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REPAIR Act: US-Kongress ringt um Recht auf freie Autoreparatur

15.01.2026 - 08:39:12

Washington D.C. – Ein neues US-Gesetz soll Verbrauchern und freien Werkstätten den Zugang zu wichtigen Fahrzeugdaten sichern. Doch Autohersteller warnen vor Sicherheitsrisiken.

Der REPAIR Act spaltet die US-Politik. Bei einer Anhörung im Kongress am 13. Januar stieß der parteiübergreifende Gesetzentwurf auf scharfe Kritik der Autoindustrie. Gleichzeitig überstimmte das Parlament in Maine das Veto der Gouverneurin gegen ein Landesgesetz mit ähnlichem Ziel. Der Konflikt zeigt: Der Kampf um Daten und Reparaturmonopole ist in vollem Gange.

Befürworter wie der Auto Care Association argumentieren, Hersteller würden zunehmend den Zugang zu Diagnosedaten und Software blockieren. Das schaffe Monopole und zwinge Kunden in teurere Vertragswerkstätten. „Über 70 Prozent der Reparaturen nach Ablauf der Garantie werden in unabhängigen Betrieben durchgeführt“, so ein Vertreter. Diese Werkstätten benötigten den Zugriff auf Telematik-Daten – die drahtlosen Systeme, die Motorleistung, Standort und Fahrverhalten erfassen.

Der REPAIR Act würde Herstellern vorschreiben, Besitzern und ihren Werkstätten den gleichen Echtzeit-Zugang zu Diagnosetools zu gewähren wie Vertragshändlern. Das gelte auch für schwere Nutzfahrzeuge, eine für die Lieferketten entscheidende Branche. „Ohne dieses Gesetz sind über 900.000 unabhängige Betriebe und die 289 Millionen Autofahrer, die sie versorgen, bedroht“, warnten Befürworter im Kongress.

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Hersteller warnen vor Cyberangriffen

Die Gegner, darunter die Alliance for Automotive Innovation, halten dagegen. Ein breiter Datenzugriff gefährde die Cybersicherheit. „Unkontrollierter, bidirektionaler Zugang zu Fahrzeugsystemen könnte Sicherheitslücken schaffen“, argumentierte ein Vertreter. Böswillige Akteure könnten so die Fahrzeugsicherheit kompromittieren.

Die Industrie verteidigt das aktuelle System. Es schütze Verbraucher und stelle sicher, dass Reparaturen sicher und mit genehmigten Teilen durchgeführt würden. Gesetze wie der REPAIR Act kämen vor allem Herstellern von Nachmarkt-Teilen und Versicherern zugute – auf Kosten der Fahrzeugsicherheit und des Datenschutzes.

Parallel ziehen Bundesstaaten eigene Gesetze durch

Während in Washington debattiert wird, handeln Einzelstaaten. In Maine votierte das Repräsentantenhaus diese Woche dafür, das Veto von Gouverneurin Janet Mills gegen ein „Right-to-Repair“-Gesetz zu überstimmen. Die Vorlage, ursprünglich per Volksentscheid beschlossen, verlangt von Herstellern standardisierte Diagnosesysteme und Fernzugang zu Daten für Besitzer und Werkstätten.

Mills hatte das Veto mit einer umstrittenen Klausel begründet, die Herstellern zu viel Kontrolle über den Datenzugriff gebe. Nun muss der Senat des Bundesstaates über die Aufhebung des Vetos entscheiden. Dieser Schritt zeigt den Druck von unten und könnte den Weg für weitere Landesgesetze ebnen.

Datenbesitz wird zur zentralen Verbraucherfrage

Der Konflikt geht über die Werkstatt hinaus. Mit dem Auto Data Privacy and Autonomy Act liegt bereits ein weiterer Entwurf vor, der die Datensammlung durch Hersteller regulieren soll. Im Fokus steht die oft undurchsichtige Kommerzialisierung sensibler Informationen wie Standortdaten und Fahrverhalten.

Die Debatte ist Teil einer globalen „Right-to-Repair“-Bewegung, die auch Elektronik und Landmaschinen umfasst. Der Kern: Wer ein Produkt kauft, muss es auch reparieren lassen können, wo er will. Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge und autonome Features verschärft das Problem, da Reparaturen immer mehr Software- und Batteriediagnosen erfordern.

Der Ausgang des Streits hat enorme wirtschaftliche Folgen. Er könnte den Wettbewerb auf dem milliardenschweren Reparaturmarkt ankurbeln und die Kosten für Verbraucher senken. Gleichzeitig erzwingt er eine grundlegende Debatte über Datensicherheit in einer sich rasant wandelnden Industrie. Der US-Kongress muss einen Weg finden, der Verbraucherwahl, Fahrzeugsicherheit und Datenhoheit in Einklang bringt.

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