Regierungen setzen auf Privatsektor für digitale Revolution
19.01.2026 - 08:56:12Staaten weltweit rekrutieren Tech-Experten und KI-Spezialisten, um ihre Behörden grundlegend zu modernisieren. Der Fokus liegt nicht mehr auf reiner Digitalisierung, sondern auf einer vollständigen Neugestaltung des Bürger-Erlebnisses – nach dem Vorbild erfolgreicher Privatunternehmen.
UK startet „CustomerFirst“-Einheit mit Octopus-Energy-Chef
Die britische Regierung hat eine neue Einheit geschaffen, die Behördendienste radikal vereinfachen soll. „CustomerFirst“ wird innerhalb des Wissenschafts- und Technologieministeriums (DSIT) angesiedelt und von Greg Jackson, dem CEO des Energieanbieters Octopus Energy, sowie dem Ex-Monzo-Manager Tristan Thomas geleitet. Ihr Ziel: Die oft frustrierenden Erfahrungen mit langen Warteschleifen und komplizierten Formularen beenden.
Als erste Behörde durchläuft die Fahrzeugzulassungsstelle DVLA die Transformation. Sie bearbeitet jährlich Millionen Bürgeranfragen. Die Initiative ist Kernstück der neuen „Roadmap for a Modern Digital Government“, die Technologie nutzen will, um alles von der Steuerverwaltung bis zum Wohnungsbau zu beschleunigen. Die Strategie setzt auf digitale First-Angebote, ohne dabei weniger technikaffine Nutzer auszuschließen.
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Digitaler Personalausweis: Zwischen Zwang und Akzeptanz
Während Großbritannien seine Pläne für einen verpflichtenden nationalen Digitalausweis für Arbeitgeberprüfungen zurückgenommen hat, setzt Malaysia auf eine aggressive Expansionsstrategie. Das MyDigital ID-Programm will in diesem Jahr 15 Millionen neue Nutzer gewinnen. Bereits 8,7 Millionen Menschen sind registriert, das System verzeichnet über 400.000 wöchentliche Zugriffe.
Der Schlüssel zum malaysischen Erfolg? Die Integration in mehr als 80 staatliche und private Anwendungen macht die digitale ID zum unverzichtbaren Werkzeug für Alltagstransaktionen. Die Regierung kooperiert sogar mit Fahrdienst-Vermittlern, um die Akzeptanz zu steigern. Großbritannien hingegen setzt nun auf einen offeneren Markt: Der staatliche Ausweis wird nur eine Option unter vielen zertifizierten privaten Lösungen sein. Eine öffentliche Konsultation soll bald starten.
KI und Daten-Architektur werden zur Chefsache
Die Transformation geht weit beyond Bürgerportale. In den USA treibt das Pentagon eine „KI-first“-Militärstrategie voran, mit massiven Investitionen in Recheninfrastruktur und KI-Simulationen. Parallel erforscht das Verteidigungsministerium Data-Mesh-Architekturen, um bis 2027 eine „Zero Trust“-Sicherheitsarchitektur umzusetzen. Dieser Ansatz bricht traditionelle Datensilos auf und standardisiert den Datenzugriff.
Experten sehen hier einen globalen Trend für 2026: Die anfängliche KI-Euphorie weicht dem Aufbau solider Grundlagen in Datensicherheit, Governance und Talentbindung. Der Fokus liegt auf praktischen, vertrauenswürdigen KI-Anwendungen mit messbarem Nutzen.
Analyse: Vom Online-Formular zum Service-Erlebnis
Die jüngsten Ankündigungen markieren eine neue Reifephase in der E-Government-Entwicklung. Die britische Entscheidung, mit Jackson einen bekannten Disruptor aus der Energiewirtschaft zu berufen, zeigt ein klares Lernziel: Der Staat muss vom Privatsektor lernen, um gestiegene Bürgererwartungen zu erfüllen.
Das Beispiel Octopus Energy ist dabei wegweisend. Der Einsatz generativer KI für die Beantwortung von Kunden-E-Mails hat dort Wartezeiten drastisch reduziert – genau diese Effizienzspringe wünschen sich nun auch die Behörden. Die größte Herausforderung bleibt jedoch, digitale Identitätssysteme zu schaffen, die sicher sind, breite Akzeptanz finden und dennoch nicht als staatlicher Zwang empfunden werden. Der Erfolg wird davon abhängen, ob sie den Bürgern einen echten Mehrwert und Wahlfreiheit bieten können.
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