Recycling-Branche: Lithium-Batterien und Trockenheit schüren Brandgefahr
12.01.2026 - 10:14:12Die deutsche Recycling-Industrie steht vor einer doppelten Sicherheitskrise: Lithium-Ionen-Batterien im Abfall und zunehmende Trockenheit erhöhen die Brandgefahr dramatisch. Gleichzeitig fehlen vielen Betrieben die Mittel für teure Schutzmaßnahmen.
BERLIN – Das neue Jahr beginnt für Deutschlands Entsorgungswirtschaft mit drastischen Warnungen. Eine aktuelle Branchenanalyse zeigt, dass sich die Anforderungen an den Brandschutz grundlegend verändert haben. Verantwortlich sind die allgegenwärtigen Lithium-Ionen-Akkus und immer trockenere Klimabedingungen. Doch die notwendigen Investitionen in Sicherheit treffen auf eine harte Realität: Viele Betriebe kämpfen aktuell um ihr wirtschaftliches Überleben.
Die Situation beschreibt einen prekären Balanceakt für einen der wichtigsten Infrastruktursektoren. Während die Kreislaufwirtschaft für die EU-Klimaziele immer zentraler wird, werden die Anlagen, die diese Materialien verarbeiten, selbst zunehmend brandgefährlich.
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Die unsichtbare Gefahr: Lithium-Akkus im Abfallstrom
Der Haupttreiber der Krise bleibt die „falsch entsorgte Batterie“. Sicherheitsberichte aus der Branche belegen, dass Brände durch Lithium-Ionen-Akkus im Müll das Risikoprofil von Recyclinganlagen grundlegend verändert haben.
Die Gefahr lauert oft in großen Materialhaufen, wo beschädigte Batterien unbemerkt schwelen können. Ein aktueller Bericht von Haufe betont, dass moderne Recyclingprozesse – insbesondere das Pressen und Schreddern von Material – die Integrität dieser Akkus katastrophal beeinträchtigen können. Wird der Separator in einer Lithium-Ionen-Zelle durch mechanischen Druck beschädigt, kommt es zum „thermischen Durchgehen“. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt und es entstehen sich selbst erhaltende Brände, die notorisch schwer zu löschen sind.
Die Branche beobachtet einen Wandel der Brandursachen. Während frühere Brände oft auf externe Faktoren oder Brandstiftung zurückgingen, liegen die Ursachen heute zunehmend im Abfallstrom selbst. „Maschinenfunken“ auf trockenem Material waren immer ein Risiko. Die Anwesenheit hochenergetischer Zellen verwandelt jedoch kleine Zündquellen in Großbrände.
Klimawandel als Brandbeschleuniger
Neben dem Batterie-Problem verschärft ein weiterer, oft unterschätzter Faktor das Risiko: der Klimawandel. Die Haufe-Analyse weist auf einen Zusammenhang zwischen langen Trockenperioden und der Anlagensicherheit hin.
In früheren Jahrzehnten bot der Feuchtigkeitsgehalt in Papier-, Pappe- und Holzabfällen einen natürlichen Puffer gegen Entzündung. Da jedoch heißere, trockenere Frühlinge und Sommer in Deutschland zur Norm werden, ist der Grundfeuchtegehalt gelagerter Wertstoffe deutlich gesunken. Diese „Austrocknung“ des Abfallstroms bedeutet, dass die Entzündungstemperatur für Materialien wie Pappe und Kunststoff viel schneller erreicht wird. Ein einzelner Funke aus einer Sortiermaschine, der vor zehn Jahren noch harmlos gewesen wäre, findet heute innerhalb von Sekunden reichlich trockenen Brennstoff.
Diese doppelte Bedrohung – interne Zündung durch Batterien und höhere Entflammbarkeit des umgebenden Abfalls – hat ältere Brandschutzstandards wie die VdS 2517 für viele moderne Anlagen unzureichend gemacht. Signifikante Nachrüstungen sind nötig.
Das wirtschaftliche Dilemma: Sicherheit versus Überleben
Während die technischen Lösungen für diese Risiken existieren – von Infrarot-Überwachung bis zu automatischen Löschanlagen – stößt die wirtschaftliche Kraft zu ihrer Umsetzung an Grenzen.
In einer Stellungnahme vom 9. Januar zum neuen EU-„Winterpaket“ für die Kreislaufwirtschaft zeichnete der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) ein düsteres Bild von der finanziellen Lage der Branche. Der Verband kritisierte das Fehlen wirtschaftlicher Impulse für mittelständische Recycler. Für viele Unternehmen habe aktuell die „Sicherung des laufenden Betriebs“ Priorität, nicht neue Großinvestitionen.
Dieser wirtschaftliche Druck erzeugt eine gefährliche Reibung. Die Installation modernster Brandbekämpfungssysteme erfordert Investitionen, die viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kaum rechtfertigen können. Hohe Energiekosten und volatile Preise für Recyclingrohstoffe (Rezyklate) belasten die Kassen. Die Kritik des bvse an der EU-Politik legt nahe: Ohne bessere wirtschaftliche Anreize oder weniger bürokratische Hürden – wie die komplexen „Ende-der-Abfall“-Kriterien für 2026 – fehlen den Unternehmen die Mittel, ihre Sicherheitsinfrastruktur im erforderlichen Tempo an die steigenden Risiken anzupassen.
Die regulatorische Antwort: Rufe nach einem Pfandsystem
Angesichts dieser Sackgasse intensiviert die Entsorgungswirtschaft ihre Forderungen nach regulatorischen Eingriffen an der Quelle, statt sich nur auf die Brandbekämpfung am Ende der Kette zu verlassen.
Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) und andere Verbände fordern seit langem ein verpflichtendes Pfandsystem („Batteriepfand“) für Lithium-Ionen-Batterien. Die Logik ist einfach: Sind Batterien wertvoll genug, um sie zurückzugeben, landen sie nicht im Restmüll, wo sie Brände verursachen.
Anfang 2026 geht die Diskussion über Batterien hinaus hin zur erweiterten Herstellerverantwortung. Unter Sicherheitsexperten wächst der Konsens, dass die Kosten von Brandschäden – dazu zählen nicht nur Anlagenverluste, sondern auch Umweltverschmutzung und Feuerwehreinsätze – nicht allein von den Entsorgungsbetrieben getragen werden können.
Branchenbeobachter erwarten, dass in den kommenden Monaten die Lobbyarbeit für eine strengere Anwendung des Verursacherprinzips auf Batteriehersteller intensiviert wird. Bis dahin bleiben die Recyclinganlagen-Betreiber an vorderster Front. Sie managen einen Abfallstrom, der im wahrsten Sinne des Wortes explosiv geworden ist.
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