Reliance, AI-Manifest

Reliance AI-Manifest: Indiens Mega-Konzern will Produktivität verzehnfachen

31.12.2025 - 01:23:12

Der indische Mischkonzern Reliance Industries startet eine radikale KI-Offensive, um die Effizienz seiner Belegschaft massiv zu steigern und erschwingliche KI-Lösungen für den gesamten indischen Markt anzubieten.

Der indische Mischkonzern Reliance Industries will mit einer radikalen KI-Offensive die Produktivität seiner über 600.000 Mitarbeiter verzehnfachen. Das ehrgeizige Ziel ist Kern eines umfassenden „AI-Manifests“, das Vorstandschef Mukesh Ambani diese Woche vorstellte. Der Plan soll den Öl-, Telekom- und Handelsriesen in ein „KI-natives Deep-Tech-Unternehmen“ verwandeln – und zugleich die gesamte indische Wirtschaft revolutionieren.

„10x“-Produktivität als Notwendigkeit

Das Herzstück der Strategie ist das aggressive „10x“-Ziel. Die Führung bezeichnet es nicht als Wunsch, sondern als zwingende Notwendigkeit. Künstliche Intelligenz soll in alle Geschäftsbereiche – von Energie und Einzelhandel bis zu Telekommunikation und Finanzdienstleistungen – integriert werden.

Experten sehen darin mehr als eine normale Digitalisierung. KI wird im Manifest nicht als „neue Art zu arbeiten“ definiert. Wiederholende, manuelle Aufgaben sollen durch „agentische Automatisierung“ komplett eliminiert werden. So will das Unternehmen menschliches Kapital für wertschöpfendere Entscheidungen und Innovationen freisetzen.

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Der Fokus liegt auf der Reorganisation von Prozessen entlang von Ergebnissen und kompletten Arbeitsabläufen, nicht entlang traditioneller Abteilungsgrenzen. Durch das Schließen von „digitalen Brüchen“ in Kernprozessen strebt Reliance Echtzeit-Transparenz und bisher unerreichte Geschwindigkeiten an.

Radikaler Umbau: „Pods“ und autonome KI

Um diese Vision umzusetzen, führt der Konzern eine radikale Umstrukturierung ein. Die Arbeit wird in kleine, cross-funktionale „Pods“ organisiert. Jedes dieser Teams erhält eigene KI-Ressourcen und klare, messbare Ziele. Ein verantwortlicher Leiter soll jedem Pod die Agilität eines Start-ups innerhalb des Konglomerats verleihen.

Zentral ist die Integration von „agentischer Automatisierung“ – KI-Systeme, die innerhalb definierter Parameter autonom handeln können. Sie sollen komplexe Workflows übernehmen, die bisher mehrere menschliche Bearbeitungsschritte erforderten. Das Manifest betont jedoch: Während die KI ausführt, bleibt die menschliche Verantwortung unverändert entscheidend.

Die Führung betont, es gehe nicht um den Ersatz von Talent, sondern um das „Anheben von Standards“. Vom 10. bis 26. Januar sind alle Mitarbeiter aufgerufen, eigene KI-Anwendungsideen einzubringen. Dieser Bottom-up-Ansatz soll KI-Kompetenz in der gesamten Organisation demokratisieren.

Export der KI-Revolution: „Erschwingliche KI für jeden Inder“

Die Ambitionen gehen weit über das eigene Unternehmen hinaus. Das zweite Kapitel des Manifests verspricht „Affordable AI for Every Indian“ – erschwingliche KI für jeden Inder. Diese Strategie ähnelt dem Vorgehen bei Jio, das mit extrem günstigen Datentarifen den indischen Mobilfunkmarkt revolutionierte.

Reliance will seine KI-Fähigkeiten nutzen, um nationale Herausforderungen in Gesundheitswesen, Bildung und Landwirtschaft anzugehen. Die internen „10x“-Prinzipien sollen auch für Lösungen für Indiens 1,4 Milliarden Bürger skalieren. Das Jio-Netzwerk mit über 500 Millionen Nutzern bietet die perfekte Vertriebsplattform.

Analysten sehen in dieser Doppelstrategie – interne Effizienz und externe Markterschließung – den Schlüssel zur Dominanz im aufkeimenden indischen KI-Markt. Der eigene, vielfältige Konzernverbund dient als Testgelände für Unternehmenslösungen, die später kommerziell angeboten werden.

Grüne Rechenzentren und globale Allianzen

Das Manifest baut auf bedeutenden Investitionen des Jahres 2025 auf. Im August gründete der Konzern die Tochtergesellschaft „Reliance Intelligence“. Sie baut Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab, die mit grüner Energie betrieben werden und für KI-Anwendungen optimiert sind. Diese Infrastruktur ist essenziell für das Training der benötigten großen Sprachmodelle.

Zudem stützt sich die Strategie auf internationale Partnerschaften. Das im Sommer 2025 bekanntgegebene Joint Venture mit Meta sowie strategische Kooperationen mit Google verschaffen Reliance Zugang zu modernsten Open-Source-Modellen und Rechenkapazitäten. Diese Allianzen ermöglichen es dem Konzern, die aufwendige Grundlagenentwicklung zu überspringen und sich auf Anwendung und Lokalisierung für den indischen Markt zu konzentrieren.

Blaupause für traditionelle Konglomerate?

Mit der Umsetzungsphase ab Anfang 2026 richtet sich die Branchenaufmerksamkeit besonders auf die Einführung der Pod-Struktur. Sollte sie erfolgreich sein, könnte sie zur Blaupause werden, wie traditionelle Mischkonzerne den Sprung in die Tech-Ära schaffen.

Die nächsten konkreten Schritte sind die Auswertung der Mitarbeiter-Ideen Ende Januar und die Einführung eines „12-Schichten-Blaupausen“ für Daten- und Sicherheitsstandards. Gelingt das Vorhaben, könnte der Reliance-Ansatz die Effizienzmaßstäbe der gesamten indischen Industrie neu kalibrieren und Wettbewerber zu beschleunigter KI-Einführung zwingen.

Für den breiten Markt signalisiert das Versprechen erschwinglicher KI, dass 2026 das Jahr werden könnte, in dem KI-Anwendungen in Indien den Sprung vom Premium-Tool zum Massenprodukt schaffen.

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