Rentenpaket, Aktivrente

Rentenpaket II: Aktivrente wird zur Überlebensfrage für Unternehmen

20.01.2026 - 12:00:12

Das Rentenpaket II ist voll in Kraft. Es trifft auf einen Arbeitsmarkt, der erstmals seit Jahren schrumpft. Die neuen Regeln sollen erfahrene Fachkräfte im Job halten – nicht nur mit Geld, sondern durch systematischen Wissenstransfer.

Die demografische Wende erreicht den deutschen Arbeitsmarkt mit voller Wucht. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert für 2026 erstmals einen absoluten Rückgang der Erwerbstätigenzahl. Migration und die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen können die Abgänge der Babyboomer nicht mehr kompensieren. In dieser angespannten Lage wird die „Aktivrente“ zum zentralen Instrument für Personalabteilungen. Es geht nicht mehr nur um das Füllen von Lücken, sondern darum, das Erfahrungswissen einer ganzen Generation zu sichern.

Herzstück der Reform ist die neue Rentenaufschubprämie. Wer das Rentenalter erreicht, aber auf die Auszahlung verzichtet und weiterarbeitet, wird massiv belohnt. Die entgangenen Renten- und die eingesparten Krankenversicherungsbeiträge sammeln sich an und werden später als steuerbegünstigte Einmalzahlung ausgezahlt. Für Durchschnittsverdiener können so schnell fünfstellige Summen zusammenkommen.

Experten sehen in dieser Einmalzahlung einen stärkeren psychologischen Anreiz als in früheren Teilrenten-Modellen. Flankiert wird die Prämie durch die Abschaffung des „Anschlussverbots“. Unternehmen können ausscheidende Mitarbeiter nun nahtlos und befristet weiterbeschäftigen – ein Ende bürokratischer Hürden.

Silver Worker als Mentoren: Der kulturelle Wandel

In den Unternehmen vollzieht sich ein Strategiewechsel. Der „Silver Worker“ wird vom Nischenphänomen zum festen Bestandteil der Personalplanung. Bereits vor der Reform waren rund 13 Prozent der 65- bis 74-Jährigen erwerbstätig. Diese Zahl dürfte 2026 deutlich steigen.

Personalverantwortliche setzen die erfahrenen Kräfte immer gezielter ein. Neue Rollenprofile entstehen:
* Senior-Mentoren: Sie coachen gezielt neue Mitarbeiter und Junior-Fachkräfte.
* Tandem-Modelle: Ein erfahrener Mitarbeiter und ein Nachwuchstalent teilen sich eine Stelle. Der Fokus liegt auf dem Transfer von implizitem Erfahrungswissen.
* Projekt-Consulting: Ehemalige Führungskräfte kehren für zeitlich begrenzte Spezialprojekte zurück.

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Besonders in Handwerk und Industrie, wo Wissen oft an Einzelpersonen gebunden ist, soll die Aktivrente als Brücke dienen. Geht der Meister, sollen nicht die Kenntnisse über spezifische Maschinen mit ihm gehen.

IAB-Prognose: Warum der Druck so groß ist

Die Dringlichkeit der Maßnahmen belegt eine aktuelle IAB-Analyse. Für 2026 sagt das Institut einen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials um etwa 20.000 Personen voraus. Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden aus, ohne vollständig ersetzt werden zu können.

Besonders kritisch ist die Lage laut Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Schlüsselbereichen wie der IT und der Erziehung. Hier klaffen trotz Personalzuwachses weiterhin riesige Lücken. Die Weiterbeschäftigung von Rentnern wird so zur makroökonomischen Notwendigkeit.

Die Kehrseite der Medaille

Mit der Rentenaufschubprämie nähert sich Deutschland skandinavischen Modellen an. Der Deal scheint vorteilhaft für alle: Der Staat spart Rentenausgaben und nimmt Abgaben ein, Unternehmen behalten Produktivität.

Doch Kritiker, etwa aus Sozialverbänden, warnen vor einer schleichenden Anhebung des Renteneintrittsalters. Sie betonen, dass Menschen mit körperlich schwerer Arbeit oft gar nicht von den Anreizen profitieren können. Die Daten zeigen zudem eine soziale Schieflage: Hochqualifizierte arbeiten deutlich häufiger länger als Geringqualifizierte. Die Aktivrente droht, ein Privileg für Wissensarbeiter zu werden.

Brückenfunktion in die KI-Ära

Für 2026 wird ein sprunghafter Anstieg der Anträge auf die Rentenaufschubprämie erwartet. Arbeitsmarktexperten sehen in der Mobilisierung der Älteren jedoch nur eine Übergangslösung.

Die langfristige Strategie der Wirtschaft setzt auf die Kombination aus „Silver Workern“ und Automatisierung. Während die Erfahrung der Älteren das Schiff in den nächsten Jahren stabil hält, soll Künstliche Intelligenz Routineaufgaben übernehmen. Bis diese technologische Dividende aber voll wirkt, bleibt der erfahrene Ingenieur, der noch einige Jahre dranhängt, die entscheidende Ressource gegen den Stillstand.

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