Werbeeinbruch im linearen Fernsehen und die Verlagerung der Zuschauer zu Streamingdiensten. Die umfassende Restrukturierung, die am Mittwoch bestätigt wurde, führt zum Wegfall von etwa 600 Stellen bei RTL Deutschland. Allein bei RTL News sind 230 Jobs betroffen.
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Zentraler Newsroom und harte Personalentscheidungen
Kern der Strategie ist die Schaffung eines „Newsrooms der Zukunft“. Statt veralteter, getrennter Redaktionen entsteht ein zentraler, crossmedialer Newsroom in Köln mit einem Hub in Berlin. Ziel ist es, Doppelarbeit abzubauen und Inhalte schneller für lineares TV und digitale Plattformen wie RTL+ zu produzieren.
Inga Leschek, Chief Content Officer bei RTL Deutschland, betont den entschlossenen Digitalkurs. Die Bündelung der journalistischen Stärken und Investitionen in digitale Strukturen sollen Qualitätsjournalismus für die digitale Welt sichern. Die personellen Einschnitte seien zwar schmerzhaft, aber notwendig, um eine starke und zukunftsfähige Marktposition zu halten.
Aus für Traditionsformate, Stärkung von „Exclusiv“
Für die Zuschauer wird der Wandel im Programm deutlich sichtbar. Die separaten Morgenmagazine „Punkt 6“, „Punkt 7“ und „Punkt 8“ werden eingestellt. Ab Frühjahr 2026 startet stattdessen ein gemeinsames Morgenprogramm mit dem Nachrichtensender n-tv, das von 6 bis 9 Uhr aus einem neuen Studio gesendet wird.
Im Boulevard-Bereich zieht RTL die Marken zusammen. Das TV-Magazin „Gala“ wird eingestellt, und der Sender Vox stellt die Produktion des Promi-Magazins „Prominent!“ nach fast zwei Jahrzehnten ein. Stattdessen bündelt der Konzern alle VIP-Berichterstattung unter der Dachmarke „Exclusiv“. Ab dem 17. Januar 2026 wird „Exclusiv“ an sieben Tagen in der Woche senden und zur zentralen Anlaufstelle für Promi-News.
Gleichzeitig will RTL News im Primetime-Bereich einen stärkeren Fokus auf investigativen Journalismus legen. Formate wie „Team Wallraff“ und „stern investigativ“ sollen ausgebaut werden.
Künstliche Intelligenz wird zum Redaktions-Assistenten
Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist die umfassende Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in die redaktionellen Abläufe. KI-gestützte Tools sollen künftig bei der Themenerkennung helfen, Trends aus Nachrichtenagenturen und Social Media schneller zu identifizieren.
Konkret setzt RTL auf Lösungen wie „merm.ai.d“ für den automatisierten Jugendmedienschutz und den „Impact Amplifier“, der automatisch Promotion-Trailer aus Serieninhalten generiert. Bei RTL+ analysiert KI das Kündigungsverhalten von Abonnenten, um gezielte Maßnahmen zur Kundenbindung einzuleiten.
Die Führung betont: Die redaktionelle Kontrolle bleibe in menschlicher Hand. Die Algorithmen sollen Routineaufgaben übernehmen, um Ressourcen für investigative Recherche und hochwertige Inhalte freizuspielen.
Getriebener Wandel in schwierigem Marktumfeld
Der radikale Umbau bei RTL spiegelt den enormen Druck wider, unter dem die gesamte traditionelle Medienbranche in Deutschland steht. Die Werbeerlöse im linearen TV sind strukturell rückläufig; Schätzungen gehen von einem Minus von über 20 Prozent seit 2019 aus.
Stephan Schmitter, CEO von RTL Deutschland, nennt diese „herausfordernde Marktumgebung“ und das sich rasant ändernde Mediennutzungsverhalten als Treiber der Reorganisation. Durch Kostensenkungen im traditionellen Geschäft und gebündelte Ressourcen will der Konzern Kapital für den Wachstumsmotor RTL+ freisetzen.
Die Ankündigung löst in der Branche auch Diskussionen über die Vielfalt der Meinungen aus. Die Konsolidierung verschiedener Redaktionen könnte zur Vereinheitlichung von Inhalten führen. RTL versichert jedoch, dass Marken wie n-tv, Stern, GEO und Capital ihre unabhängigen Profile behalten und von diesen Kürzungen nicht direkt betroffen sind.
Die letzten Ausgaben von „Gala“ und „Prominent!“ werden bereits Mitte Januar 2026 gesendet. Die Verhandlungen über den sozialverträglichen Abbau der 230 Stellen bei RTL News laufen. Die Branche wird aufmerksam verfolgen, ob das „RTL-Modell“ aus Zentralisierung, KI und Digital-First-Strategie erfolgreich sein wird – und zum Vorbild für andere europäische Sender werden könnte.
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