Pre-boarding, Talente

Pre-boarding: Wie Unternehmen Talente vor dem ersten Tag verlieren

06.01.2026 - 12:23:12

Immer mehr Fachkräfte treten nach der Zusage nicht an. Unternehmen setzen auf automatisierte Pre-boarding-Strategien, um die kritische Phase bis zum Arbeitsbeginn zu sichern.

Die Phase zwischen Vertragsunterschrift und Arbeitsbeginn wird zur kritischen Schwachstelle im Recruiting – und kostet Unternehmen wertvolle Fachkräfte.

München/Berlin – Ein unterschriebener Vertrag ist 2026 keine Garantie mehr. Immer mehr Kandidaten tauchen nach der Zusage einfach ab. Dieses „Candidate Ghosting“ entwickelt sich vom Ärgernis zum existenziellen Geschäftsrisiko. Neue Daten zeigen: Die Wochen vor dem ersten Arbeitstag entscheiden über Sieg oder Niederlage im Kampf um Talente.

Die stille Kündigung vor dem Start

Ein aktueller Bericht vom 4. Januar 2026 macht das Ausmaß deutlich. Kandidaten verschwinden nicht mehr nur vor der Zusage, sondern zunehmend danach. Experten sehen die Ursache nicht in der Generation Z, sondern in maroden Prozessen. Lange Funkstille nach der Unterschrift ist der Hauptgrund für den plötzlichen Rückzug.

Der deutsche Arbeitsmarkt sendet paradoxe Signale. Zwar sanken die offenen Stellen zuletzt um fast 20 Prozent. Gleichzeitig fehlen aber weiterhin qualifizierte Spezialisten. Jeder verlorene Kandidat in dieser „letzten Meile“ trifft Unternehmen daher doppelt hart.

Die klassische Trennung zwischen Recruiting und Onboarding hat ausgedient. Die wirklich kritische Phase liegt heute dazwischen.

Drei Strategien gegen das Ghosting

Pre-boarding ist keine nette Geste mehr, sondern strategische Notwendigkeit. Die Diskussionen der letzten Tage in HR-Kreisen zeigen drei klare Trends.

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1. Automatisierung für mehr Menschlichkeit

Führende Unternehmen setzen auf KI-gestützte Pre-boarding-Systeme. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf: Automatisierte, personalisierte Nachrichten halten den Kontakt aufrecht. Kandidaten erhalten vor dem Start Einblicke in Projekte oder virtuelle Kaffeetermine. Die psychologische Bindung bleibt erhalten – die Ghosting-Gefahr sinkt.

2. Digitaler First Impression

Bürokratie killt Begeisterung. Komplexe Papierprozesse wecken Zweifel an der Professionalität des neuen Arbeitgebers. Die Lösung: Alle administrativen Aufgaben – von der Steuer-ID bis zur Hardware-Bestellung – in digitale Portale verlagern. Die Botschaft an den Kandidaten: „Wir sind vorbereitet und erwarten dich.“

3. Soziale Brücken vor Tag 1

Ein einsamer Start ist ein Risikostart. Immer mehr Firmen aktivieren deshalb Mentoren oder „Buddies“ schon in der Pre-boarding-Phase. Ein proaktiver Video-Call baut soziale Hürden ab und erhöht die emotionale Bindung. Wer schon Kontakte hat, springt seltener ab.

Warum jeder Verlust wehtut

Die Dringlichkeit unterstreichen aktuelle Arbeitsmarktdaten. Eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) vom 5. Januar zeigt: Engpassberufe in Technik und Pflege bleiben massiv unterbesetzt.

Das Problem ist strukturell. Unternehmen finden nicht nur schwer neue Talente, sie lassen auch Potenziale ungenutzt. Geht ein rekrutierter Spezialist vor dem Start verloren, entstehen hohe Kosten. Nicht nur für die Neueinstellung, sondern auch durch liegenbleibende Projekte.

Ein Kommentar im Focus brachte es auf den Punkt: Der Markt erlebt einen „Reality-Check“. Es geht nicht um Masse, sondern um Passgenauigkeit. Den perfekten Match zu finden, ist das eine. Ihn zu halten, das andere.

Die rechtliche Gratwanderung

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist Pre-boarding ein Minenfeld. Juristen warnen vor Fallstricken.

  • Arbeitszeit gilt sofort: Schulungen oder inhaltliche Arbeit vor Vertragsbeginn sind vergütungspflichtig. Sie lösen sofort Sozialversicherungspflicht aus. Reine Informationsangebote sind dagegen unkritisch.
  • Datenschutz beachten: Die Nutzung privater Kommunikationswege wie WhatsApp ohne Einwilligung ist riskant. Sichere Unternehmensportale sind Pflicht.
  • Vertragsstrafen mit Vorsicht: Immer mehr Arbeitgeber denken über Strafklauseln bei Nichtantritt nach. Rechtlich sind sie möglich, meist begrenzt auf ein Bruttomonatsgehalt. Im Wettbewerb um Top-Talente können sie aber abschrecken. Die weiche Bindung durch gutes Pre-boarding ist oft die klügere Wahl.

Die Zukunft beginnt bei der Unterschrift

Branchenbeobachter sind sich einig: 2026 wird das Jahr, in dem die Mitarbeitererfahrung nicht am ersten Tag, sondern mit der Unterschrift beginnt.

„Unternehmen, die nach der Unterschrift schweigen, verlieren ihre Kandidaten. Ghosting ist oft kein Charakterfehler, sondern ein Kommunikationsversagen des Arbeitgebers,“ lautet das Fazit in HR-Netzwerken.

Die Technologie wird zum Ermöglicher. Plattformen, die Prozesse automatisieren, ohne sie zu entpersonalisieren, werden zum Standard. Gleichzeitig verschärft die demografische Entwicklung den Fachkräftemangel weiter. Der Wert jedes unterschriebenen Vertrags steigt.

Für HR-Verantwortliche heißt das: In strukturiertes Pre-boarding zu investieren, ist keine Frage des Wollens mehr, sondern des Müssens. Wer Talente bindet, bevor sie anfangen, sichert sich nicht nur Arbeitskraft, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil.

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