Rollator-Führerschein, Boom

Rollator-Führerschein erlebt Boom: So senken Senioren die Sturzgefahr

16.01.2026 - 13:25:12

Spezielle Trainingskurse für Rollatornutzer verzeichnen hohe Nachfrage. Sie vermitteln sichere Handhabung und Techniken für den Alltag, um Unfallrisiken zu senken.

Der sogenannte Rollator-Führerschein erlebt derzeit einen nie dagewesenen Zulauf. Verkehrswachten, Physiotherapeuten und Verkehrsbetriebe melden volle Kurse, in denen Senioren den sicheren Umgang mit ihrer Gehhilfe lernen. Hintergrund sind Warnungen vor einer unterschätzten Unfallgefahr durch falsche Handhabung.

Vom Einkaufswagen zum Gehpartner

Ein häufiger Fehler hat sogar einen Namen: das “Einkaufswagen-Syndrom”. Dabei schieben Nutzer den Rollator weit vor sich her, was zu einer gekrümmten Haltung führt. “Bei einem Stolpern rollt das Gerät dann einfach weg und bietet keinen Halt”, erklären Bewegungsexperten. In modernen Kursen lernen Teilnehmer daher, im Rollator zu gehen. Sie positionieren sich zwischen den Hinterrädern für eine stabile, aufrechte Haltung.

Die richtige Einstellung ist entscheidend:
* Griffhöhe: Bei locker hängenden Armen sollten die Griffe auf Handgelenkshöhe sein.
* Haltung: Nur eine korrekte Einstellung ermöglicht es, sich im Ernstfall effektiv abzustützen und Schulterprobleme zu vermeiden.

Sicherheitstraining für Bus und Bahn

Die größten Hürden lauern im öffentlichen Nahverkehr. Viele Senioren scheuen Bus und Bahn aus Angst vor Stürzen. Spezielle “Rollatortage” auf Betriebshöfen setzen hier an. Ein zentraler Tipp der Trainer: rückwärts aussteigen. Diese Technik verhindert, dass die kleinen Vorderräder im Spalt zwischen Bus und Bordstein verkanten.

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Viele Senioren kämpfen mit Unsicherheiten beim Gehen – oft reichen schon kurze, gezielte Übungen, um Haltung, Stabilität und das Vertrauen im Alltag deutlich zu verbessern. Orthopäde Prof. Dr. med. Wessinghage stellt 17 leicht umsetzbare 3‑Minuten‑Übungen vor, die Sie ohne Geräte zu Hause oder unterwegs durchführen können. Ideal als Ergänzung zu Rollator-Kursen, um Sturzrisiken zu senken und die Muskulatur gezielt zu stärken. Jetzt 17 Wunderübungen als Gratis-PDF sichern

Weitere essenzielle Lektionen für die Fahrt mit Bus und Bahn sind:
* Die konsequente Nutzung der Feststellbremse sobald man steht.
* Das Bewusstsein für den blauen Knopf mit dem Rollstuhl-Symbol, der den Fahrer zum längeren Warten auffordert.

Vom Stigma zum motivierenden Sportgerät

Das Image des Rollators wandelt sich vom Symbol der Gebrechlichkeit zum aktiven Trainingsgerät. Moderne Kurse beinhalten Parcours mit Slalom, simulierten Bordsteinkanten und unebenem Untergrund. “Wer sein Gerät beherrscht, traut sich wieder mehr zu und bleibt aktiver”, so die einhellige Meinung von Psychologen und Trainern. Der offizielle “Rollator-Führerschein” nach bestandenem Kurs wirkt dabei zusätzlich motivierend.

Demografischer Wandel treibt Nachfrage

Der Boom der Kurse spiegelt einen gesellschaftlichen Trend wider. Angesichts einer alternden Gesellschaft wird sichere Mobilität zur stadtplanerischen und gesundheitlichen Priorität. Unfallforscher betonen: Technische Innovationen wie leichtere Carbon-Modelle reichen nicht aus. Das Wissen um die richtige Bedienung ist die entscheidende Komponente für mehr Sicherheit.

Aktuell bleibt das praktische Training der Goldstandard. Für die Zukunft erwarten Experten jedoch eine Ausweitung der Angebote – möglicherweise sogar als verschreibungsfähige Leistung der Krankenkassen. Erste Forschungsprojekte tüfteln bereits an Rollatoren mit Sensoren, die Haltungsfehler erkennen oder bei Stürzen automatisch Hilfe rufen.

@ boerse-global.de