Psychische Erkrankungen: 33 Tage Ausfall pro Fall
30.11.2025 - 10:02:12Psychische Erkrankungen verursachen durchschnittlich 33 Tage Ausfallzeit pro Fall und belasten Unternehmen mit milliardenschweren Kosten. Gleichzeitig arbeitet die Mehrheit der Beschäftigten trotz Krankheit weiter.
Das Institut der deutschen Wirtschaft meldet einen Rekord bei Ausfallzeiten. Während die Häufigkeit psychischer Erkrankungen stagniert, steigt die Dauer massiv: durchschnittlich 33 Tage pro Fall – fast fünf Wochen, in denen Arbeitnehmer komplett ausfallen. Die Zahlen markieren einen Wendepunkt in der Debatte um mentale Gesundheit am Arbeitsplatz.
Die neue Dimension: Nicht mehr, sondern länger krank
Psychische Störungen landen 2025 auf Platz drei der Krankheitstage-Statistik. Doch die eigentliche Brisanz liegt woanders: Die Ausfälle werden länger und schwerer. Depressionen, Angststörungen und Burnout binden massive Ressourcen – und werden oft viel zu spät erkannt.
„Wir sehen eine Chronifizierung der Leiden”, heißt es aus Branchenkreisen. Was als leichte Erschöpfung beginnt, entwickelt sich unbehandelt zur Langzeiterkrankung. Die DAK-Gesundheit meldete bereits im Frühjahr 2025 historische Höchstwerte. Besonders betroffen: Gesundheits- und Erziehungsberufe. Doch auch in der freien Wirtschaft nehmen die Langzeitausfälle zu.
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Die volkswirtschaftlichen Kosten bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich. Aus einem individuellen Schicksal wird ein makroökonomisches Risiko, das Sozialsysteme und öffentliche Haushalte gleichermaßen belastet.
Die stille Gefahr: Präsentismus kehrt zurück
Parallel zum Anstieg der Ausfallzeiten wächst ein gefährliches Phänomen: Präsentismus – das Arbeiten trotz Krankheit. Aktuelle Erhebungen zeigen: 63 Prozent der Angestellten arbeiteten im vergangenen Jahr krank weiter, ob im Büro oder im Homeoffice.
Die Gründe? Angst vor Arbeitsplatzverlust in volatilen Zeiten und falsch verstandenes Pflichtbewusstsein. Was kurzfristig wie Produktivität aussieht, erweist sich als Bumerang: Wer sich nicht auskuriert, riskiert die Verschleppung von Erkrankungen und die Manifestation psychischer Erschöpfung.
Hybride Arbeitsmodelle verschärfen das Problem. Die Grenzen zwischen Arbeit und Erholung verschwimmen. Der kranke Mitarbeiter loggt sich „nur kurz” ein – und landet Wochen später mit einer 33-Tage-Krankschreibung. Unternehmensberater warnen: „Anwesenheit um jeden Preis ist die teuerste Strategie für Arbeitgeber.”
Generationenkonflikt: Wirtschaftswunder gegen Gen Z
Die Debatte offenbart einen kulturellen Graben zwischen den Generationen. Jüngere Arbeitnehmer fordern eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben sowie proaktive Gesundheitsangebote. Die ältere Generation lebt oft noch ein anderes Arbeitsethos.
Entertainerin Ina Müller brachte es Ende November auf den Punkt: Sie bezeichnete sich als „späte Generation Wirtschaftswunder”, der es schwerfalle, Pausen einzulegen. Bei jüngeren Kollegen beobachte sie dagegen das Bedürfnis, „ein bisschen mehr Ohm” zu sein.
Die Zahlen geben der jüngeren Generation recht: Eine Studie von Union Investment zeigt, dass 90 Prozent der Beschäftigten mentale Gesundheit für wichtig halten. Doch nur 44 Prozent haben das Gefühl, ihr Arbeitgeber nehme das Thema ernst. Gen Z und Millennials fordern keine Lippenbekenntnisse mehr, sondern strukturelle Veränderungen – von realistischen Arbeitslasten bis zu offeneren Führungskulturen.
Die wirtschaftliche Rechnung: Obstkörbe reichen nicht
Mental Health hat den Status eines „weichen Faktors” endgültig verlassen. Die Kosten für Lohnfortzahlungen und Produktionsausfälle durch psychische Erkrankungen zwingen Unternehmen zum Umdenken. Analysten bestätigen: Feel-Good-Manager und Obstkörbe reichen angesichts der Problemtiefe nicht mehr aus.
Der Markt reagiert bereits. Anbieter von betrieblichem Gesundheitsmanagement verzeichnen steigende Nachfrage nach Präventionsprogrammen für psychische Resilienz. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Politik: Das iwd betont, dass die Hälfte aller psychischen Erkrankungen bereits vor dem 15. Lebensjahr ihren Ursprung hat. Prävention muss früher ansetzen – im Bildungssystem.
Unternehmen, die nicht investieren, riskieren nicht nur hohe Fehlzeiten. Sie verlieren auch im „War for Talents” den Anschluss an eine Generation, die ihre Gesundheit nicht mehr für den Job opfert.
Ausblick: KI gegen Burnout?
Für 2026 erwarten Experten eine weitere Verschärfung, sollten Unternehmen nicht gegensteuern. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitsmanagement könnte zunehmen. Erste Pilotprojekte nutzen KI, um Stresslevel in Teams anonymisiert zu messen und frühzeitig Warnsignale zu senden – bevor der Burnout eintritt.
Kurzfristig steht jedoch ein Kulturwandel an. Führungskräfte müssen sich auf unbequeme Gespräche einstellen und kranke Mitarbeiter aktiv nach Hause schicken. Die Daten dieser Woche machen es deutlich: Die Zeit des Wegsehens ist vorbei. Wer die mentale Gesundheit seiner Belegschaft ignoriert, zahlt die Zeche – in Form von 33 Tagen Abwesenheit pro Fall.
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