RoboSense: Vom LiDAR-Spezialisten zum Roboter-Pionier
09.01.2026 - 15:02:12RoboSense demonstriert auf der CES 2026 einen vollautonomen Lieferroboter, der Geschenke packt und Aufzüge bedient. Der chinesische Sensorhersteller vollzieht damit eine strategische Kehrtwende hin zu „KI + Robotik“.
LAS VEGAS — Der chinesische Technologiekonzern RoboSense, bisher vor allem als LiDAR-Zulieferer für die Autoindustrie bekannt, stellt sein Geschäftsmodell auf den Kopf. Auf der Technikmesse CES 2026 in Las Vegas präsentierte das Unternehmen diese Woche einen vollautonomen „Delivery Assistant“. Dieser Roboter beherrscht komplexe, menschenähnliche Handgriffe – vom Verpacken eines Geschenks bis zum Betätigen des Aufzugknopfs. Die Vorführung markiert den Start einer neuen „KI + Robotik“-Strategie.
Vom passiven Transport zum aktiven Helfer
Im Mittelpunkt der Messe steht kein simpler Transportbehälter auf Rädern. Der „Delivery Assistant“ soll die letzten 100 Meter der Logistik meistern und zeigt dabei eine ungewöhnliche Fingerfertigkeit. In einer Live-Demo am 8. Januar führte der Roboter eine lange Aufgabenkette ohne menschliches Zutun aus: Er packte eine Geschenkbox, navigierte durch eine simulierte Umgebung, rief einen Aufzug, lieferte das Paket ab und entsorgte anschließend den Karton. Diese Abfolge gilt in der Robotik als Meilenstein, denn sie erfordert nicht nur Navigation, sondern aktive Interaktion mit der physischen Welt.
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Die entscheidende Innovation steckt in der Papert 2.0-Greifhand. Diese zweite Generation des „Endeffektors“ verfügt über 20 aktive Freiheitsgrade und 14 Kraftsensoren in den Fingerspitzen und der Handfläche. Mit einer Traglast von bis zu fünf Kilogramm kann der Roboter damit feinmotorische Aufgaben bewältigen, die für Automaten lange unmöglich schienen: Eier vorsichtig aufheben oder dünnen Karton greifen.
Die KI, die Sehen und Fühlen verbindet
Die Hardware ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Die Intelligenz des Roboters speist sich aus dem eigenen VTLA-3D-Foundation-Model von RoboSense. Das Kürzel steht für Vision (Sehen), Tactile (Tastsinn), Language (Sprache) und Action (Handlung). Das System fusioniert verschiedene Datenströme zu kohärenten Bewegungen.
Konkret integriert die Plattform:
* Aktive Kamerasensoren: Die neuen Einheiten AC1 (für Langstrecken-Navigation) und AC2 (für präzise Farbdaten im Nahbereich).
* Echtzeit-Tastfeedback: Die Kraftsensoren in der Papert-2.0-Hand erlauben dynamische Anpassungen des Griffs und kompensieren visuelle tote Winkel.
* 3D-Punktwolken: Die Kombination aus räumlichen, visuellen und taktilen Daten soll hohe Erfolgsquoten auch in unstrukturierten Umgebungen wie vollen Büros ermöglichen.
Diese „Hand-Auge-Koordination“ erlaubt es dem Roboter, seine Umgebung nicht nur als Karte, sondern als Arbeitsplatz zu begreifen. Eine Zwei-Ebenen-Architektur sorgt für die Umsetzung: Ein übergeordneter Planer zerlegt abstrakte Befehle („Liefer dieses Paket“) in Einzelschritte, ein untergeordneter Controller führt die präzisen Bewegungen in Echtzeit aus.
Strategiewechsel: Von den Augen zum Gehirn und den Händen
Die Vorstellung des Lieferassistenten signalisiert einen massiven Strategiewechsel. „RoboSense entwickelt sich von den ‚Augen‘ des Autos zum ‚Gehirn und den Händen‘ des Roboters“, kommentieren Branchenbeobachter vor Ort. Das Unternehmen positioniert sich mit der Kampagne „Hello Robot“ neu und definiert drei Säulen: Wahrnehmung (Vision), Manipulation und Mobilität.
Neben dem Demo-Roboter zeigte RoboSense eine breitere Ökosystem-Strategie. Dazu gehören der für Robotik optimierte Festkörper-LiDAR E1 Gen2 und die Robo FSD-Mobilitätslösung für die punktgenaue autonome Navigation verschiedener Plattformen.
Kommerzielle Partnerschaften zeigen Marktreife
Die Technologie findet bereits den Weg in reale Anwendungen. RoboSense präsentierte auf der CES mehrere Schlüsselpartnerschaften:
* Neolix: Das Unternehmen für autonome Logistik rüstet seine Fahrzeuge mit RoboSenses „Fairy“-Digital-LiDAR für großangelegte, führerlose Lieferungen aus.
* Coco Robotics: Der Hersteller von Gehweg-Lieferrobotern integriert den E1R-Festkörper-LiDAR, um die Hinderniserkennung in städtischer Umgebung zu verbessern.
* Segway Navimow: In einer Kooperation mit dem Rasenmähroboter-Hersteller werden LiDAR-ausgestattete Mähgeräte entwickelt, die Automobil-Wahrnehmungstechnik in den Garten bringen.
Der „Delivery Assistant“ selbst scheint ein Referenzdesign zu sein, um die Fähigkeiten der VTLA-3D-Plattform zu demonstrieren. Seine Leistung zeigt jedoch: Die Grenze zwischen industrieller Automation und Servicerobotik verschwimmt zusehends.
Ausblick: Der Wettlauf um die „verkörperte Intelligenz“
Mit dem Markteintritt in die Robotik bringt RoboSense als etablierter Hersteller mit Massenproduktions-Expertise einen ernstzunehmenden Konkurrenten ins Spiel. Die Fähigkeit, komplexe Komponenten wie die Papert-2.0-Hand in Serie zu fertigen und mit einer kohärenten KI-Software zu verbinden, könnte die Einstiegshürde für allgemeine Serviceroboter senken.
Der Fokus wird sich nun auf die Verallgemeinerungsfähigkeit der Software richten. Das Ziel: Ein Roboter, der eine nie gesehene Türklinke so selbstverständlich bedient wie eine trainierte. Wenn die CES-Demo ein Indikator ist, dann rückt die Ära der Roboter, die wirklich „mit anpacken“ können, überraschend schnell näher.
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